100 Jahre Diözesanverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung im Bistum Limburg 100
Jahre alt wird der Diözesanverband der Katholischen
Arbeitnehmer-Bewegung im Bistum Limburg. Aus diesem Anlass fand am 14. März
in Limburg ein Festtag der KAB statt. Über
600 Menschen hörten um 10.15 Uhr im Festgottesdienst im Limburger die
eindrucksvolle Predigt von Bischof Dr. Franz Kamphaus. Ausgehend von dem
Schrifttext der Gottesbegegnung des Moses am Berg Horeb wies er darauf
hin, dass Gott den Menschen beim Namen ruft. Er bestätigt ihn in seiner
Person. Er sendet aber Moses sofort zu seinem leidenden Volk. Das
„Ich“ ist ohne das „Wir“ aber nicht zu verstehen. Das „Ich“
ist keine „Ich-Ag“, das Ich ist auf das „Wir“ bezogen, genauso wie
das „Wir“ auf das „Ich bezogen ist. Gott
hat das Schreien seines Volkes in der Unterdrückung gehört. Er hört
sein Elend. Gott ist solidarisch mit dem Elend der Menschen. Es ist ihm
nicht gleichgültig, wer die Verliere der Gesellschaft sind. Sein Sohn hat
sich ja selbst auf die Seite der Verlierer gestellt. Von daher ist
Religion kein individualistischer Vorgang, Privatsache, so wie das
Wohlergehen des Einzelnen im Neoliberalismus Privatsache ist, sondern öffentliche
Herausforderung. „Gott ist kein Neoliberaler.“ Gott gehört in die
Grundlagen des Staates. Wir müssen wie er die Schreie der Verlierer hören. Gott
macht seinem Volk eine Verheißung. Er will ein Land des Wohlergehens für
alle, der Gerechtigkeit und des Friedens. Die soziale Gerechtigkeit ist
ihm ein Anliegen. Sie muss es auch für uns sein. Diese
Anliegen, Personalität in Solidarität und der Einsatz für soziale
Gerechtigkeit sind weiterhin die großen Aufgaben der KAB (Katholischen
Arbeitnehmer-Bewegung). Die
musikalische Gestaltung des Gottesdienstes hatten die Domsingknaben unter
Klaus Knubben und der Domorganist Carsten Igelbrink übernommen.
Konzelebranten waren der Diözesanpräses der KAB Leuninger, der Bezirkspräses
von Rhein-Main Steinmetz, Don Rafaelo aus Mailand von der
Partnerorganisation ACLI, es assistierten die Diakone Pyrlik und Detering
(Präses von Wiesbaden) Um
13.30 Uhr fand in der Stadthalle eine Festveranstaltung statt. Der Diözesanvorsitzende
Andreas Mengelkamp konnte viele Gäste begrüßen, darunter Landräte, Bürgermeister,
Landtags- und Abgeordnete städtischer Gremien, Gewerkschaftler und
Vertreter der Nachbarverbände und anderer Verbände. Viele Mitglieder der
örtlichen Vereine waren erschienen. In
den Grußworten betonte der Präsident der Diözesanversammlung Dr. Hans
Peter Röther die Verbundenheit von synodalen Gremien und Verbänden. Sie
kämpft in der Gesellschaft um die Beibehaltung christlicher Werte. Die
stellvertretende Ministerpräsidentin Karin Wolff stellte heraus, dass die
KAB eine Antwort auf die Industrialisierung war. Sie war und ist auch
immer in der so wichtigen Bildung für alle tätig. Die KAB steht in der
Herausforderung auch heute Gerechtigkeit zu suchen und zu formulieren. Für
die KAB-Vereine in Rheinland-Pfalz, die sich alle im Westerwaldkreis
befinden sprach Landrat Weinert aus Montabaur. Die KAB habe im Westewald
auch ihren Beitrag geleistet, aus einem Land der armen Leute eine reiche
Region zu machen. Der
Bundesvorsitzende der KAB Georg Hupfauer sprach über die Zukunfstfähigkeit
der KAB. Die Menschen, unsere Arbeitwelt, die Kirche, der Staat,
Gesellschaft und di globale Welt brauchen die KAB. Er wies auf die derzeit
laufende Diskussion der Sozialsysteme hin und die wegweisenden Vorschläge,
die die KAB dazu entwickelt habe. Die KAB habe viel verändert, aber
vollendet sei das Werk noch nicht. Anschließend
fand unter Leitung von Diözesanpräses Leuninger eine Zeitreise durch die
Geschichte der KAB statt. Dazu hatte er eine Präsentation mit Bildern und
Texten vorbereitet, unterstützt wurde er bei dieser Reise durch nahezu 30
Interviewpartner, die z.B: aus der Gründungsgeschichte ihres Vereins vor
über 100 Jahren berichteten, oder aus der Senioren und Familienarbeit,
aber auch Vertrete von Gewerkschaften und anderen katholischen Verbänden.
Die Zeitreise schloss mit Zukunftsperspektiven die von der Diözesanleitung
vorgetragen wurden. Weil viele die KAB brauchen ist sie auch zukunftsfähig.
Die musikalische Gestaltung hatten
Lea Velten (Flügel) und Julia Knauf (Flöte) übernommen. Den
Alexander-Stein-Ehrenbrief erhielten Herbert Schilling aus Elsoff und
Elisabeth Steyer aus Okriftel. Pfarrer Alois Staudt aus Dietkirchen wurde
zum Ehrenpräses des Diözesanverbandes ernannt. Er verlas auch den päpstlichen
Segen der ganz auf den Anlass abgestimmt war: „Der Auftrag Christi möge
die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung stets aufs Neue begeistern, um den
Menschen in ihren Hoffnungen und Sorgen nahe zu sein und um die
Gesellschaft nach den Prinzipien des katholischen Glaubens
mitzugestalten.“ Die
Feier schloss mit einer von der stellvertretenden Vorsitzenden Gerda Jung
vorbereiteten Lichtfeier, in der das aus dem Mainzer Dom geholte
Kettelerlicht in kleinen Laternen den örtlichen Vereinen mitgegeben
wurde. Der
Diözesansekretär Paul Erbach hatte mit vielen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern eine Fotoausstellung über die Aktivitäten der KAB im Bistum
und Vereinen erstellt. Es lief die Reihe „Arbeitswelten“.
Aus Anlass dieses Jubiläums ist eine Festschrift
mit dem Titel „Arbeit und Solidarität - 100 Jahre Katholische
Arbeitnehmer-Bewegung im Bistum Limburg“ erschienen. Sie hat 674 Seiten
und etwa 220 Bilder. Herausgegeben ist sei von Ernst Leuninger und den
weiteren Mitgliedern der Diözesanleitung der KAB in der Diözese Limburg,
Andreas Mengelkamp, Gerda Jung, Hans Gerd Arnold (bis 30.11.2003) und Paul
Erbach. Mitgewirkt haben neben den 41 Ortsvereinen noch etwa 30
Autorinnen. Letztere sind zur vorgesehenen Präsentation als Gesprächspartnerinnen
eingeladen, ich rechne mit ca. 20 aus dieser Gruppe. Die Festschrift
beschreibt die Geschichte der Arbeiterbewegung, der katholischen
Arbeiterbewegung und des Diözesanverbandes der Arbeitervereine im Bistum
Limburg, jetzt KAB. Um die Jahrhundertwende
wurden an verschiedenen Stellen des Bistums katholische Arbeitervereine
gegründet. 1883 in Wiesbaden Biebrich, 1890 in Elsoff/Westerwald. Viele
folgten bis zum 1. Weltkrieg. Sie reagierten auf die neuen
Herausforderungen der Arbeitswelt und ihre Probleme und wurden vor allem
von Bischof Ketteler in Mainz und Papst Leo XIII. durch sein Enzyklika
„Rerum novarum“ 1891 gefördert. Die Gründung des Diözesanverbandes
erfolgte am 25. Oktober 1904 auf einer Konferenz zu Höchst am Main. Bei
der Gründung zählte der Verband 50 Vereine 1. Diözesanpräses wurde
Pfarrer Dr. Luschberger. Einen Einbruch gab es durch den 1. Weltkrieg und
die darauf folgenden Krisen wie Inflation und Arbeitslosigkeit in der
Weimarer Zeit. 1930 gab es einen Gesamtmitgliederbestand von 3115, der
sich trotz der Bedrängnisse im Dritten Reich kaum reduzierte, bis nach
Verfolgungen und Gefängnisstrafen der Diözesanverband am 14.Janaur 1939
durch die Gestapo aufgehoben wurde. Nach 1945 setzte sich Papst Pius XII:
für die Neugründung der KAB in Deutschland ein. So geschah es auch 1946
im Bistum Limburg. Pfarrer Wohlrabe wurde damals Präses. Ab den siebziger
Jahren erfolgte die Konsolidierung vor allem durch Diözesanpräses
Staudt, die Diözesansekretäre Wagner und Tries und die Vorsitzenden Heep
und Kohl. Auch die derzeit 41
Vereine mit ihren 2300 Mitgliedern stellen sich mit den zwei Bezirken
Limburg und Rhein-Main in dem Buch vor. Hinzu kommen die eigenständigen
Verbände die zum Diözesanverband gehören wie die italienische
Arbeiterbewegung ACLI, im Bereich der Seelsorge an Katholiken anderer
Muttersprache und die CAJ. Zum 100-jährigen Jubiläum wurde im Diözesanverband ein Kurs Katholische Soziallehre erarbeitet, der inzwischen als CD vorliegt. Zum Abschluss stellt die Diözesanleitung Thesen zur Zukunftsfähigkeit auf.
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