Die Vergangenheit sichern - die Zukunft gestalten Vortrag (Leuninger) Bericht: Limburg/Frankfurt Am 18. März 2000 fand unter diesem Thema der Diözesantag der KAB Limburg mit etwa 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, überwiegend Delegierte, in Mengerskirchen-Waldernbach in der Westerwaldhalle statt. Der Diözesanvorsitzende Andreas Mengelkamp legte den Bericht seit dem letzten Diözesantag vor. Er bedauerte bei aller Stabilität den leichten Mitgliederrückgang. Der Diözesansekretär Hans Gerd Arnold ergänzte den Bericht durch verschiedene Aktivitäten z.B. auch aus der Seniorenarbeit. Die Senioren- und auch Jugendbildungsmaßnahmen haben zugenommen. Erfreulich ist das Engagement für das Weltnotwerk der KAB und auch für die Aktion "Guter Hirte" - Schafe für Bosnien und Kühe für den Kosovo. Aus den Bezirken berichteten Klaus Schönberger für Rhein-Main und verwies besonders auch auf die Frauenarbeit und für Limburg Hans Gerd Arnold, der z.B. die Herstellung von Roggensäcken in Langendernbach hervorhob, deren Verkaufserlös für ein Straßenkinderprojekt in Peru verwandt wird. Die Wahlen erbrachten den neuen alten Vorsitzenden Andreas Mengelkamp. Grußworte sprachen u.a. Pfarrer Hannappel Waldernbach , Vorsitzender Oster Waldernbach, Bürgermeister Becker, Marktflecken Mengerskirchen, Wilsch MdB und Peuser MdL. Der Verein Lindenholzhausen erhielt den 1. Preis für Mitgliederwerbung, den deren Vorsitzender Alfred Rompel (Bild links Mitte, mit Arnold rechts und Leuninger links) entgegennahm.
Etwa 20 verdiente Mitglieder aus den Vereinen der Bezirke Rhein-Main und Limburg
erhielten den neu gestifteten Alexander-Stein-Ehrenbrief von Andreas Mengelkamp ( Bild
rechts: Mengelkamp in der Mitte der Geehrten) überreicht. (Liste der mit
dem Alexander-Stein Ehrenbrief Geehrten: Nachmittags hielt Diözesanpräses Dr. Ernst Leuninger ein Grundsatzreferat zum Thema des Tages. Zur Sicherung der Vergangenheit soll zum 100jährigen Jubiläum 2004 ein Jubiläumsbuch erscheinen, das von allen Ortsvereinen mitgeschrieben wird. Weiterhin entwickelte er Perspektiven für die Arbeit bis zum nächsten Diözesantag, z.B. neue Wege zur Mitgliederwerbung und Stärkung der Familien- und Jugendarbeit, diese gemeinsam mit der CAJ. Als Anträge wurden verabschiedet, eine Satzungsänderung, damit in Zukunft Pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Aufgabe der geistlichen Begleitung in den Vereinen wahrnehmen können, da die Zahl der Priester immer geringer wird. Außerdem wurde u.a. beantragt, den Gesetzgeber darauf hinzuweisen, dass das Ladenschlußgesetz nicht verändert werden darf und das Kindergeld deutlich erhöht wird. Familienmaßnahmen sollen von den KAB-Veranstaltern möglichst preiswerter angeboten werden. Der Tag schloss mit der Feier der heiligen Messe in der Pfarrkirche Waldernbach. Liste der mit dem Alexander-Stein Ehrenbrief Geehrten (persönlicher Text aus dem Ehrenbrief) 1. Franz Schumacher Seit mehr als 50 Jahren gehören Sie der KAB an und haben sich von Anfang an bis auf den heutigen Tag als Sänger und Kassenwart in ganz besonderer Weise in der KAB-Flörsheim engagiert. 2. Elisabeth Kuhn Gemeinsam mit Brigitte Nagel, Ursula Riedel und Maria Schnitzer haben Sie eine KAB-Frauengruppe gegründet und mehr als 16 Jahre lang geleitet. Daraus sind wichtige Impulse zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der KAB entstanden. Außerdem sind Sie seit 1988 Vorsitzende der KAB-Zeilsheim und Mitglied im KAB-Diözesanausschuß. 3. Ursula Riedel Gemeinsam mit Elisabeth Kuhn, Brigitte Nagel und Maria Schnitzer haben Sie eine KAB-Frauengruppe gegründet und mehr als 16 Jahre lang geleitet. Daraus sind wichtige Impulse zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der KAB entstanden. (Stadt Frankfurt) 4. Maria Schnitzer Gemeinsam mit Elisabeth Kuhn, Brigitte Nagel und Ursula Riedel haben Sie eine KAB-Frauengruppe gegründet und mehr als 16 Jahre lang geleitet. Daraus sind wichtige Impulse zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der KAB entstanden. Außerdem haben Sie drei Jahre lang im KAB-Bezirksvorstand mitgewirkt. (Stadt Frankfurt) 5. Luzia Klüber Sie haben in der KAB-Sachsenhausen jahrelang das Freizeitangebot für KAB-Mitglieder und Freunde durch die Vorbereitung und Durchführung von Reisen bereichert und dadurch KAB erlebbar gemacht, die Mitglieder bestärkt und neue Mitglieder gewonnen. Dazu hat auch beigetragen, dass Sie seit mehr als 20 Jahren in der Seniorenarbeit Ihrer Pfarrgemeinde aktiv sind. 6. Wolfgang Wagner Sie waren von 1976 1995 Vorsitzender der KAB-Nied und von 1982-1985 Mitglied im Diözesanausschuß der KAB. (Wurde der Vorsitzenden zur Überreichung übergeben) 7. Roland Ehm Sie sind seit über 21 Jahren Vorsitzender der KAB-Kelkheim. Dem KAB-Diözesanausschuß gehörten Sie drei Jahre und dem KAB-Diözesanvorstand neun Jahre an. Sie waren 13 Jahre stellvertretender KAB-Bezirksvorsitzender und sind seit dem 25.8.1988 als ehrenamtlicher Richter am Landessozialgericht Darmstadt tätig. 8. Franz Schnotale Sie sind seit Gründung der KAB-Okriftel in 1982 deren Vorsitzender. In dieser Zeit ist es gelungen, die Zahl der Mitglieder von anfänglich 30 auf nunmehr über 90 zu steigern. 9. Reinhold Richter Sie sind seit 40 Jahren Leiter der Gesangsabteilung der KAB-Flörsheim, einem Rückgrat des Vereins in musisch-kultureller, sozialer und persönlicher Sicht. 10. Wolfgang Schnitzer Von 1979 1993 waren Sie KAB-Bezirksvorsitzender und von 1976 1998 waren Sie außerdem Vorsitzender der KAB Frankfurt-Goldstein. Zusammen mit anderen haben Sie im Jahr 1980 die Zusammenarbeit mit der ACO Brasilien begründet. Dank Ihres Engagements konnten einige neue KAB-Vereine gegründet werden.
1. Ingeborg Dernbach Sind sind mit großem Engagement in der KAB Lindenholzhausen dabei, Schriftführerin im Verein seit 23 Jahren und für vieles verantwortlich. Ohne Sie würde so manches nicht gehen. 2. Jakob Jung Seit 29 Jahren sind Sie Vorsitzender der KAB-Lahr in der Gemeinde Waldbrunn. Schwerpunkte Ihrer Arbeit waren neben der Bildungsarbeit und der politischen Interessenvertretung die Mitgliederwerbung, wobei Sie stets darauf geachtet haben, einen Schwerpunkt zu setzen auf die Arbeit mit jungen Familien. 3. Hubert Friedrich Seit mehr als 23 Jahren gehören Sie dem Diözesanausschuß an. Im Bezirksvorstand der Limburger KAB haben Sie 24 Jahre lang mitgearbeitet. Zugleich leisten Sie in Ihrem KAB-Verein Lindenholzhausen Vorstandsarbeit und sind seit 24 Jahren als Vertrauensmann aktiv. 4. Heinz Erbach Sie sind seit 1976 Vorsitzender des KAB-Vereins in Dietkirchen. 16 Jahre lang gehörten Sie dem Bezirksvorstand der KAB Limburg an und waren 9 Jahre Mitglied im Diözesanausschuß. Seit nunmehr 8 Jahren liegt der Schwerpunkt Ihres ehrenamtlichen KAB-Engagements in der Seniorenarbeit. Nunmehr sind Sie als Seniorenobmann der Limburger KAB aktiv. 5. Herbert Franke Sie sind seit Wiedergründung des KAB-Vereins Dillenburg im Jahr 1976 dessen Vorsitzender und durch Ihre Bildungsarbeit weit über die Stadt Dillenburg hinaus bekannt. Besonders die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Arbeitnehmer-Bewegung hat zu einem Segen für die ganze Region beigetragen. Ihr über den Ort hinausgehendes Engagement wird auch dadurch deutlich, dass Sie seit 1975 Mitglied im Bezirksvorstand sind. 6. Engelbert Flach Sie sind einer der Mitbegründer der KAB Villmar, deren Vorstand Sie über 25 Jahre angehörten, als Kassierer und auch als Vertrauensmann. Bis heute sind Sie der Mitorganisator in der Seniorenarbeit. 7. Reinhold Staudt Sie waren von 1979 bis 1989 Vorsitzender der KAB Ellar und dann deren Ehrenvorsitzender. Auch heute noch sind Sie als Vertrauensmann der KAB und in der Gemeinde Ellar aktiver Berater und Begleiter für Schwache und Ausgegrenzte. Einige Jahre gehörten Sie dem Verbandsausschuß und zugleich dem Diözesanausschuß an. 8. Margarete Wagner Seit 1972 sind Sie als Kassiererin der KAB Lindenholzhausen tätig. Vorher haben Sie schon lange Jahre als Ehefrau des Kassierers diese Aufgabe wahrgenommen. 9. Alois Staudt war 31 Jahre Diözesanpräses der KAB im Bistum Limburg und in dieser Aufagbe weit über die Grenzen des Bistums durch seinen Einsatz und seine Kompetenz anerkannt. Er erhielt den Ehrenbrief anlääslich einer Verantaltung der KAB Dietkirchen, deren Präses er ist, am 11. April 2000 von Andres Mengelkamp, Diözsenavorsitzender (links)
und Ernst Leuninger , Diözesanpräses (rechts) überreicht. Für langjährige und
verdienstvolle Mitarbeit in der Name
Alexander-Stein-Ehrenbrief Persönlicher Text: Das von Berthold Conradi geschaffene Bild auf dem Umschlag stellt Domvikar Prälat Alexander Stein dar. Er wurde am 3.1.1911 in Frankfurt-Nied geboren, am 8.12.1937 in Limburg zum Priester geweiht und war vom 26.5.1952 - 27.10.1963 Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung im Bistum Limburg. In der Gründung der Frankfurter Sozialschule gab Alexander Stein im Bistum und darüber hinaus der politisch-sozialen Bildungsarbeit einen festen Platz. Von 1972 bis 1979 war er Leiter der kirchlichen Arbeitsstelle für Männerseelsorge und Männerarbeit auf Bundesebene. Er starb am 6.7.1980 in Dernbach. Seine Arbeit ist ein Vorbild für uns. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung will christliche Lebensgestaltung in der Arbeitnehmerschaft verlebendigen und durch Bildungsarbeit und Lebenshilfe diese befähigen, ihre Aufgabe in Staat, Kirche und Gesellschaft wahrzunehmen. Auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre wirkt sie an den gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung im nationalen und internationalen Bereich mit. Sie haben diese Arbeit mitgetragen und gestaltend im Sinne der KAB in Ihren Lebensbereichen gewirkt. Dafür danken wir Ihnen sehr herzlich und wünschen Ihnen Gottes Segen. Limburg, den 18. März 2000 Andreas Mengelkamp Dr. Ernst Leuninger Hans Gerd Arnold
Inhaltsverzeichnis (Aus Platzgründen keine Grafiken) KAB 2000 im Bistum Limburg 2- Ortsbestimmung und Perspektiven - 20 Wer nicht handelt der wird verhandelt 21 Sehen 21.1 Überblick 21.2 Protokollübersicht im Einzelnen 51.3 Abschließende Anmerkungen 102 Urteilen 112.1 Braucht es für die Zukunft die KAB? 112.2 Wir leben in eine neue Welt 143 Handeln 143.0 Konsequenzen 143.1 Leitbilddiskussion 143.2 Familienarbeit und Zielgruppenarbeit 143.3 Ehrenamt 153.4 Werbung 153.5 Stabilisierung und Erweiterung 153.6 Bildung 153.7 Kommunikation 153.8 Beratung 153.9 Öffentlichkeitsarbeit 153.10 Identitätssicherung 163.11 Bundesverband 164 Abschließende Bemerkungen 16 Dr. Ernst Leuninger Limburg, den 16.03.00
0 Wer nicht handelt der wird verhandelt Es gibt äußere Umstände, die lassen es uns geraten sein, dass wir handelnd damit umgehen und sie nicht nur feststellen und danach zur Tagesordnung übergehen, dann wird der Prozess ohne unser Zutun weitergehen. Wenn man einen Berg erreicht hat, dann freut man sich, wenn es wieder bergab geht. Bei einem Verband ist es genau umgekehrt, wenn es dort vielleicht auch nur leicht und kaum so richtig wahrnehmbar bergab geht, dann ist Gefahr im Verzug. Die Situation muss festgestellt, die Gründe analysiert und Handlungsperspektiven aufgestellt werden. Wir haben etwa 150 Mitglieder weniger als noch 1996, das ist zwar kein Verhängnis, wir müssen aber acht geben, dass diese Abwärtsbewegung nicht zum unumkehrbaren Trend wird. Hier muss unsere Analyse über die Situation des Verbandes in unserem Bistum ansetzen. Wenn nur jeder Ortsverein im Jahr ein Mitglied verliert, dann ist dies für den einzelnen Ortsverein nicht aufregend, für das Bistum sind es schon 41 Mitglieder und für die Ebene des Westdeutschen Verbandes geht es dann auf ca. 1700. Wie gesagt, die Entwicklung ist noch nicht dramatisch und auch noch nicht lange verfestigt, sie fordert aber unsere Wachsamkeit heraus. Der Beginn meiner Tätigkeit als Diözesanpräses der KAB veranlasste mich, die Vereine zu besuchen. Dies ist mir wider mein Erwarten zwar nicht vollständig gelungen, aber ich möchte die Ergebnisse der Gespräche doch in die Arbeit der KAB in unserem Bistum einbringen Es gibt aber noch einen anderen Grund. Unsere KAB im Bistum wird 2004 einhundert Jahre alt. Waldernbach, Lahr und Nied erreichen diese Zahl schon in diesem Jahr. Das sollte für uns Veranlassung sein, eine Standortbestimmung vorzunehmen. Ich möchte diese Standortbestimmung nach dem klassischen Prinzip von Kardinal Cardijn durchführen: Sehen - Urteilen - Handeln.
Die Mitgliedersituation stellt sich wie folgt dar. Unser Diözesanverband hat zu einem Zeitpunkt, als kirchliche Zahlen insgesamt schon ins Rutschen geraten waren, nach einer langen Phase der Stabilität seit etwa 1980 seinen statistischen Höhepunkt im Jahre 1996 mit 2703 Mitgliedern gehabt. Jetzt sind es nur noch 2553 (11.99). Die Mitgliederstatistik verläuft auch etwas unterschiedlich in beiden Bezirken. Frankfurt hat Mitte der 90er Jahre keine Höhe, aber ist jetzt auch stabil, der Bezirk Limburg hatte eine Höhe, verzeichnet aber auch den größeren Abstieg. Die Kontinuität im Bezirk Rhein-Main wird aber durch ein eigenartiges Phänomen
erreicht, nämlich durch eine wachsende Zahl von Einzelmitgliedern seit 1992. Im Bezirk
Limburg ist dies nicht so. Offensichtlich macht sich hier die hohe Zahl der
Einzelhaushalte in den Großstädten bemerkbar, eine Entwicklung die beachtet werden
sollte. Offensichtlich gewinnen gerade auch so genannten Singles Interesse am Verband. Insgesamt sind wir zwar ein kleiner aber doch recht stabiler Diözesanverband. Das
zeigt die Tabelle des Westdeutschen Verbandes. Zuerst möchte ich hier einen Bericht über die Situation der KAB-Vereine in unserem Bistum geben, wie sie sich mir durch meine Besuche erschlossen hat. Ich gebe hier meine persönlichen Eindrücke wieder, insofern sind diese auch diskussionsfähig, aber auch die mir vorliegenden Daten der Entwicklung. Anfang September 1998 hatte ich in einem Schreiben an alle Vorsitzenden ein Gespräch zur Situation der KAB-Vereine jeweils bei den einzelnen Vereinen angeboten und um einen Gesprächstermin gebeten. Die Rückmeldung war für mich äußerst zögerlich und schleppend. Von 40 Vereinen hatte ich bis zum 30. April 1999 zehn besucht. Deshalb bot ich für Juni Sammelgespräche jeweils in Frankfurt und Limburg an. Ich bat darum, wenigstens einen Repräsentanten zu senden. Mit den Sommerferien wollte ich dieses Projekt schließen. Mit Abschluss dieser Aktion hatte ich 26 der 40 Vereine erreicht. Im Bezirk Rhein-Main von 21 Gruppen (einschließlich XXL) 12 im unmittelbaren Gespräch und drei in Sammelgesprächen. Das ist ein Besuchsergebnis von 71%, mit dem ich einigermaßen zufrieden sein kann. Im Bezirk Limburg drei im direkten Gespräch und 6 in Sammelgespräch plus einem schriftlichen Bericht, weil ein Termin nicht zu Stande kam. Das ist ein Ergebnis von 45% für mich nicht befriedigend und auch nicht ganz erklärlich. Meine Erreichbarkeitsprobleme können es nicht allein gewesen sein, weil diese im Südbezirk auch gegeben waren. Insgesamt komme ich auf ein Besuchergebnis von etwa 65%, dies ist hinreichend, einigermaßen kompetente Aussagen über die Situation der KAB in unseren Vereinen zu machen.
1.2 Protokollübersicht im Einzelnen Die folgende Übersicht richtet sich in etwa nach dem Frageraster, das in meinem Schreiben vom 4.9.99 vorgestellt wurde. 1. Fragen der Mitgliedersituation 2. KAB und Pfarrei 3. Aktivitäten, Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit 4. Überörtliche Beziehungen 5 Gesellschaftliche Beziehungen 6. Zu Situation der Arbeitslosigkeit und des Lehrstellenmangels
1.2.1 Fragen der Mitgliedersituation Die Mitgliedersituation wird insgesamt als relativ stabil dargestellt. Es gibt aber zu
wenig jüngere Zugänge. Die Vereine fangen an zu überaltern. Die Mehrheit verschiebt
sich nach Auffassung der besuchten Vorstände über die 50- ja eher noch 60-Jahresgrenze
hinaus. Damit werden auch bestimmte Themen uninteressant, weil viele nicht mehr im
Arbeitsleben stehen. Das führt in manchen Vereinen zu einem Rückgang an Aktivitäten mit
gesellschaftlicher Relevanz. Die Abgänge aus dem Verein sind dann auch in der Regel
altersbedingte Todesfälle. Was für den Bezirk Limburg gilt, dürfte für das ganze Bistum gelten. Der Altersdurchschnitt liegt bei 57,25, eine ganze Reihe Vereine liegen über 60 Jahren. In der Regel sind Mitglieder unter 40 Jahren die Minderheit. So sind im aufstrebenden Verein Lindenholzhausen mit einem Mitgliederbestand von 8/99 157 (jetzt über 160), 18 bis 40 Jahre, 86 Mitglieder 40 bis 60 Jahre und 53 über 60 Jahre. Das Durchschnittsalter beträgt 56,39 Jahre. Auch hier wird das Fehlen der jüngeren Generation beklagt. In Kelkheim beträgt das Durchschnittsalter 60.7 Jahre, den geringsten Altersdurchschnitt dürfte Oberselters mit 48,1 Jahren haben. Es kann hier nicht darum gehen, dass wir nicht mit Senioren arbeiten wollen, wir sind froh über jedes neue Mitglied im Seniorenalter. Wenn wir zukunftsorientiert denken, dann wird die derzeitige Altersstruktur spätestens in 10 Jahren ein Problem sein, wenn wir die Dinge einfach so laufen lassen. Wachstumsvereine waren 1999 bis Ende Juni nur wenige, Lindenholzhausen z.B. mit 6 neuen Mitgliedern ist Spitzenreiter.
1.2.2 KAB und Pfarrei Insgesamt gestaltet sich das Verhältnis zwischen KAB und den Heimatpfarreien positiv. In den meisten Pfarreien sind die viele KAB-Mitglieder auch in den synodalen Gremien engagiert. Sie tragen die Arbeit der Pfarrei mit und identifizieren sich mit dieser. Das führt auch über die Begegnungen in den Vereinsveranstaltungen hinaus zu Begegnungen der Mitglieder am Rande von pfarrlichen Veranstaltungen vor allem bei den Sonntagsgottesdiensten. Diese Aktivitäten in der Pfarrei machen die KAB auch bekannt und schaffen den Boden für Mitgliederwerbung. Die KAB gehört wie selbstverständlich zur Öffentlichkeit der Pfarrei. Sie ist am Pfarrleben beteiligt und die Pfarrei beteiligt sich bei ihnen. An Gottesdiensten, Pfarrfesten und sonstigen pfarrlichen Aktivitäten ist die KAB wie selbstverständlich beteiligt. Ihre Aktivitäten spiegeln sich im Pfarrbrief wieder. Wichtig ist, dass die KAB oft die einzige pfarrliche Gruppe ist, zu der Männer Zutritt haben. Ansätze zu eigener Jugendarbeit gibt es eigentlich nur in einer Pfarrei. Die Situation der Jugendarbeit in den Pfarreien insgesamt wird nicht gerade als strahlend dargestellt. Offensichtlich hat die Kirche Schwierigkeiten, sich bei der jüngeren Generation verständlich zu machen und umgekehrt. Dort, wo die KAB eher gebietsbezogen ist, fallen die Möglichkeiten der Kontaktnahme mit der Pfarrei bedauerlicherweise eher weg. Hier ist die Pfarrbezogenheit in beiden Richtungen geringer oder sie beschränkt sich im wesentlichen auf eine Pfarrei. Das muß bei einer Entwicklung der KAB im pastoralen Raum mit bedacht werden. Zusammenlegungen bedürfen deshalb gründlicher Vorüberlegungen. Eine Verbindung zur Pfarrei stellt von der Satzung her auch der Präses dar. In einigen Pfarreien ist dies ein Diakon, in wenigen, obwohl offiziell noch nicht eingeführt, ein pastoraler Mitarbeiter oder eine pastorale Mitarbeiterin, mit in der Regel gutem Erfolg. Einige Pfarrer als Präses machen die Arbeit der KAB noch zu einem Schwerpunkt neben allen Belastungen und sind nahezu regelmäßig bei den Vorstandssitzungen und auch bei Veranstaltungen. Manche können dies bei der Vielzahl der Pfarreien und der damit verbunden Verpflichtungen einfach nicht mehr leisten, einige Vereine haben keinen Präses mehr. Nahezu alle haben die Sorge, dass sich hier in den nächsten Jahren ein großer Wandel einstellt. Insgesamt kann festgestellt werden, dass in der Regel das Verhältnis zum Präses gut ist.
1.2.3 Aktivitäten, Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit Betrachtet man die Aktivitäten der Vereine, so gruppieren sich diese im wesentlichen um zwei Pole, einmal die Bildungsabende und zum anderen gesellige Treffen. Es können hier nicht alle Veranstaltungen aufgeführt werden, desgleichen ist der Querschnitt auch nicht repräsentativ, sondern nur ein Eindruck den ich bei meinen Besuchen gewonnen habe. In der Regel findet eine Monatsveranstaltung statt. Der Besuch ist unterschiedlich, bei Bildungsveranstaltungen besteht ein fester Kern von zwölf bis um 30 TeilnehmerInnen meist aus der KAB, der regelmäßig kommt, gelegentlich sieht man auch andere oder neue Gesichter. Die geselligen Veranstaltungen sind in der Regel um Fastnacht, im Sommer als Wanderung oder Grillabend, gelegentliches Kegeln um einige Formen zu nennen. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit und halten den Verein sozial zusammen. Leider gibt es auch einige Vereine, die nur noch solche Maßnahmen durchführen, weil zu anderen Veranstaltungen die Kraft nicht mehr reicht. Die Bildungsarbeit hat etwa drei Themengruppen. Religiöse Themen z.B. Einkehrtage,
allgemeinbildende Themen und Themen aus dem sozialen Bereich. Hier sind die klassischen
Themen der KAB zu hause, aus der Berufs- und Arbeitswelt, mehr und mehr gewinnen hier
Fragen der Zukunftssicherung an Bedeutung, das liegt auch an der sich ändernden
Altersstruktur. Diese Themen haben in der kirchlichen Bildungsarbeit vor allem in der KAB
noch ihren Platz. Das ist der spezifische Beitrag der KAB zum Gesicht der kirchlichen
Bildungsarbeit. Beliebt sind bei einigen Vereinen auch Familienbildungsfreizeiten in
Günne z.B. und Fahrten. Die Öffentlichkeitsarbeit ist unterschiedlich: Schaukasten, Pfarrbrief örtliche Medien und Zeitung. In die Kirchenzeitung käme man so schlecht rein, wir können auf Bistumsebene nicht klagen, gar nicht mehr rein käme man in Impulse. Programme erscheinen aber in der Regel. Moderne elektronische Medien werden nur in wenigen Fällen eingesetzt. Hier sei auf den Verein Lindenholzhausen hingewiesen.
1.2.4 Überörtliche Beziehungen In der Regel haben die Vereine Kontakte mit den Nachbarvereinen. Mit diesen werden auch gelegentlich gemeinsame Maßnahmen durchgeführt und Programme ausgetauscht. In Richtung pastoraler Raum erfolgen erste Vorüberlegungen auf Kooperation. Zum KAB-Bezirk bestehen meist gute Kontakte, das zeigt sich auch auf den Tagungen dieser Ebenen. Vor allem auch in Frankfurt werden die gemeinsamen Aktionen des Bezirkes örtlich mit getragen. Im Bezirk Limburg ist diese aus der dezentralen Struktur des Bezirkes schwerer möglich, aber auch hier werden z.B. Schwerpunktthemen angenommen, die vom Bezirk- oder Diözesanverband angeboten werden. Das hat sich besonders beim Erlaßjahr 2000 wieder gezeigt. Das zeigt sich aber auch bei den Bildungswochenenden. Die Kooperation mit anderen Verbänden ist meist über die Pfarreien gegeben.
1.2.5 Gesellschaftliche Beziehungen Weniger vorhanden sind die Kontakte zu evangelischen Organisationen. Das könnte aber auch an der zahlenmäßigen Schwäche dieser Strukturen liegen. Zu den Gewerkschaften gibt es vor allem Beziehungen über persönliche Mitgliedschaften. Sie könnten sicher noch aktiviert werden. Mitgliedschaften bestehen in der CDA und Betriebsräten aber auch in Selbstverwaltungsgremien. Gut ist die Unterstützung des Weltnotwerkes. Hier wird auch durch eine entsprechende Gruppe in unserer Bistum sehr gute Arbeit für
Brasilien geleistet. Der Ertrag Weltnotwerkes ist innerhalb von gut 10 Jahren von 13.592
auf 22.729 gestiegen. Das ist sehr erfreulich. Auch die Aktion "Schafe für Bosnien" hat eine gute Resonanz gefunden.
1.2.6 Zur Situation der Arbeitslosigkeit und des Lehrstellenmangels Die Arbeitslosigkeit wird thematisch aufgegriffen und darüber in Veranstaltungen gesprochen. Hinzu kommt noch das Thema der Sicherung der Rente. Betroffenheit von der Arbeitslosigkeit zeigt sich oft auch in vorzeitigen Ausscheiden aus dem Arbeitsplatz durch vorgezogenen Ruhestand und ähnliche Lösungen. Das Thema der Jugendarbeitslosigkeit und des Lehrstellenmangels ist eher aus der Familiensituation bekannt. Aktivitäten gibt es hier in den Vereinen weniger. Aber einige Vereine setzen sich für eine Ausbildungsabgabe ein, wenn nicht genügend ausgebildet wird. Hier ist ja vor allem die Industrie angesprochen, die kaum noch ausbildet und dann nach qualifizierten Arbeitskräften ruft. Dafür werden von den Vereinen auf höherer Ebene Aktivitäten angefragt.
Zusammenfassend möchte ich nochmals sagen:
2.1 Braucht es für die Zukunft die KAB? Wir bereiten uns auf unser 100-jähriges Jubiläum 2004 vor. Dabei stellt sich natürlich die Frage der Zukunftsfähigkeit des Verbandes. Diese entscheidet sich vor allem daran, wie sehr ein solcher Verband in unserer Gesellschaft gebraucht wird und wie sehr wir davon überzeugt sind, dass er gebraucht wird und wir uns dafür einsetzen. Es kommen angesichts der Postmoderne, in der wir leben schon die Zweifel, ob wir denn modern, oder vielleicht sogar postmodern sind, was immer dies bedeutet. Ich möchte das Urteilen darüber, ob und wie wir unter die Frage stellen: "Braucht es für die Gestaltung der Zukunft die KAB?" Dies wird dann in fünf Thesen abgehandelt, :
Diese Fragestellung ergibt sich aus den Zielen und Aufgaben, wie sie in unserer westdeutschen Verbandsatzung gegeben sind und ich werde auch weitere Grundsatzpapiere dabei verwenden, wie z.B. die Limburger Erklärung über "...weil es Neues zu gestalten gilt!' Teilhabe und Teilnahme in der gespaltenen Gesellschaft (1995)", den Beschluss von Bottrop (1999) über "die Zeichen der Zeit erkennen - Arbeit und leben neu gestalten" und das Grundsatzprogramm der Bundes-KAB von 1996, um nur einige zu nennen.
2.1.1 Die Menschen brauchen die KAB Hier geht es zuerst einmal um das, was unsere Mitglieder selbst von der KAB erwarten und ob sie diese Erwartungen erfüllt bekommen. Dazu bedarf es des Hinweises, was in der Gesellschaft der Zukunft die neuen Herausforderungen sein werden. Auch hier sind nur einige Hinweise möglich. Aus den gesellschaftlichen Entwicklungen der Zukunft möchte ich die Individualisierung besonders herausgreifen. Sie zeigt sich darin, dass 34% (1996) (1972 14%) Einpersonenhaushalte sind, 21% aller Volljährigen leben in Einpersonenhaushalten, diese Entwicklung geht weiter in Großstädten ist sind es schon viel mehr. Es wird dabei oft von Singlegesellschaft gesprochen, dies ist sie aber nicht, denn ein Single lebt bewusst die Vereinzelung, Menschen heute bekommen sie oft aufgezwungen, durch Ausbildung, familiär, durch Lebensschicksal, Tod des Partners, durch berufliche Herausforderung. Dies zeigt sich ja auch in den Großstädten. Die Familien verwandeln sich, in der unmittelbaren Erfahrung werden sie kleiner, durch die längere Lebensdauer wachsen ihr aber neue Aufgaben zu. Es bleibt, das wissen wir aus allen Untersuchungen, eine ungebrochene Sehnsucht nach Geborgenheit und Erfahrung von menschlicher Verlässlichkeit. Ein zweites ist damit gegeben, dass die Menschen sich in der Planung ihres Lebens und der Gestaltung ihrer Individualität immer weniger auf vorhandene gesellschaftliche Muster stützen können. Kinder entwickeln sich ganz anders als die Eltern und oft auch, als die Eltern wollen. Schauen sie selbst einmal darauf, welche inneren Entwicklungen sie in den letzten Jahren mitgemacht haben. Der Lebenssinn bedarf ständig der kritischen Fortschreibung. Oft sind Menschen dabei allein gelassen. Die Freiheit kann dann von der Lust zur Last werden. Hier gilt es eine erfahrbare Kleinstruktur zu bilden, in der die Menschen Freiheit und Geborgenheit gleichzeitig erfahren und Solidarität einüben können. Hier setzt die Arbeit des Vereins für und durch seine Mitglieder ein. Hier erfahren sie, wie Freiheit im Leben verantwortlich Gestaltbar ist. In der Solidarität der Mitglieder zueinander können sie familiäre Geborgenheit spüren. Diese Erfahrung von Solidarität sollte aber auch auf Menschen im Umfeld des Vereins ausstrahlen, die unsere Zuwendung benötigen. Beim Gelingen solcher familiären Erfahrungen und dem Austausch von Lebenskulturen sind wir auf die Kompetenz aller Generationen in unseren Vereinen angewiesen, gerade das so schwierige Generationengespräch bedarf der besonderen Pflege und gleichberechtigter Partnerinnen und Partner. Hier kann die KAB durch ihre Seniorenarbeit und eine zu fördernde Arbeit mit der jüngeren Generation, die jetzt mit der CAJ ja anfängt, wichtige Dienste leisten. So ist der Verein in Zukunft noch mehr als bisher ein Ort menschlicher Grunderfahrungen von Freiheit und Geborgenheit zugleich, von Individualität und Solidarität. Gerade auch in Lebenskrisen wie zur Zeit der Arbeitslosigkeit oder der Frühverrentung kann der Verein zum moralischen Halt werden. Auch Alleinerziehende z.B. können hier Hilfe finden. Es bedarf der gegenseitigen Beratung und Hilfe bis hin zu professionellen Beratungsmöglichkeiten auf höheren Ebenen und ggf. der Vermittlung dorthin. Die Mitglieder dürfen sich in ihren Sorgen nicht allein gelassen fühlen. In der KAB können die Mitglieder Erfahrungen gewinnen, für die eigenständige Entfaltung auch einer Frömmigkeit, die weltoffen und zugleich innerlich ist, die Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe beinhaltet.
2.1.2 Die Kirche braucht die KAB Die großen Herausforderungen der Kirche der kommenden Zeit werden nicht von oben, sondern nur gemeinsam mit dem Volke Gottes gelöst werden. Dabei wird es vor allem darauf ankommen, Kirche daheim und weltweit durch Taten der Gerechtigkeit bekannt zu machen. Die Menschen werden Wert darauf legen, Kirche unmittelbar zu erfahren. Gemeinde wird sehr stark von erfahrbaren und gelungenen Beziehungen her leben. Auch hier kann ein Verband wie die KAB unverzichtbares leisten. KAB ist Teil der Kirche, Teil der jeweiligen Ortsgemeinde, sie ist aber auch zugleich Kirche selbst, einer Kirche, in der das Volk Gottes, wie das Konzil es in besonderer Weise betonte, die entscheidenden Weichen stellt. Hier wird wahrlich eine "Volk-Gottes-Kirche" gelebt in guter Kooperation mit dem Dienstamt in der Kirche. Dies sind Hoffnungszeichen für die Kirche. In der Gesellschaft der Zukunft müssen Männer und Frauen gleichberechtigt sein, dies ist eine Forderung der Gerechtigkeit. Wir haben die Chance, dies in unserem Verband zu leben und in die Kirche und die Gesellschaft einzubringen. In dieser Kirche müssen die Freuden und Leiden der Menschen präsent sein, sie darf nicht an diesen vorbei gehen, sondern muss in ihrem sozialen Engagement diese in besonderer Weise präsent machen. Die KAB ist in der Kirche in besonderer Weise Stimme und Anwalt der Armen. Damit trägt sie zu einer dienenden Kirche bei, "denn eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts," sagt der französische Bischof Gaillot. So wird dann KAB für die Kirche eine Öffnung zu den Problemen z. B. der Arbeitswelt, sie macht sie in der Gemeinde lebendig, sie lebt aber auch die Kirche in der Gesellschaft und macht sie dadurch dort erfahrbar. Das geschieht vor allem im Raum der Pfarrei, hier haben Aktionen gegen Arbeitslosigkeit und für den Erhalt des Sonntags ihren Platz. Hier gilt es aber gerade auch für solche Aktivitäten den Raum der Nachbarschaft, z.B. im Pastoralen Raum zu suchen.
2.1.3 Die Arbeitswelt braucht die KAB Das zeigt sich in besonderer Weise auch dort, wo es um die Probleme der Arbeitswelt geht. Wenn für 2020 noch 3,5 Millionen Arbeitslose prognostiziert sind, dann ist das eine Herausforderung für uns. Die Menschen haben ein Recht auf Arbeit. Dies gehört zur Menschenwürde. Wir können diesen würdelosen Zustand nicht tolerieren, sondern müssen mit unseren Kräften dagegen vorgehen. Dazu gehört auch, dass wir neue Ansätze in die Diskussion einbringen, wie die Triade der Arbeit in herkömmlicher Erwerbsarbeit, gesellschaftlicher Arbeit und Familienarbeit. Hier erschließen sich neue Felder der Arbeit, die aber das Ziel einer gleichberechtigten Arbeitswelt zwischen Männern und Frauen nicht behindern, sondern sogar fördern müssen. Für eine Zukunft der Arbeit als Weg des Einkommens für alle müssen wir uns einsetzen, dabei wird es aber auch neue Formen des Einkommens geben müssen. Auch im Bereich der sozialen Sicherung bedarf es neuer Überlegungen. Wir müssen die Frage der Grundsicherung weiter verfolgen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch durch gleichverpflichtende Verteilung der Familienarbeit an Mann und Frau, und damit Förderung der Gleichberechtigung der Frauen, Familiengehalt, Familienlohn, dies sind für uns nur einige Stichworte. Es braucht eine Welt mit sozialer Gerechtigkeit, nicht nur bei uns, sondern überall, das wird mehr denn je gefordert sein, das ist auch das Anliegen unseres Verbandes. Dazu gehört aber auch, dass Miteigentum und vor allem Mitbestimmung wieder neu diskutiert werden. Die von der Limburger Erklärung geforderte Teilhabe realisiert sich auch hier. Der weltweit wachsenden Macht des Kapitals müssen Grenzen gesetzt werden.
2.1.4 Der Staat braucht die KAB Unser Grundgesetz und damit unser Staat beruht auf Werten, die er selbst nicht schaffen kann, so sagt es der Staatsrechtler Böckenförde. Gerade in den letzten Monaten wurde dies wieder deutlich. Es ist eine ständige kritische Auseinandersetzung um diese Werte notwendig und wir können nicht dulden, dass sie, von wem auch immer, verletzt werden. Sie müssen immer wieder deutlich gemacht werden. Menschenwürde, Freiheit, Solidarität, Wahrhaftigkeit, das sind Werte, die es glaubhaft durch das Leben zu bezeugen gilt. Dazu gehört aber auch unser politisches Engagement an der Basis und darauf aufbauend auch auf anderen Ebenen. Hier haben wir die Chance, die Gedanken der katholischen Soziallehre in die Praxis einzusetzen. Sie standen in besonderer Weise Pate am Beginn unseres nach dem Krieg erneuerten Gemeinwesens, sie sind in Zukunft wieder deutlich gefordert. Ich ermutige sie - Frauen und Männer - trotz aller Widrigkeiten, diesen Dienst zu leisten und danke allen, die dies bisher schon tun oder getan haben. Solche engagierten Menschen wird es in Zukunft brauchen, wenn vielleicht das Geld noch mehr als bisher der bestimmende Faktor gesellschaftlichen Handelns wird. Hier wird Engagement aus Verantwortung gebraucht.
2.1.5 Die Gesellschaft braucht die KAB Gerade heute wird es deutlich, dass die Strukturen einer Bürgergesellschaft deutlicher herausgearbeitet werden müssen. Der Staat ist notwendig, die Gesellschaft aber mit dem Staat lebt nur, wenn ihre Bürgerinnen und Bürger sie gestalten. Dazu gehört auch der ehrenamtliche Dienst in vielen Bereichen, den Menschen bei uns lernen können. Wir werden damit zu einem Lernfeld der Gesellschaft. Das gilt auch für das so wichtige Generationengespräch. Ich verweise hier nur auf den Einsatz für den Sonntag: "Sonntag muß Sonntag bleiben." Ihr Einsatz für Gerechtigkeit ist der Dienst der Zukunft, ist die Spiritualität unseres Verbandes. Die Botschaft der Weltbischofssynode von 1987 sagt dazu: "Der Heilige Geist lässt uns immer klarer entdecken, dass Heiligkeit heute den Einsatz für Gerechtigkeit und die Solidarität mit den Armen und Unterdrückten erfordert. Die Umgestaltung der Gesellschaft nach dem Plan Gottes gehört zur wahren Heiligkeit der Christgläubigen." Diese Heiligkeit sind wir der Kirche und der Welt schuldig. So werden wir zu einer Kirche der Globalität, die nicht nur ihre kleine Welt sieht, sondern in der alle Menschen Schwestern und Brüder sind. Unser Handeln - auch im Welthilfswerk ist Zeichen für diese Überzeugung.
2.2 Wir leben in eine neue Welt Zusammenfassend können wir feststellen: Hier zeichnet sich ein Zukunftsprofil unseres Verbandes aus den Entwicklungen unserer Gesellschaft ab. Wir müssen uns fragen, ob dies die Herausforderungen sind, die auf unseren Verband zukommen werden und wie wir unser Profil gestalten, damit wir eine Antwort darauf geben können und die neue Welt mit gestalten. Dann werden wir zukunftsfähig sein. In unseren Vereinen muss schon heute ein alternatives Milieu der Zukunftsfähigkeit gelebt werden. Es gibt heute schon überzeugende Ansätze dazu, genannt sei als Beispiel hier nur der Einsatz für die Dritte Welt.
Es kann nicht umfassend dargestellt werden, welche Konsequenzen sich aus diesen Gedanken, die ja keine fertigen Konzepte sind, ergeben. Sie bedürfen aus meiner Sicht der umfassenden Diskussion, aber auch des zügigen Handelns. Es sollten sich schon in den nächsten Jahren Konsequenzen daraus abzeichnen. Einige Diskussionspunkte und Handlungsperspektiven seien aufgezeigt. Eine Beschlussfassung dazu sollte im Diözesanausschuß erfolgen. Die Umsetzung wäre bis 2004 anzustreben.
Der Diözesanvorstand und der Diözesanausschuß sollte sich im Sinne einer Leitbilddiskussion mit diesen Fragen auseinandersetzen und überlegen, welche Hilfestellungen für die noch stärkere zukunftsorientierte Profilierung unserer Vereine gegeben werden können. Ein Leitbild will eine gemeinsame Basis über die Bedeutung des Vereins und seine Zukunftsorientierung entfalten und damit Kräfte für Zukunftshandeln frei machen. Parallel dazu soll in wenigsten zwei Vereinen projektweise eine Leitbilddiskussion zur Profilierung und Aktivierung des Vereins durchgeführt werden. Daraus könnten weitere Schlüsse gezogen werden.
3.2 Familienarbeit und Zielgruppenarbeit Die Familienarbeit im Sinne einer Familienorientierung unserer Vereine muss an Deutlichkeit gewinnen. Darum muss jeder Verein sich bemühen. Auf Diözesanebene wird eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die ein Konzept für diese Arbeit entwickeln soll. Dies ist auch ein exemplarischer Teil der Zielgruppenarbeit, die auch in anderen Bereichen z.B. der Frauen, Jugend- und Alleinerziehendenarbeit verstärkt werden sollte. Damit sollten auch die neuen Formen der städtischen Haushalte in den Blick kommen.
Für Ehrenamtliche sind Förderprogramme zu entwickeln. Dabei ist auch auf die Angebote der Verbandszentralen zu achten. Bei der Werbung zum Ehrenamt sind vor allem auch die zur Zeit aus dem aktiven Arbeitsleben Ausscheidenden zu berücksichtigen.
Neue Mitglieder sind eine Überlebensfrage. Jeder Verein muss sich dies zum Anliegen machen. Vor allem die persönliche Ansprache und Familienbildungsmaßnahmen z.B. in Günne haben hier Erfolge gezeitigt. Aber auch anderer Bereiche sind dabei von Bedeutung. Es wird baldmöglichst in jedem Bezirk ein Wochenende durchgeführt, in dem Werbekonzepte geprüft und für Vereine aufgeschlüsselt werden. Außerdem wird in wenigstens einem Verein jedes Bezirkes eine Werbeaktivität zur Mitgliedergewinnung möglichst unter Begleitung der Bezirkssekretäre durchgeführt.
3.5 Stabilisierung und Erweiterung In jedem Bezirk wird nach Möglichkeit ein neuer Verein gegründet und/oder ein schwächelnder Verein wieder auf die Füße gestellt.
Die Diözesanleitung wird beauftragt, sich über eine Profilierung der Bildungsarbeit Gedanken zu machen und dem Diöszesanvorstand sowie dem Diöszesanausschuss baldmöglichst Vorschläge zu diesem Bereich zu machen, die dann vor allem in den Bezirken weiter besprochen werden sollen.
Es ist von der Diözesanleitung zu prüfen, ob bisherige Veröffentlichungen zur innerdiözesanen Kommunikation und zur Stärkung unseres Profils nicht etwa zweimal jährlich in einem Infoblatt zusammengefasst werden können. Beschluss dazu fasst der Diözesanvorstand. In dieser Veröffentlichung soll vor allem auch die internationale Aktivität eine besonderer Rolle spielen.
Gemeinsam mit den Nachbarbistümern ist das Beratungskonzept in Arbeits- und Sozialrecht neu zu überdenken, damit auch in Zukunft der Anspruch der Mitglieder erfüllt werden kann. Es ist zu fragen, wohin wir Mitglieder zur Beratung in schwierigen Lebenssituationen vermitteln können und wer ggf. hier erste Ansprechpartner/in ist?
In jedem Bezirk wird eine Maßnahme zum Umgang mit neuen Medien angeboten. Weitere Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sind zu überlegen.
Zur Sicherung der Erfahrungen der Vergangenheit wird der Diözesanverband unter Mitwirkung der Vereine und Bezirke ein Buch zum 100-jährigen Jubiläum herausgeben, das die Geschichte des Diözesanverbandes und seiner Vereine beschreibt.
Der Diözesanverband setzt sich aktiv für einen starken Bundesverband der KAB ein, nur ein solcher wird auf Dauer in ganz Deutschland und darüber hinaus Gehör finden. Bei der Strukturierung der Stellen des Verbandes sind aber auch die Anliegen unserer Region zu beachten.
Abschließend möchte ich Ihnen allen für Ihr Engagement in oft schwierigen Situationen danken. Sie leisten eine solide Arbeit. Gemeinsam sollte es uns gelingen, die Zukunft zu gestalten.
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