Abschlussbericht der Aktion „Guter
Hirt“ 28.4.2010 (pdf) (ppt) Bischof Franz –Peter in Bosnien (5..08) Guter Hirte Aktion III eröffnet, die Aktion geht weiter (8.05 und weitere Jahre) Aktion I Guter Hirte - Milchschafe für Bosnien Aktion II Guter
Hirte, Kühe für den Kosovo
Aktivitäten des Bistums in
Bosnien-Kosovo Zur sozialen Struktur der bosnischen Kriegsflüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland
Dr. Ernst Leuninger Wiederaufbauarbeiten
in Bosnien
Wiederaufbauarbeiten in
Bosnien 0
Bosnienbeauftragter des Bistums Seit April 97 ist Prof. Dr. Ernst
Leuninger, damals noch Dezernent im Bischöflichen Ordinariat Limburg,
Bosnien-Beauftragter des Bischofs von Limburg. In dieser Funktion hat er bis
Augsut 1999 11 Reisen nach Bosnien durchgeführt, um Wiederaufbauprojekte zu
fördern. Der folgende Beitrag stellt einen erweiterten Reisebericht dar, der
auch nach Hintergründen fragt.. 1 Frühzeitig
war der Bischof von Limburg in Bosnien Schon in den Zeiten der kriegerischen
Auseinandersetzungen war der Bischof von Limburg, Dr. Franz Kamphaus,
verschiedentlich in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina.
Teilweise unter abenteuerlichen Umständen vollzogen sich diese Reisen.
Sarajevo war eine belagerte Stadt, auch wenn Waffenstillstand herrschte. An
Neujahr 1995 reiste der Bischof im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz
dorthin. Es kam zu Gegenbesuchen von Kardinal Puljic und Weihbischof Sudar
aus Sarajevo. Vom Bistum Limburg wurde der Aufbau der "Schulen für
Europa" gefördert und die Gläubigen eingeladen, über Spenden unter dem
Thema "Ein Dach über dem Kopf" zur Erneuerung von Dächern und
Fenstern beizutragen. So entstand denn auch der Gedanke, beim Aufbau intensiver
mitzuhelfen. Ostern 1997 fuhr deshalb der Bischof mit mir nach Sarajevo, um
dort die Möglichkeiten für weitere Hilfe, vor allem in Pfarreien, zu
erkunden. Alles, was in Bosnien geschah, hatte seine
Vorgeschichte und seinen politischen Kontext, auf die hier kurz eingegangen
wird, damit die Zusammenhänge verständlich sind. Dazu gehört auch der Termin
der Abfassung in der zweiten Februarhälfte 1998. Im Kern der Ausführungen
werden die Erfahrungen des Verfassers stehen. 2.1 Einige
geschichtliche Anmerkungen Die Verhältnisse in Bosnien-Herzegowina
sind ohne die historischen Entwicklungen nicht zu verstehen. Auf die
Bedeutung der Geschichte für die derzeitigen Konflikte ist in der letzten
Zeit durch eine Reihe von Veröffentlichungen hingewiesen worden. Die Materie
ist äußerst komplex und keineswegs hinreichend aufgearbeitet. Die
Aufarbeitung wird auch immer schwieriger durch die Zerstörung der zentralen
Bibliothek in Sarajevo während der Kriegsereignisse. Hier kann nur kurz auf
wichtige Einflußzusammenhänge hingewiesen werden. Unterschiedliche
Sichtweisen sind vor allem bei den bisherigen Kriegsparteien vorhanden.
Bosnien lag im Bereich der Schnittlinie
zwischen Ost- und Westrom. Dies wurde später deutlich durch die
unterschiedliche Ausprägung des Christentums in den jeweiligen Einflußzonen.
Im Osten war es die Orthodoxie, im Westen das römisch beeinflußte
Christentum. Der größte Teil Bosnien gehörte ja zur Provinz Dalmatien der
Römer. In diese Zeit fallen auch Kirchengründungen, 20 Basiliken lassen sich
nachweisen. Dabei wird dem römisch beeinflußten Christentum nachgesagt, daß
es recht eigenständig war und das Bemühen der Franziskaner um Reformen und
nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Die oben genannte Schnittlinie entspricht
auch im wesentlichen der Schnittlinie zwischen Serben im Osten und Kroaten im
Westen. Durch Wanderungsbewegungen ist es immer wieder zu Verschiebungen
gekommen. Dabei muß aber betont werden, daß die
Ausgangslage keine einheitlich zugewanderten Völker waren, sondern der
Zusammenhalt in Nationen sich erst später herausbildete und keineswegs
abgeschlossen ist. Wissenschaftlich ist völlig ungeklärt und wohl auch nicht
klärbar, was denn eine Nation ist. Zumeist handelt es sich um emotional besetzte
Kampfbegriffe nach außen oder Einigkeitsbeschwörungen nach innen. Sowohl bei Serben als auch bei Kroaten
verbreitete sich die Lehre des orthodoxen Priesters Bogumil. Seine Anhänger,
die Bogumilen, galten als Ketzer. Es war eine sehr asketisch geprägte
Religion, die Kirchen und Klöster ablehnte und dualistische Züge hatte.
1180 gab es erstmals einen eigenständigen
bosnischen Staat. Die Eroberung des Balkan durch die Anhänger des Islam
begann im späten Mittelalter. Bis 1463 waren alle befestigten Orte Bosniens
und der Herzegowina in der Hand des Islam. Es ist nicht auszuschließen, daß
die Bogumilen sehr schnell zum Islam übertraten, weil sie diesen als Befreier
erlebten. Dazu läßt sich aber wenig gesichertes sagen. 1468/69 gab es 37.125
christliche und 332 muslimische Haushalte, 50 Jahre später waren es knapp 50%
Muslime und im erst im 17. Jahrhundert war Bosnien mehrheitlich islamisiert.
Die Serben zeigten sich bezüglich der Bewahrung ihres Glaubens
widerständiger, die Kroaten waren damals wohl religiös nicht so stabil
geprägt. Die islamische Herrschaft unter türkischer
Oberhoheit endete mit dem Einmarsch von Österreich-Ungarn 1878. Obwohl die
Muslime ihren Glauben frei ausüben konnten und 1909 die kulturelle Autonomie
erhielten, wanderten bis 1918 etwa 300 000 Muslime aus. In die Zeit der
Habsburger fällt die Modernisierung und Industrialisierung des Landes. Die
Leibeigenschaft wurde schrittweise abgeschafft, Bodenreformen durchgeführt.
Der Mord am Tronfolgerpaar in Sarajevo löste 1914 den Ersten Weltkrieg aus.
Nach dem Krieg wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen
gegründet, dem Bosnien zwangsweise eingegliedert wurde. Dann kam die Besetzung durch Deutschland
und Italien im Zweiten Weltkrieg. Es wurde ein kroatischer Staat gegründet,
der unter der Führung der kroatisch-faschistischen Organisation Ustacha
stand; Auf serbischer Seite gab es die Tschetnics. Bosnien gehörte zu diesem
kroatischen Staat. Die Führung der Muslime ging mit der Ustascha zusammen.
Letztlich konnte die kommunistische Partei mit ihren Kampforganisationen den
Krieg für sich entscheiden. Die Opfer des Krieges, der gegenseitigen Morde
und Rachefeldzüge, waren groß und hinterließen viele Wunden. Auch hier zeigte
sich der Krieg von seiner schmutzigsten Seite. Durch Tito und unter Führung der
kommunistischen Partei wurde ein geeintes Jugoslawien gegründet. In dieser
Zeit wurden neben Serben und Kroaten, die für Bosnien von Bedeutung sind,
auch die Muslime ethnisch 1961 anerkannt (Bosniaken) und erhielten 1971 den
Status einer "Nation in Jugoslawien". Zu sagen, die Muslime seien
letztlich Serben oder Kroaten gewesen, ist nicht ungefährlich, weil damit
immer wieder Machtansprüche abgeleitet wurden, obwohl das für den Ursprung
stimmt. In dem Entstehen des neuen Nationalismus im Gebiet Jugoslawiens
holten sich Muslime ihre Gedanken überwiegend aus dem Bereich des Islam.
Insgesamt unterscheiden sich die Serben und Kroaten auch eher durch die
Religion als durch andere kulturelle Gegebenheiten. Im politischen und wirtschaftlichen Zerfall
der zentralen kommunistischen Macht und des kommunistischen Staates bildete
das Hin und Her der geschichtlichen Entwicklung ein allgemeines Substrat der
Unsicherheit, der verlorenen oder nie richtig gefunden Identität, das für
politische Heilsprediger beste Voraussetzungen bietet. Das nationalistische
Denken der Menschen war weniger die Ursache der nun folgenden
Auseinandersetzungen, sondern ein guter Wurzelboden, auf dem ein
kämpferischer Nationalismus begründet bzw. erweitert werden konnte, der dann
zu all dem derzeitigen Elend führte. 2.2 Der Krieg
und seine Folgen Anlaß zu dem Bürgerkrieg in
Bosnien-Herzegowina war die Schwäche der Zentralmacht und das Zusammenbrechen
des Kommunismus. Es entstanden neue Staatsgebilde, oft auf historischem
Hintergrund, meist mit den Grenzen, wie sie im kommunistischen Staat für die
Bundesländer existierten. An die Stelle des Kommunismus trat zumeist
nationales Denken. Soweit es Slowenien betraf, beinhaltete es keine
unterschiedlichen Nationen und es wurden auch keine Herrschaftsansprüche
erhoben. Anders sah dies in Serbien aus. Dort war in
Kreisen von Intellektuellen vor allem im Umfeld der Akademie der
Wissenschaften von Belgrad die Idee Großserbiens wiederbelebt worden. Es ist
ein "Verrat der Intellektuellen" an den Werten Freiheit, Gleichheit
und Geschwisterlichkeit, an der grundlegenden Bedeutung der Menschenwürde.
Blut und Boden werden zu letzten Werten. Das Sanu-Memorandum der Belgrader
Akademie von 1986 postulierte die großserbischen Blut- und Bodenansprüche und
wurde damit geistige Grundlage aller nationalistischen Auseinandersetzungen.
Gemäß dieser Idee wurde Anspruch auf alle Gebiete erhoben, in denen Serben
wohnten, auch wenn sie in der Minderheit waren. Schon unter den Kommunisten
wurde die großserbische Idee zu einer populistischen Idee. Zu solchen
Ideologien gehört dann immer auch die propagandistische Einrede: "Wenn
wir nicht handeln, werden uns die anderen ausrotten". Hier handelt es
sich eindeutig um Theorien, die denen der Nazis entsprechen und auch so
durchgeführt werden. Gemäß dieser Idee wurden Ansprüche auch auf
große Teile Bosniens-Herzegowinas erhoben. Muslime und Kroaten wären davon
betroffen gewesen. Die ethnische Zusammensetzung des Landes bestand 1991 aus
ca. 1,9 Millionen Muslime, 1,4 Millionen Serben, 780 000 Kroaten und noch gut
200 000 Angehörige anderer Gruppen. Letztlich fühlten sich alle als Verlierer
im Vielvölkerstaat. Vor allem serbische und kroatische Intellektuelle bezogen
ihre Ideen aus den jeweils außerhalb des Landes liegenden Machtzentren
Belgrad bzw. Zagreb. Die drei großen nationalen Parteien erhielten bei den
Wahlen 1990 86% aller Stimmen. Es gab unter den Volksguppen Spannungen und
Vorurteile, aber das Zusammenleben war über lange Zeit friedlich verlaufen.
Als der Krieg in Kroatien 1991 auf dem Höhepunkt war, bestätigen bei einer
Untersuchung in Bosnien-Herzegowina nur ein Zehntel der Befragten, daß
Nationalität ein wichtiges Kriterium für Freundschaft sei. Bei der Wahl des
Ehepartners zeigte man sich schon vorsichtiger. 43% der Muslime, 39% der
Kroaten und 25% der Serben wollten sich bei der Partnerwahl an der
Nationalität orientieren. Die Nationalitätenproblematik war zwar vorhanden,
aber nicht dramatisch. Das Konfliktpotential erschien den Menschen um so größer,
je weiter weg sie von multikulturellen Gebieten lebten. Viele Vertriebene aus
multikulturellen Gebieten berichteten, daß das Leben dort vor der Vertreibung
konfliktarm verlaufen sei. Absicht vor allem der Serben war es, eine
eigenständige Republik zu gründen, die dann zu Restjugoslawien kommt. Die
Gründung geschah dann auch am 7. April 1992 nach dem Referendum, die Kroaten
folgten im Juli, die Muslime später. Die Serben lehnten die Anerkennung
Bosnien-Herzegowinas durch ausländische Staaten ab. Bosnien-Herzegowina
beantragte aber die Anerkennung. Ein Referendum vom 1. März 1992 für die
Anerkennung Bosnien-Herzegowinas als eigenständiger Staat erhielt 99,4% der
abgegebenen Stimmen, wurde aber von den Serben boykottiert. Danach übernahmen die Ethnokraten die Macht
und begannen ihre Säuberungsideen zu verwirklichen. Sie begaben sich in die
Beschützerrolle und zwangen die Beschützten mit zum Morden. Es entstand eine
Eskalation der Gewalt. Am 1. März 1992 begannen die bewaffneten
Auseinandersetzungen, nachdem unbekannte Heckenschützen in Sarajevo das Feuer
auf eine Gruppe von feiernden Serben eröffnet hatte. Das jugoslawische
Militär verläßt formal das Land, aber 70% der Bewaffnung geht an die Serben
über, sie erhalten auch militärisches Großgerät. Wenn es in die Hände von
Kroaten oder Muslime hätte fallen können, wurde militärisches Gerät zerstört.
Belgrad unterstützt aber in vieler Beziehung die Serben militärisch, der
Oberbefehl liegt praktisch in Belgrad. So stammten im April 1994 25 000
Offiziere und Mannschaften aus Serbien und Montenegro. Es entsteht ein gnadenloser Krieg, mit
Zerstörungen, Massenmorden, Internierungslagern, Vertreibungen, ethnische
Homogenisierung und etwa 6 Millionen Stück Verminungen, im Land. Gerade die
ethnisch zerstückelte Besiedelung des Landes macht die sogenannte ethnische
Säuberung, die ja das ursprüngliche Kriegsziel der Serben und auch von den
anderen war, wenigstens faktisch teilweise und in viel geringerem Umfang
übernommen wurde, so folgenschwer. Die Serben zeichneten sich dabei besonders
aus. Trotz Bemühungen der UN geht der Krieg weiter. Kroaten kämpfen gegen
Muslime. Es geht allenthalben um Gebietsgewinne. Ende 1992 beherrschen
nämlich die Serben 70% des Territoriums. Es kommt aber zum Frieden zwischen
den Kroaten und Muslimen, nach umfangreichen gegenseitigen Zerstörungen.
Dadurch wird die Waffenkraft gegen die Serben gestärkt. September 1995
beherrschen die Serben nur noch 50% des Landes. Nach 234 gebrochenen
Waffenstillständen trat das Abkommen von Dayton am 15. Dezember 1995 in
Kraft. Es hat bis jetzt gehalten (Februar 1998). Die "ethnischen Säuberungen"
hatten riesige Flüchtlingsströme in Bewegung gesetzt. Sie begannen durch
Serben, die sie im größten Ausmaß und am systematischsten betrieben, in der
Regel in bevölkerungsmäßig geschlossenen Gebieten mit einem
Artilleriebombardement, Brandschatzungen bis hin zum Morden,
Vergewaltigungen, Verstümmeln und zu Deportationen. Im Gebiet Korace sollen
Tausende dabei getötet worden sein. Die Männer unter 60 kamen in Todeslager,
also Lager, die ausgesprochen nur zum Töten eingerichtet worden waren. Noch
im Mai 1994 gehen solche Säuberungen durch die Karadzic-Serben weiter, um
sich damit bei Gebietszusprüchen in den Friedensverhandlungen Vorteile zu
verschaffen. Die Handlungen der Muslime waren meist
Racheakte und Handlungen aus Haß, weniger gezielte ethnische Säuberungen, die
der Kroaten hatten viel kleineres Ausmaß. Bis März 1994 waren aus serbisch besetzten
Gebieten 740 000 Menschen vertrieben worden oder geflohen. 400 000 Serben
waren in umgekehrter Richtung gegangen. Ende 1995 hielten sich in
Bosnien-Herzegowinas 2,7 Millionen, in Kroatien 463 000 und in Serbien 449
000 Flüchtlinge auf. Andere Datenwiedergaben sprechen von mehr als 2 Millionen
Flüchtlingen, davon mehr als 1 Millionen in Bosnien-Herzegowina und eine
Million in 25 anderen Ländern. z.B. 330 000 in Deutschland. So eine
Mitteilung des UNHCR vom März 1997. 175 000 Menschen waren September 1995
schon getötet, darunter 17 000 Kinder, ähnlich viele Menschen wurden
verletzt, 80% überlebten nur durch humanitäre Hilfe. Etwa 220 000 kehrten
1996 in die Heimat zurück, für 1997 rechnete man mit 200 000. Der Prozentsatz
der zerstörten Häuser ist enorm. Was nicht kriegszerstört wurde, das wurde
oft nach der Flucht oder Vertreibung der Einwohner geplündert und abgetragen.
Das Transportwesen, die Trinkwasserversorgung und die Stromversorgung waren
weitgehend zusammengebrochen. Die Schadenschätzungen liegen zwischen 10 - 70
Milliarden Dollar, aus der Kenntnis der Lage vor Ort würde ich eher auf die
größere Zahl verweisen. Zur ethnischen Säuberung gehört aber auch
die systematische Zerstörung der Kulturgüter, schon 1992 waren z.B. 70% der
islamischen Gotteshäuser und öffentlichen Gebäuden zerstört. Auch Serben und
Kroaten beklagten den Verlust ihrer Kulturgüter. Die Wirtschaft war zerstört,
nur noch 5-10% funktionierten. Wissenschaft und Landwirtschaft sind in ihrer
Substanz vernichtet, viele Wissenschaftler außer Landes gegangen. Hinzu kommen
die zerstörten menschlichen Beziehungen. Ein Muslime, der seine Tochter
verloren hatte sagte: "Das ist kein Krieg zwischen Serben und Moslems -
das ist ein Krieg zwischen Verrückten, zwischen Monstern."
Intellektuelle, so z.B. Karadzic, die ihre menschenwürdeverachtenden Theorien
in die Praxis umsetzten wollten, tragen dafür die volle Verantwortung. Wer
wird sie jemals zur Rechenschaft ziehen? 2.3 Dayton und
die Befriedung des Landes Seit 1994 hatte sich das Kräfteverhältnis
gewandelt. Die kroatische Armee brachte die Serben in Bedrängnis. Bosnische
Serben stürmten die von Blauhelmen geschützten sicheren Zonen und nahmen
außerdem Blauhelme als Geiseln. Dies veranlaßte den Westen zu einer härteren
Gangart. Die USA griffen nach bisheriger Zurückhaltung deutlicher ein. Die
Serben lenkten ein, da sie auf der Verliererstraße waren. Am 21. November
wurde in Dayton (Ohio USA) ein Friedensabkommen von den Präsidenten Serbiens,
Bosniens und Kroatiens paraphiert und im Dezember in Paris endgültig
unterzeichnet. Der Plan klärte den Rückzug der Truppen,
die Bildung von zwei Entitäten, der Republik Serbien und die
kroatisch-bosniakische Föderation in der Republik Bosnien-Herzegowina. Die
Serben erhielten 49% des Landes, die kroatisch-bosniakische Föderation 51%.
Jeder sollte das Recht haben, in sein Eigentum zurückzukehren, demokratische
Wahlen wurden angesagt und Sarajevo sollte ungeteilte Hauptstadt werden. Die
UN sollte eine Übergangsverwaltung wahrnehmen. Wie schwierig sich die Realisierung
gestaltete mag man daraus ersehen, daß in der serbischen Republik erst im
Sommer 1997 die ersten Eigentumsscheine an Kroaten ausgestellt und im Februar
1998 berichtet wurde, daß in Brc ko
Baugenehmigungen an nichtserbische Flüchtlinge erteilt worden seien.
SFOR-Soldaten sorgen für die Sicherheit, nachts dürfen die Aufbauwilligen
noch nicht in ihren Häusern bleiben. Ein zäh erarbeiteter, von der neuen
Regierungschefin in der serbischen Republik nur mühsam durchgesetzter
Schritt, sicher nicht ohne Druck von außen erreicht; aber an Dayton darf kein
Weg vorbeigehen. Wenn auch die ersten Schritte zum
Wiederaufbau gemacht werden, so ist dies noch ein langer, schwieriger und
gefährlicher Weg. Der Krieg geht in vielen Köpfen und Herzen weiter. Außerdem
ist viel Eigentum durch Flüchtlinge belegt, die auch nicht zurück können. Die
wirtschaftlichen Voraussetzungen sind äußerst schlecht, auf dem Land soll die
Arbeitslosigkeit teilweise bei über 90% liegen (Oktober 97). Trotzdem muß der
Weg von Dayton weiter gegangen werden. Nicht mit großer Eile und massivem
Druck, das schafft neue Probleme bei der Rückkehr im Land. Markige Sprüche
von Ministern helfen vielleicht bei ihrer Wiederwahl, aber kaum den
Betroffenen. Druck auf die Mächtigen im Land ist durchaus angebracht. Die
Menschen wollen ja nach Hause, aber in einigermaßen gesicherte Verhältnisse.
Es darf nicht durch überhastete Rückführung der ethnischen Säuberung im
Nachhinein eine Chance gegeben werden, weil Flüchtlinge in Gebiete anderer
Nationalitäten zurückgebracht werden, denn dort sei ja Platz. Dieser wird
aber zu oft von den örtlichen Kräften gegen die ursprünglichen Besitzer für
Angehörige der eigenen ethnischen Gruppe künstlich frei gehalten. Den Menschen muß geholfen werden, in ihrer
Heimat wieder Fuß zu fassen. Da setzt die Hilfe des Bistums Limburg ein. Es
hilft Minoritäten, die es immer schwerer haben, zu ihrem Recht zu kommen.
Dabei kooperiert es eng mit dem Erzbistum Vrhbosna-Sarajevo. 2.4 Das
Erzbistum Vrhbosna-Sarajevo Über die Beginn der Christianisierung wurde
ja schon in 1.2.1 gesprochen. Die erste schriftliche Erwähnung einer
bosnischen Diözese fällt in das Jahr 1089. 1238 baute Bischof Ponsa die
mittelalterliche Stadt Vrhbosna mit einer Kirche und einem Kapitelshaus.
Ponsa mußte nach Dakovo fliehen, so hatte das Bistum über Jahrhunderte keinen
Bischof am Ort. 1291 kamen die Franziskaner. Durch ihre Missionierung kamen
viele bosnischen Christen in die volle Gemeinschaft mit Rom. 1339 wurde das
franziskanische Vikariat gegründet. Nach der Besetzung durch die Türken 1463
flohen viele Christen. Die Franziskaner blieben, 1735 wurde ein Franziskaner
apostolischer Administrator. Unter den Habsburgern wurde 1881 die Hierarchie
erneuert und das Erzbistum Vrhbosna-Sarajevo mit den Suffraganen Banja Luka
und Mostar-Duvno und Trebinje-Mrkan gebildet. Zur Zeit leitet Kardinal Vinko Puljic das
Erzbistum, Weihbischof ist Pero Sudar, der Ökonom ist Pfarrer Anto
Jelic. Vor dem Krieg hatte das Erzbistum 144
Pfarreien in vier Archidiakonaten und 13 Dekanaten. mit 528 000 Katholiken.
Die serbische Aggression hat 45% der Diözese zerstört, 200 000 Gläubige
mußten fliehen, die meisten Kirchen wurden gesprengt, 62 Pfarreien
zerstört. Im Krieg zwischen der BiH-Armee und den
Kroaten wurden 120 000 - 150 000 Katholiken vertrieben und viele Kirchen
zerstört. Auch muslimische religiöse Gebäude wurden zerstört. 600 kirchliche Gebäude des Erzbistums sind
im Krieg insgesamt zerstört oder unbenutzbar geworden. Rund 100 Pfarreien
wurden von serbischem oder muslimischem Militär besetzt und die Mehrzahl
davon zerstört. In 90 der Pfarreien gab es 1994 keinen Geistlichen mehr. Über
50 Kirchen wurden völlig oder fast völlig zerstört, viele weitere schwer
geschädigt. Insgesamt sind über 70% des kirchlichen Baubestandes zerstört.
Drei Priester (Franziskaner) wurden getötet. Täglich starben im Krieg im
Durchschnitt über 200 Menschen in Bosnien-Herzegowina. Die Bischöfe von Bosnien-Herzegowina haben
sich eindeutig für den Erhalt des Staates eingesetzt, den ethnischen
Säuberungen widersprochen und die freie Rückkehr der Flüchtlinge gefordert.
Sie haben sich für Versöhnung angesagt, wohl wissend, wie schwer dies ist und
daß diese zuerst im Herzen beginnen muß. Sie fordern Freiheit und freie
Glaubensausübung für alle. Nur durch Versöhnung wird der Frieden gelingen.
Die größten Kriegsopfer haben in Bosnien-Herzegowina die Kroaten gebracht.
Trotzdem schließen die Bischöfe sich ausdrücklich dem Ruf des Papstes an:
"Vergeben wir und bitten wir um Vergebung." Von besonderer Bedeutung und Ermutigung war
der Besuch des Papstes im April 1997. Er machte deutlich, daß die Menschen in
Bosnien-Herzegowina nicht allein gelassen sind. In dem zum Glück mißlungenen
Anschlag auf den pappst wurden aber auch nochmals die vorhandenen Spannungen
offen gelegt. Durch den frühzeitigen Besuch des Bischofs
erfolgte sehr schnell eine Entscheidung im Bistum Limburg, sich beim
Wiederaufbau zu engagieren. Dieser Einsatz sollte unter dem Thema stehen:
"Partner für den Frieden". Durch Spenden kamen Mittel für die
Aktion: "Ein Dach über dem Kopf" zusammen. Damit sollten Dächer
saniert und Fenster beschafft werden, um Häuser wieder bewohnbar zu
machen. Viele Schulen wurden im Krieg zerstört, die
Kinder mußten unter schwierigen und gefährlichen Umständen unterrichtet
werden. Nach dem Krieg ging es nicht nur um den Aufbau von Schulen, sondern
auch um die Förderung von Toleranz unter den unterschiedlichen ethnischen
Gruppen. Bosnien-Herzegowina war ein Land der Begegnung und soll es wieder
werden. Trotz aller Probleme wurde das Zusammenleben unterschiedlichster
Gruppen als Bereicherung empfunden. Schon im Frühjahr 1994 begann das
Erzbistum mit dem Wiederaufbau eines Schulgebäudes in Sarajevo. Die Zahl der zuströmenden
Schüler ist größer als die Kapazität. Andere Schulen folgten. Zur Zeit sind
es fünf mit 1800 eingeschriebenen SchülerInnen. Die Schulen sind in
katholischer Trägerschaft und nennen sich: katholisch, multiethnisch,
multireligiös." Geistliche verschiedener Religionen erteilen den
Religionsunterricht, zu dem man sich anmelden muß. In der Schule sollen die
ethischen Grundlagen für ein versöhntes Miteinander gelegt werden. Das
Schulprojekt wurde vom Bistum Limburg mit ca. 200 000 DM unterstützt. Die Not in Bosnien hat viele Aktivitäten
herausgefordert. Die Pfarrei Breidenbach führte Lebensmitteltransporte durch.
Die Malteser des Bistums engagieren sich beim Wiederaufbau eines
Krankenhauses. Der Caritasverband Wiesbaden berät Rückkehrwillige und
verhilft ihnen in Zusammenarbeit mit der Stadt zu Aufbauzuschüssen. Ein
Pfarrer aus dem Limburger Raum arbeitet bei einer großen Initiative bei
Feriencamps für Flüchtlingskinder mit. Dies sind Aktivitäten, die über die
nationalen Grenzen hinausgehen und in besonderer Weise der Versöhnung dienen
sollen. Am "Tag der Frauen" in der Kreuzwoche des Bistums Limburg
wurde eine Spende für Frauen und Kinder in Sarajevo gesammelt. Sie dient der
Arbeit mit Waisenkindern. Den Erlös für den Verkauf ihrer Bilder bei einer
Ausstellung spendet die Malerin für die Menschen in Sarajevo. Spendenaufrufe
bei Pfarrfesten und vielen anderen Veranstaltungen blieben nicht ungehört.
Das alles kann hier nicht weiter ausgeführt werden, wäre es aber wert, nicht
vergessen zu werden, weil es gegen zerstörerischen Haß kreative Liebe
setzt. In Novi Travnik wird von einer kirchlichen
Organisation eine Suppenküche betrieben. 150 und mehr Menschen essen dort
täglich. Es ist für sie oft das einzige Essen, das sie am Tag bekommen. Bei
vielen Kollekten und Anlässen wurde immer wieder Geld gesammelt und nach Novi
Travnik überbracht. Regelmäßig gingen im vergangenen Jahr auf ein
Spendenkonto Mittel für die Menschen in Bosnien ein. Jetzt (1999) wurde die Aktion guter Hirte
gegründet. Damit sollen Bergdörfer durch die Anschaffung von Milchschafen
wieder auf eine wirtschaftliche Basis gestellt werden. 3.4 Hilfe beim
Aufbau von Pfarreien Anläßlich eines Besuches von Weihbischof
Pero Sudar 1996 in Limburg wurde beschlossen, beim Projekt des Erzbistums
Sarajevo "Haus für Gott - Häuser für die Menschen" mitzuarbeiten.
Es war an 15 Pfarreien in Bosnien gedacht, die eventuell in Kooperation von
Kirchengemeinden in unserem Bistum beim Wiederaufbau gefördert werden
sollten. Daß diese Angelegenheit nicht richtig weiter ging hatte verschiedene
Gründe. Die Probleme waren komplexer als ursprünglich vorauszusehen. Anfang
1997 übernahm dann der Verfasser des Artikels gemeinsam mit dem Leiter der
Pressestelle in Limburg die Aufgabe, dieses Projekt weiter zu moderieren
unter Begleitung einer Projektgruppe. Die Mittel für dieses und andere
Projekte sollten vor allem aus den Projektmitteln Dritte Welt, aus Spenden
und einer Sonderkollekte im September 1997 fließen. Diese Projektgruppe, zu der die Referenten
aus dem Bereich Mission und der persönliche Referent des Bischofs gehören,
begleitet die Arbeit regelmäßig. Vor allem veranlaßte sie auch eine
umfangreiche Werbung für das zu leistende Aufbauprojekt, "Partner für
den Frieden" genannt, in den Pfarreien. In der Gruppe wurde eine Liste
der von Sarajevo vorgeschlagenen Pfarreien mit Renovabis abgestimmt und zwei
Pfarreien vorerst als mögliche Partner ausgewählt, nämlich Ovcarero und Dobretici.
Die erste Fahrt nach Bosnien fand vom 31.
März bis 2. April 1997 statt; weitere folgten. Insgesamt wurde zwei Pfarreien
intensiv und fünf anderen mit Zuschüssen geholfen. Die Hilfe in größerem
Umfang ging in die weiter unten beschriebenen zwei Pfarrprojekte. Die
folgende Darstellung lehnt sich eng an vorhandene Protokolle an. Ich fahre mit Anto Jelic nach Ovcarero.
Dort zeigt sich, daß vor allem Dachsanierungen bei den Kirchengebäuden
notwendig sind, ein Betrag von 50 000 DM könnte hier schon weiterhelfen (in
diesem Teil Bosniens ist die DM die faktische Währung). Die übrigen Arbeiten
müßten in Selbsthilfe weitergeführt werden. Nach Dobretici kommen wir wegen des
Wintereinbruchs überhaupt nicht. Dort sind die Verhältnisse ähnlich wie in
Ovcarero. Es sind einige Sanierungsarbeiten notwendig, dann kann dort wieder
notdürftig gearbeitet werden. Auch hier sollen DM 50 000 zur Verfügung
gestellt werden. Wir besuchen Kupres und zwei weitere
Pfarreien in der Umgebung an. Hier haben die Serben die Kirchen gesprengt.
Wir besuchen ein Massengrab. Die Pfarrei in Kupres arbeitet inzwischen wieder
in einer Notkirche, 3000 der ehemals 5000 Katholiken sind wieder da. In einer
Nachbarpfarrei engagiert sich ein italienisches Bistum. Danach besuchen wir noch die Pfarreien
Skopaljska Gracanica und Potkraj. Im abschließenden Gespräch in Sarajevo wird
im Bischofshaus zwischen Kardinal Puljic und Bischof Kamphaus (weitere
Anwesende Weihbischof Sudar, Pfarrer Anto Jelic, Dr. Ernst Leuninger)
geklärt, daß Ovcarero und Dobretici wie vorgesehen eine Hilfe erhalten, wir
uns aber vor allem beim Wiederaufbau von Skopaljska Gracanica und Potkraj
engagieren. Potkraj soll hier als Beispiel aufgeführt werden. Die Pfarrei Potkraj wurde besucht. Der
Zustand wurde aus Sarajevo wie folgt beschrieben: "Pfarrei Potkraj,
Dekanat Travnik. Travnik ist eine Stadt in Mittelbosnien,
die zur Zeit der Osmanen entstanden ist. In Travnik regierte lange Zeit der
Vesir und es gab auch konsularische Vertretungen aus vielen europäischen
Ländern. In der Stadt übte der Kadi seine Gerichtsbarkeit gemäß der Scharia
aus. Travnik liegt am Ufer des kleinen Flusses Lasva in einem sehr engen Tal.
Auch zur Zeit der österreichischen Monarchie konnte sich hier keine Industrie
und keine größere Wirtschaft entwickeln. Erst zwischen den beiden Weltkriegen
sind in der Stadt doch noch ein paar Fabriken entstanden. Hier gab es seit
langem auch eine große Kaserne. Die Region ist stark bewaldet. In letzter
Zeit hat sich im nahegelegenen Vlasic-Gebirge Wintertourismus entwickelt. Aus
der Bevölkerungszählung von 1991 ersieht man, daß es auf dem Gemeindegebiet
von insgesamt 70.747 Einwohnern 26.118 Kroaten, 31.813 Moslems, 7.777 Serben
und etwa 5.000 "Restliche" gab. In der Stadt gab es eine große
moslemische Mehrheit, doch gab es in der Umgebung von Travnik viele rein
kroatisch-katholische Dörfer. Das Dekanat zählt vierzehn Pfarreien. Die Pfarrei Potkraj befindet sich auf den
Ablegern des Vlasic-Gebirges auf dem Gebiet der Gemeinde Travnik. Die
Bevölkerung arbeitet in der Land- und Viehwirtschaft (hier wird der bekannte
Vlasic-Käse hergestellt). Ein großer Teil der Bevölkerung arbeitet auch in
Fabriken. Viele Pfarrangehörige arbeiten in Kroatien und in
Deutschland. Die Pfarrei wurde 1879 gegründet. 1914
wurde die schöne Kirche der Hl. Anna und eine geräumige Pfarrwohnung gebaut.
Beide Objekte wurden zwischen den Weltkriegen grundlegend renoviert. Damals
wurde auch ein großer Pfarrsaal erbaut. Aus dem Pfarrgebiet stammen viele
Priester und Ordensschwestern. 1991 zählte die Pfarrei 1.991
Katholiken. Ein Teil des Pfarrgebietes wurde von den
Serben aus dem Vlasic-Gebirge eingenommen, da dieser Teil nahe ihrer Stellung
lag. Der Rest des Pfarrgebietes und der Kommunikationsweg im Lasva-Tal blieb
verschont. Innerhalb der Pfarrei befand sich die ganze Zeit über die
Kriegsfront zwischen Serben und Moslems. Als die Serben 1995 gezwungen wurden
sich zurückzuziehen, fiel das ganze Gebiet unter die Kontrolle der Armee
Bosnien-Herzegowinas (Moslemische Streitkräfte). Die Bevölkerung besucht ihre Pfarrei
zahlreich um zu sehen, was zerstört wurde und haben dabei viele Probleme mit
den Moslems. Dennoch muß man ihnen helfen. Man müßte das Notwendigste an den
Pfarrobjekten reparieren und daraufhin den Menschen helfen ihre Unterkünfte
neu aufzubauen. Weiterhin sollte man an eine Grund- und Hauptschule denken,
um besonders auch den jungen Familien zu helfen." Im April 1997 sind in dieser Pfarrei fast
alle Häuser unbewohnbar. Einige Bewohner fangen schon an zu reparieren.
Bisher sind 105 Katholiken zurückgekommen. Das Pfarrhaus ist relativ
zerstört, kein Dach, keine Fenster, keine Türen. Daneben ist der Pfarrsaal.
Dort hat der Pfarrer notdürftig ein Zimmer eingerichtet. Dr Pfarrsaal ist
Gottesdienstraum. Bei der Renovierung hat das Bistum Augsburg mitgeholfen.
Das Kirchendach ist von Granaten getroffen,
die Fenster sind zerstört. Es sind Löcher in der Wand, die Kirche ist
unbenutzbar, sie müßte saniert werden. Es liegt eine Kostenschätzung vor. Das
Pfarrhaus ist innen völlig zerstört, die Fenster sind heraus, die Böden nur
noch teilweise notdürftig erhalten, es sind keine Türen mehr da, das ganze
Inventar ist verschwunden. Es sollen das Pfarrhaus und die Kirche
wiederaufgebaut und bei zehn Häusern eine Anschubfinanzierung gegeben werden.
Der Betrag könnte an ein halbe Million DM kommen. Bei zwei Familien kann die
Arbeit sofort beginnen. Auch bei der Kirche und Pfarrhaus kann begonnen
werden. Ein Problem ist, daß Strom- und Wasserleitung nicht
funktionieren. Beim Besuch im Mai wird gerade das Dach des
Pfarrhauses gedeckt. Viele Männer aus der Umgebung haben durch diese Arbeiten
ein Einkommen. Sonst gibt es zur Zeit keine Arbeit. Die Arbeiten an der
Kirche verzögern sich, da durch ein Granate die Statik gelitten hat. Das
Pfarrhaus könnte im September fertig sein, die Kirche Ende November 1997. Es
kommt eine dritte Familie dazu, die auch einen Zuschuß erhält. In nahezu jeder Familie ist wenigstens ein
Kriegsopfer zu beklagen. Die Felder sind weithin noch vermint, die Schule
deshalb auch noch nicht geöffnet. Für weitere sieben Familien soll der
Pfarrer dem Ordinariat Sarajevo Vorschläge unterbreiten, dort wird dann
entschieden. Beim Besuch im September in Potkraj
warteten schon viele Menschen. Eine ganze Reihe von Leuten wollten auch
Unterstützung für den Wiederaufbau haben. Anscheinend hat sich die unser
Engagement herumgesprochen und die Menschen möchten ihre Häuser
renovieren. Wir besichtigen eine Reihe der Häuser, die
in Renovation sind. Es wird intensiv gearbeitet. Die Atmosphäre in Potkraj ist
etwas gedämpft wegen der zwei Meuchelmorde einige Tage zuvor an Kroaten, die
abends beim Abendessen durch das Fenster erschossen wurden. Dies geschah in
Turbe, der Stadt, zu der Potkraj gehört. Die zehn im Ausbau befindlichen Häuser
werden kurz besichtigt. Überall regt sich in der Zerstörung Leben. Die
Menschen möchten zurück. Das Pfarrhaus ist bewohnbar,.außen und
innen soweit fertig. Bezogen sind zwei Räume. In der Küche ist noch kein
Wasseranschluß vorhanden. Es fehlen auch die weiteren Möbel. Die Kirche ist im Bau, die Kirchturmspitze
ist soweit fertig. Das Dach wird mit Biberschwänzen gedeckt, die Sparren sind
schon verlegt. Der Betonkranz zur Sicherung der Statik der Kirche ist
geschaffen. Sie könnte meiner Schätzung nach tatsächlich Ende November 1997
fertig sein. Es fand ein Gespräch im Pfarrhaus mit dem
Pfarrer statt. Die Stadt verweigert den Stromanschluß. Sie sagt, das wäre zu
gefährlich wegen der Minen. Dies ist natürlich ein vorgeschobenes Argument.
Wir sind wie folgt verblieben: der Pfarrer schreibt erneut der Stadt, daß sie
diese Arbeiten selbst machen und zum großen Teil auch das Material selbst
finanzieren werden. Die Stadt sollte bitte die Genehmigung dazu erteilen. Hat
dieses keinen Erfolg, so müssen Wege über die Politik gesucht werden. An der
Stromleitung hängt auch die Wasserversorgung. Der Finanzierungsplan wird
eingehalten. Beim Besuch im Dezember feiere ich mit der
Gemeinde in Potkraj um 11 Uhr den Sonntagsgottesdienst. Die Gemeinde hat etwa
150 Gläubige. 90 bis 120 sind zur Zeit die Gottesdienstbesucher. Der
Gottesdienst findet noch im Pfarrsaal statt. Ich spreche ein Grußwort für die
Gemeinde. Anschließend schauen wir uns die Kirche an. Die Kirche soll am 21.
Dezember 1997 vom Kardinal wieder in Benutzung genommen werden. Bis dahin muß
noch der Altar, der Fußboden und der Innenanstrich gemacht werden. Der
anwesende Baumeister verspricht, daß dies geschehen kann. Es ist wieder ein
Meuchelmord an einem Kroaten geschehen. Die Menschen halten sich zum Schutz
Hunde, der Hund des Pfarrers ist kurz vor dem Mord gestohlen worden. Die Kinder werden mit einem VW-Bus privat
in die Schule gebracht. Ich lasse von einer Spende 1.000,- DM dort einsetzen.
Pfarrer Jelic wird sie für Busfahrten nach Potkraj transferieren. Im Pfarrhaus findet ein Gespräch statt:
Jelic, Pfarrer und Leuninger. Es geht vor allem auch um den Elektroanschluß.
Inzwischen nennt die Gemeinde einen Betrag von 140.000 DM. Sie hätten kein
Geld. Das stimmt, aber der Preis scheint auch politisch zu sein. Weitere
Verhandlungen sollen folgen. Am vierten Advent 1997 erfolgte die
feierliche Wiedereinweihung der Kirche. Damit ist die Hilfe des Bistums
Limburg für das Projekt Potkraj abgeschlossen. Ein partnerschaftlicher
Schritt für den Frieden wurde gegangen, viele weitere sind notwendig,
besonders solche, die die Einstellung der Machthaber verändern und die Herzen
erneuern. Das zeigt sich auch in Potkraj. Inzwischen wurden oder werden weitere
Projekte durchgeführt in: Glavice Turic Gradradac Ulice In einer weiteren Pfarrei wurde das
Pfarrhaus wieder bezugsfähig gemacht. 4. Die
Einweihung der Kirche von Potkraj Von der Wiedereinweihung der Kirche in
Potkraj am vierten Adventssonntag 1997 liegt folgender Bericht von Pfarrer
Don Anto Jelic aus Sarajevo vor: "Heute war ich in Potkraj. Unser
Kardinal Vinko Puljic hat die neu renovierte Pfarrkirche geweiht. Bei der
Heiligen Messe waren neben dem Pfarrer Zeljko Cuturic noch 12 andere Priester
und 2 Diakone anwesend. Der Kirchenchor aus Travnik hat bei der Messe
gesungen. Die Kirche war ganz voll, es standen die Menschen noch draußen. Wir
schätzen die Zahl der Gläubigen auf 1000. Es waren wohl nicht alle aus der
Pfarrei Potkraj, sondern auch aus den anderen Nachbarpfarreien. Viele
Vertriebenen aus Potkraj waren auch dabei. Es war auch eine Taufe. Es ist die
erste Taufe in der neu renovierten Kirche gewesen. Da getaufte Mädchen heißt
Antonela. Kardinal Puljic hat in seiner Ansprache herzlich der Diözese
Limburg und allen Wohltätern aus dieser Diözese gedankt. Er hat betont, daß
ohne Ihre großzügige Hilfe und Sorge weder die Kirche, noch das Pfarrhaus,
noch die 10 Familienhäusern renoviert wären. Es ist sicherlich das größte
Weihnachtsgeschenk für unsere Diözese allgemein und für die Pfarrei Potkraj insbesondere.
Er hat sich kritisch geäußert gegenüber den
lokalen Kommunal- und Kantonalbehörden, die es nicht tot notwendig erachtet
hatten, die benötigte Infrastruktur für die Rückkehr zu schaffen; wie z.B.
Strom und Wasserleitungen. Der Kardinal betonte die Notwendigkeit den
Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Der leidgeprüfte Mensch muß unsere
prioritäre pastorale und seelsorgerische Aufgabe sein. Die Heilung der
seelischen Wunden braucht Zeit und Menschen, die sich dieser Aufgabe stellen."
So langsam kommt das Erzbistum und die dort
wohnenden Menschen wieder in eine gewisse erste Normalität nach dem Krieg. Es
bleibt aber noch viel zu tun, denn zuviel war zerstört und muß noch
wiederaufgebaut werden. Noch längst sind die Wunden in den Herzen nicht
vernarbt. Hilfsaktion
"Guter Hirt"wirbt zum Kreuzfest am 18./19. September 1999 in
Hofheim "...damit sie das Leben haben" Aus dem Pressebericht des
Katholischen Bezirksamtes Hofheim: Aktionsbeschreibung: Das
Projekt "Guter Hirte" – Schafe für Bosnien Hilfsaktion "Guter
Hirt"wirbt zum Kreuzfest am 18./19. September 1999 in Hofheim
"...damit sie das Leben haben" Der Bosnien-Beauftragte des Bistums Limburg
hat die Aktion "Guter Hirte-Schafe für Bosnien", ins Leben gerufen.
Menschen in den Bergdörfern in Bosnien sollen eine Existenzgrundlage
erhalten, indem sie mit Milchschafen ausgestattet werden. Die Kosten für ein
Mutterschaf betragen DM 250,00. Unser Ziel ist es, so viele Mutterschafe wie
möglich zu finanzieren. Partnerogansiation in Bosnien ist eine dortige
karitative Gesellschaft. Aktionsbeschreibung Prof. Dr. Ernst Leuninger, Bosnien-Kosovo-Beauftragter
des Bischofs von Limburg Das Projekt
"Guter Hirte" – Schafe für Bosnien (1998) Aktion I Es gibt viele Dörfer in Bosnien, vor allem
in den Bergen – und das Land ist sehr gebirgig – die deshalb auch
angesichts der noch vorhandenen Verminung, keine Chance haben. Hier möchten
wir eine Entwicklung fördern. Es ist daran gedacht, die Menschen in den
Dörfern mit Milchschafen auszustatten. Damit sind Milch, Butter und Käse, die
sehr teuer sind, gewährleistet. Dazu kommen noch Fleisch und Wolle. Es ist
eine basisorientierte Aktion, oder wie es in englisch heißt, eine
"grassroot (Graswurzel) action" im wahrsten Sinne des Wortes. Der
Bosnienbeauftragte der Bundesregierung Koschnik hält dies, so wurde es in
einem Gespräch in Limburg deutlich, auch für einen guten Ansatz.
Inzwischen sind über 320 Schafe gespendet und viele davon schon in Bosnien
gekauft und den Familien übergeben. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt unter 300,00
DM. Die Preise sind eher höher als bei uns, DM ist die größte
Verrechnungseinheit. Die Arbeitslosigkeit liegt auf dem Land oft bei 90
– 100%, in den großen Städten ist es besser. Jede Familie soll 10 Muttertiere erhalten.
Innerhalb von fünf Jahren wären diese zu bezahlen durch die Weitergabe von 10
Mutterlämmern an eine andere Familie. Damit könnten die Familien eine eigene
kleine Herde aufbauen und sich selbst unmittelbar helfen. Menschen werden
bewegt, wieder in ihr Land zurückzukehren. "Die Herde des Volkes wird
wieder gesammelt." Diese Idee wurde angesichts eine
Bosnienreise von dem Finanzdezernenten des Erzbistums Sarajevo und dem
Unterzeichneten entwickelt. Die Aktion wird in Deutschland von dem
Unterzeichneten begleitet und das Geld in seiner Verantwortung nach Bosnien
transferiert. In Bosnien übernimmt die Trägerschaft ein bestehender
karitativer Verein, der sich durch viele Aktivitäten als sehr verläßlich
herausgestellt hat. Hintergrundinformationen Schon in den Zeiten der kriegerischen
Auseinandersetzungen war unser Bischof verschiedentlich in Sarajevo. Es kam zu
Gegenbesuchen von Kardinal Puljic und Weihbischof Sudar. Vom Bistum wurde der
Aufbau der Schulen für Europa gefördert und eingeladen, über Spenden für die
Erneuerung von Dächern und Fenstern beizutragen. So entstand dann auch der
Gedanke beim Aufbau intensiver mitzuhelfen. Ostern 1997 fuhr deshalb der
Bischof mit Ordinariatsrat Ernst Leuninger nach Sarajevo, um dort die
Möglichkeiten für weitere Hilfe zu erkunden. In Bosnien soll Frieden werden. Das ist
nach den erfolgten Auseinandersetzungen nicht leicht. Jahrhunderte haben die
unterschiedlichen Konfessionen zusammengelebt. Nun soll dies alles nicht mehr
gehen. Die führenden Nationalpolitiker im ehemaligen Jugoslawien wollen noch
über den Umweg der Rückführung von Flüchtlingen die sogenannte ethnische Säuberung
vollenden, indem sie die Menschen dorthin schicken, wo andere vertrieben
wurden. Der Friedensschluß von Dayton sieht vor, dass jeder in gesicherte
Verhältnisse in seine Heimat und in sein Eigentum zurückkehren kann. Das
wollen auch die Bischöfe von Bosnien. Bosnien hatte vor dem Krieg etwa 4,4
Millionen Einwohner. Die ethnische Zusammensetzung des Landes bestand 1991
aus ca. 1,9 Millionen Moslime, 1,4 Millionen Serben, 780 000 Kroaten und noch
gut 200 000 Angehörige anderer Gruppen. Es gab nach dem Krieg etwa 2
Millionen Flüchtlinge, davon 700 000 bis eine Million Binnnenflüchtlinge.
Wirtschaft und Landwirtschaft waren weithin zerstört, das Land mit 3-8
Millionen Minen vermint. Vermutlich über 50% des Wohnungsbestandes
zerstört. Das Erzbistum Sarajevo führt eine Aktion
durch, "Haus Gottes-Häuser für die Menschen." Es sollen kirchliche
Räume aufgebaut werden, zugleich aber auch beim Wiederaufbau von Häusern
geholfen werden, zugleich aber auch beim Wiederaufbau von Häusern geholfen
werden. Es hat sich gezeigt, dass wenn sich um die Kirche etwas tut und der
Pfarrer zurückkehrt, auch langsam die Menschen kommen. Das Bistum Limburg
beteiligte sich daran bei den Pfarreien Podkraj und Gracanica. Diese Dörfer
sind inzwischen in einem guten Wiederbelebungsprozeß, es fehlen nur oft die
landwirtschaftlichen Aktivitäten. Diese Aktion wurde in Glavice fortgesetzt
und zur Zeit in Ulice begonnen. Dazu kommen eine Reihe anderer
Engagements.
Aktion II Guter Hirt
Auch die Aktion für Kühe im Kosova geht weiter, Dort gibt es gute Viehweiden. Für viele kriegsgeschädigte Bauern sind Kühe eine Existenzgrundlage. Die Kühe werden möglichst ortsnahe gekauft und kosten etwa 600-700 € die Kuh. Die Marktpreise schwanken. Über 120 Kühe sind schon gespendet. 150 hat die Herde, Ziegen sind hinzugekommen. Aus den Kriegs- und Nachkriegsjahren weiß ich noch gut, was es als Existenzgrundlage bedeutet, Kühe im Stall zu haben. Kleinbauern im Kosova bekommen durch unsere Aktion eine Kuh. Sie müssen diese bezahlen durch die Weitergabe von einem Mutterkalb in drei Jahren. Damit setzt sich die Spende fort. Aktion Guter Hirt III in Nothgottes eröffnet Auf
der „Kirmes in Nothgottes“ am 6. Juni
2004 der Tagungsstätte des Bistums Limburg in Rüdesheim-Nothgottes, wurde die
Aktion Guter Hirt Teil III eröffnet. Initiator dieser Aktion ist wieder‚Der
Bosnien-Kosovo-Beauftragte des Bischofs’ Dr. Ernst Leuninger, der den
Festgottesdienst bei dem „Weihefest der Kirche von Nothgottes und der
Begegnung der Freunde des Hauses Nothgottes“ leitet. Bei seinem letzten
Besuch in Bosnien bat in Kardinal Puljic, diese Aktion auch auf Nordbosnien
in das Dekanat Derventa auszudehnen, dort wohnten vor dem Krieg 45.000
Menschen, jetzt sind es noch 500. Dreihundert Familien haben schon ihre
Bereitschaft erklärt zurückzukehren, wenn sie mit Schafen oder Ziegen eine
Existenzgrundlage hätten. Dafür wurde in Nothgottes geworben werden.
Spendenkonto Bischöfliches Ordinariat Limburg Commerzbank Limburg Nr. 3700010 BLZ 511 400 29 HHST 1590000036 Vermerk "Guter Hirt" (Sie erhalten den Zuwendungsbeleg für die Steuer
nach der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit von 7 Wochen vom Ordinariat,
bitte Anschrift dazu vermerken.) Danke! Prof.
Dr. Ernst Leuninger Bischof Franz Peter Tebartz
van Elst in Bosnien 1.-3.Mai 2008 Investitionen in Bildung sind wichtige Friedensarbeit" 04.05.2008
(Text Pressestelle Limburg)
Bischof
von Limburg: Mehr Aufmerksamkeit für Bosnien
SARAJEVO / LIMBURG. Zu mehr Aufmerksamkeit
für die Menschen in Bosnien-Herzegowina hat Bischof Dr. Franz-Peter
Tebartz-van Elst (Limburg) aufgerufen. Mit Blick auf die problematische
Situation und die mangelnden Zukunftsperspektiven vieler Menschen dort, müsse
Bosnien-Herzegowina auch in Deutschland im Blick bleiben, forderte der
Bischof von Limburg am Sonntag (4.) nach seiner Rückkehr von einem
dreitägigen Besuch in Sarajevo. „Die Situation in Bosnien-Herzegowina ist von hoher
Arbeitslosigkeit und politischer Unsicherheit geprägt. Fast jeder zweite ist
ohne Arbeitsplatz“, sagte der Limburger Bischof. Zwar habe der Krieg
(1992-1995) schon vor mehr als zehn Jahren aufgehört. Doch das garantiere
weder einen gerechten Frieden noch einen wirklich funktionsfähigen Staat:
„Versöhnung und Vertrauen unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen
kann nicht durch ausländische Friedenstruppen und Diplomaten produziert
werden“, stellte Tebatz-van Elst fest. Die politische Lage des Landes
gelte nach wie vor als fragil: Da die im Dayton-Abkommen festgelegte
staatliche Struktur von vielen Menschen nicht als endgültig empfunden werde,
bremse dies auch Investitionen der Wirtschaft in Bosnien-Herzegowina. Solche
Investitionen seien jedoch wegen der enorm hohen Arbeitslosigkeit und
Perspektiven für die Menschen dringend nötig. Für eine größere Offenheit Europas für Bosnien-Herzegowina hat
sich auch Großmufti Mustafa Ceric (Sarajewo) ausgesprochen. In einer
einstündigen Unterredung mit dem Bischof von Limburg forderte Ceric, das Land
müsse stärker an Europa heranrücken: Dies sei nicht nur eine politische,
sondern eine existenzielle Frage. Muslime sind dabei nach den Worten des
Großmuftis auch auf die Hilfe von Christen und Juden angewiesen: Mit Blick
auf ihre gemeinsamen Wurzeln (alle drei monotheistischen Weltreligionen
verstehen sich in ihrer Tradition als Erben Abrahams) sollten die
Weltreligionen in Europa nach dem Wunsch von Mustafa Ceric in einen stärkeren
Dialog eintreten. Wenn der dialogbereite Islam in Europa isoliert werde,
stärke dies andere Einflüsse und Gefahren, warnte der Großmufti unter Hinweis
auf den Irak und Afghanistan. Mustafa Ceric zeigte Verständnis für den von
Bischof Tebartz-van Elst im Gespräch thematisierten Wunsch der katholischen
Kirche, in Tarsus (Türkei) eine Kirche zu bauen: Im Festjahr zum 2000.
Geburtstag des Apostels Paulus, das am 28. Juni beginnt, werden tausende
Pilger aus der ganzen Welt nach Tarsus kommen. Investitionen in Bildung sind nach den Worten von Tebartz-van
Elst Investitionen in den Frieden. Der Bischof von Limburg zeigte sich
beeindruckt vom Besuch eines katholischen Schulzentrums in Sarajevo, das
Schülern aller Volksgruppen offen steht und gezielt den Dialog der Religionen
fördert. So könnten junge Leute voneinander lernen, in Frieden miteinander zu
leben. Leider werde diese praktische Friedensarbeit bislang noch nicht von
der Europäischen Union (EU) unterstützt. Die katholische Kirche leiste auch
hier einen vorbildlichen Beitrag zur Friedenserziehung in
Bosnien-Herzegowina, der in Brüssel künftig mehr Beachtung finden müsse.
Der Bischof von Limburg war auf Einladung
von Erzbischof Vinko Kardinal Puljic nach Sarajevo gereist. Kardinal Puljic
hatte an der Amtseinführung des Bischofs im Januar in Limburg teilgenommen
und ihn nach Bosnien-Herzegowina eingeladen, um das Partnerbistum Sarajevo
kennenzulernen. Auf dem Reiseprogramm standen Gottesdienste, Gespräche sowie
Besuche in Schulen, einem Kloster, dem Diözesancaritaszentrum und einem
Jugendzentrum. Bischof Tebartz-van Elst informierte sich auch über mehrere
(vom Bistum Limburg geförderte) Projekte der katholischen Kirche, mit denen
Menschen in Bosnien-Herzegowina geholfen wird: Zum Beispiel über eine
Frauen-Beratungsstelle und einen Europa-Kindergarten - Einrichtungen, die
allen Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stehen. Zudem unterstützt das Bistum
Limburg den Bau eines Alten- und Pflegeheims für Priester in Sarajevo. Bei einem Gottesdienst in der Kathedrale von Sarajevo und
einem Firmgottesdienst in Tuzla ermutigte der Bischof von Limburg zum
„Blick nach oben“. Der gemeinsame Glaube stärke die
Aufmerksamkeit für die Not der Menschen und die Solidarität. Wichtig sei nun
der Dialog miteinander, der zu Verständigung und sicherem Frieden beitragen
könne: Die Partnerschaft des Erzbistums Sarajevo mit dem Bistum Limburg müsse
vor allem durch Gebete getragen werden: Ein im Bistum Limburg entwickeltes
„Partnerschaftsgebet“ soll deshalb nun auch in die kroatische
Sprache übersetzt werden. In Zeiten des Balkan-Krieges hatte der frühere Limburger
Bischof Dr. Franz Kamphaus Anfang der 90er Jahre die Initiative ergriffen und
als Zeichen der Verbundenheit Sarajevo besucht. Daraus entstand eine
Partnerschaft. Nach dem Balkan-Krieg förderte das Bistum Limburg zahlreiche Rückkehr-
und Wiederaufbauprojekte. So entstand zum Beispiel die Aktion „Guter
Hirte“: Mit Spendengeldern wurden mehr als 5.000 Schafe, sowie fast
1.000 Ziegen gekauft, um Familien in Bosnien und im Kosovo nach dem Krieg und
der Zerstörung ihrer Häuser wieder eine erste wirtschaftliche Grundlage zu
geben. Federführend war hier Ernst Leuninger. Das Bistum Limburg pflegt
intensiven Kontakt zu katholischen Diözesen in verschiedenen Teilen der Erde
- zum Beispiel mit dem Bistum Ndola in Sambia, mit dem Bistum Kumbo in
Kamerun und Alaminos auf den Philippinen. Die Arbeit folgt dem Verständnis
von Weltkirche als Kirche in einer Welt. (rge)
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