Aparecida 2007. Schlussdokument der 5.
Generalversammlung des Episkopats von
Lateinamerika und der Karibik - Auszüge
"Vom 13. – 31. Mai 2007 fand
im brasilianischen Wallfahrtsort Aparecida die
fünfte Generalversammlung der Bischöfe
Lateinamerikas und der Karibik statt. Im
Mittelpunkt der Versammlung standen die
aktuellen pastoralen Herausforderungen auf dem
Kontinent. Im Schlussdokument analysieren die
Bischöfe die sozialen, politischen und
ökonomischen Probleme und beschreiben die
kirchliche Situation. Davon ausgehend legen sie
pastorale Grundlinien für die Zukunft fest. In
einem dritten Teil werden konkrete
Aufgabenbereiche und Handlungsfelder benannt.
Von vielen dieser Anregungen kann auch die
Kirche in Deutschland lernen, das Evangelium
entschieden und glaubwürdig zu verkünden.
Nach den großen Versammlungen 1968 in Medellin,
1979 in Puebla und 1992 in Santo Domingo ist
diese fünfte Generalversammlung ein wichtiger
Meilenstein für die Kirche Lateinamerikas und
der Karibik. Das Schlussdokument zeugt sowohl
von der reichen Tradition der Kirche als auch
von dem vitalen Geist, der sie bewegt. (DBK)"
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Auszug aus dem Text
Inhaltsverzeichnis
.....................................................
Schlussdokument der 5. Generalversammlung des
Episkopats von Lateinamerika und der Karibik
vom 13.–31. Mai 2007 in Aparecida......................................21
Einführung
................................................................................21
Erster Teil
.................................................................................33
Das Leben unserer Völker heute
..............................................33
1. Jünger und
Missionare..................................................35
1.1 Dank an
Gott.................................................................36
1.2 Die Freude, Jünger und Missionare Jesu
Christi
zu sein
...........................................................................38
1.3 Die Kirche ist gesandt zu
evangelisieren......................39
2. Der Blick der Jünger und Missionare auf die
Realität..........................................................................41
2.1 Die Realität fordert uns Jünger und
Missionare
heraus............................................................................41
2.1.1 Die gesellschaftlich-kulturelle
Situation.......................46
2.1.2 Die wirtschaftliche
Lage...............................................52
4
2.1.3 Die gesellschaftlich-politische Dimension
...................60
2.1.4 Artenvielfalt, Ökologie, Amazonasregion
und
Antarktis
.......................................................................64
2.1.5 Präsenz der indigenen und
afroamerikanischen
Völker in der
Kirche.....................................................66
2.2 Die Lage der Kirche angesichts der
gegenwärtigen
Herausforderungen
.......................................................70
Zweiter Teil
..............................................................................79
Das Leben Jesu Christi in den missionarischen
Jüngern..........79
3. Die Freude, missionarische Jünger zu sein,
die
das Evangelium Jesu Christi
verkünden.......................79
3.1 Die Gute Nachricht von der Würde des
Menschen ......80
3.2 Die Gute Nachricht vom
Leben....................................81
3.3 Die Gute Nachricht für die Familie
..............................84
3.4 Die Gute Nachricht menschlichen
Handelns................86
3.4.1 Die Arbeit
.....................................................................86
3.4.2 Die Wissenschaft und die Technik
...............................87
3.5 Die Gute Nachricht von der universellen
Bestimmung der Güter und der
Ökologie.....................88
3.6 Der Kontinent der Hoffnung und der Liebe
.................89
4. Die Berufung der missionarischen Jünger zur
Heiligkeit
......................................................................91
4.1 Berufen zur Nachfolge Jesu
Christi..............................91
4.2 Dem Meister ähnlich
werden........................................94
4.3 Gesandt zur Verkündigung des Evangeliums vom
Reich des
Lebens..........................................................96
4.4 Inspiriert vom Heiligen Geist
.......................................98
5. Die Gemeinschaft der missionierenden Jünger
in
der Kirche
...................................................................101
5.1 Zum Leben in Gemeinschaft berufen
.........................101
5
5.2 Kirchliche Orte für die
Gemeinschaft.........................105
5.2.1 Die Diözese, der privilegierte Ort für die
Gemeinschaft
..............................................................105
5.2.2 Die Pfarrgemeinde – Gemeinschaft der
Gemeinschaften
..........................................................107
5.2.3 Kirchliche Basisgemeinden und Kleine
Gemeinschaften
..........................................................113
5.2.4 Die Bischofskonferenzen und die
Gemeinschaft
der Ortskirchen
...........................................................114
5.3 Missionarische Jünger mit spezieller
Berufung..........116
5.3.1 Die Bischöfe – missionarische Jünger des
Hohenpriesters
Jesus...................................................117
5.3.2 Die Priester – missionarische Jünger Jesu,
des
Guten Hirten
...............................................................119
5.3.2.1 Identität und Sendungsauftrag der
Priester.................119
5.3.2.2 Die Pfarrer – Verantwortliche einer
Gemeinschaft
missionarischer
Jünger................................................123
5.3.3 Die Ständigen Diakone – missionarische
Jünger
des Dieners
Jesu..........................................................125
5.3.4 Die Männer und Frauen aus dem Laienstand –
Jünger und Missionare Jesu, der das Licht
der Welt
ist..................................................................126
5.3.5 Die Ordensmänner und Ordensfrauen –
missionierende Jünger Jesu, der Zeuge des
Vaters ist
.....................................................................129
5.4 Menschen, die die Kirche verlassen und sich
anderen religiösen Gruppen angeschlossen
haben......133
5.5 Ökumenischer und interreligiöser
Dialog...................134
5.5.1 Ökumenischer Dialog, damit die Welt glaubt
............134
5.5.2 Beziehung zum Judentum und interreligiöser
Dialog
.........................................................................138
Auszüge aus den drei
Teilen
Das Dokument ist aufgebaut
nach dem Schema "Sehen-Urteilen-Handeln". Das
Generalthema ist die missionarische Seelsorge.
Einleitung
Dies wird in der
Einleitung verdeutlicht: "(1) Im Licht des
auferstandenen Herrn und in der Kraft des
Heiligen
Geistes haben wir Bischöfe von Lateinamerika uns
in Aparecida, Brasilien, zur 5.
Generalversammlung des Episkopats
von Lateinamerika und der Karibik versammelt.
Wir haben dies getan als Hirten, die das
Evangelisierungswerk der Kirche weiter
voranbringen wollen: Die Kirche ist dazu
berufen, all ihre Mitglieder zu Jüngern und
Missionaren Christi zu machen, der
Weg, Wahrheit und Leben ist, damit unsere Völker
in Ihm das Leben haben. Wir tun dies in
Gemeinschaft mit allen Ortskirchen
in Amerika. Maria, die Mutter Jesu Christi und
seiner Jünger, ist uns sehr nahe gewesen, sie
hat uns aufgenommen, hat
uns und unsere Arbeit beschützt und mit ihrem
Mantel uns – wie Juan Diego und unseren Völkern
– mütterlichen Schutz
gewährt. Wir haben sie als Mutter, als
vollkommene Jüngerin und Lehrerin der
Evangelisierung gebeten, sie möge uns lehren,
Kinder ihres Sohnes zu sein und zu tun, was er
uns sagt (vgl.Joh 2,5)."
Dabei geht es nicht nur um
die großen Zusammenhänge, sondern das Leben
jedes Einzelnen: "(16) „Diese 5.
Generalversammlung wird in Kontinuität mit den
anderen vier Konferenzen abgehalten, die ihr in
Rio de Janeiro,
Medellín, Puebla und Santo Domingo
vorausgegangen sind. Mit demselben Geist, der
diese Versammlungen beseelt hat, wollen
die Bischöfe nun der Evangelisierung einen neuen
Impuls geben, damit diese Völker weiter im
Glauben wachsen und reifen,
um durch ihr Leben Licht der Welt und Zeugen
Jesu Christi zu sein.“16 Als Hirten der Kirche
sind wir uns bewusst: „Seit der
4. Generalversammlung in Santo Domingo hat sich
in der Gesellschaft vieles verändert. Die
Kirche, die an den Bestrebungen
und Hoffnungen, an den Leiden und Freuden ihrer
Kinder teilnimmt, will ihnen in dieser Zeit so
mannigfacher Herausforderungen
zur Seite stehen, um ihnen stets Hoffnung und
Trost zuzusprechen.“
Dazu bedarf es eines
genauen Anschauens der Situation der
Gesellschaft und jedes Einzelnens: (18) Jesus
Christus durch den Glauben kennen zu lernen, ist
unsere Freude; ihm zu folgen, ist eine Gnade,
und diesen Schatz
an die anderen weiterzugeben, ist ein Auftrag,
den der Herr uns anvertraut hat, als er uns
berief und erwählte. Mit den Augen,
die vom Licht des auferstandenen Jesus Christus
erhellt werden, können und wollen wir die Welt,
die Geschichte, unsere Völker
in Lateinamerika und der Karibik und jeden
einzelnen Menschen anschauen.
1. Teil Das Leben
unserer Völker heute
Der 1. Teil schaut auf die
Herausforderungen der Kirche in Südamerika und
der Karibik und beschreibt das missionarische
Jüngersein: "(26) Von Christus erleuchtet fühlen
wir uns durch Leid, Unrecht und Kreuz
herausgefordert, als samaritanische Kirche zu
leben (vgl. Lk 10,25–37) und erinnern uns dabei,
„dass sich die Evangelisierung immer zusammen
mit der Förderung des Menschen
und der wahren christlichen Befreiung entfaltet
hat“20. Wir danken Gott und sind froh im
Glauben, in der Solidarität
und der Freude, die unsere Völker
charakterisieren und die ihnen im Lauf der
Zeiten von ihren Vorfahren, von ihren Müttern
und Vätern, von Katechetinnen und Katecheten,
von Fürbitterinnen und Fürbittern, von so vielen
unbekannten Menschen
weitergegeben wurden. Ihrer aller Liebe hat die
Hoffnung inmitten von Unrecht und Ungemach
lebendig erhalten."
Dann wird die dramatische
gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation
beschreiben, auch die der Frauen: "(48) In
dieser Stunde Lateinamerikas und der Karibik ist
es dringend notwendig, sich darüber im Klaren zu
sein, wie sehr die Würde der Frauen gefährdet
ist. Einige werden bereits als Kinder und
Jugendliche vielfältigen Formen der Gewalt
innerhalb und außerhalb der Familie ausgesetzt:
durch Menschenhandel,Vergewaltigung,
Sklavenarbeit und sexuelle Belästigung; durch
ungleiche Bedingungen in Arbeitswelt, Politik
und Wirtschaft; bei der Ausbeutung durch Werbung
in vielen Kommunikationsmedien, die die Frauen
als gewinnträchtiges
Objekt benutzen."
Die wirtschaftliche
Entwicklung im Prozess der Globalisierung
fördert eher noch die Armut:"(62) Von der
Tendenz bestimmt, den Gewinn über alles zu
stellen und den Wettbewerb voranzutreiben,
verfolgt die Globalisierung eine Dynamik der
Konzentration von Macht und Reichtum in den
Händen weniger, und zwar nicht nur hinsichtlich
physischer und finanzieller Ressourcen, sondern
vor allem hinsichtlich der Information und der
menschlichen Ressourcen.Dadurch werden all jene
ausgeschlossen, die über keine ausreichende
Information und Bildung verfügen. Die
Chancenungleichheit, die unseren Kontinent so
schrecklich beherrscht und zahllose Menschen an
die Armut fesselt, wird noch größer.Armut
bedeutet heute Armut an Wissen und am Zugang zu
neuen Technologien und deren Einsatz. Deshalb
müssen sich die Unternehmer ihrer Verantwortung
stellen, in die Überwindung der neuen Armut zu
investieren und mehr Arbeitsplätze zu schaffen."
...Von der Tendenz bestimmt, den Gewinn über
alles zu stellen und den Wettbewerb
voranzutreiben, verfolgt die Globalisierung eine
Dynamik der Konzentration von Macht und Reichtum
in den Händen weniger, und zwar nicht nur
hinsichtlich physischer und finanzieller
Ressourcen, sondern vor allem hinsichtlich der
Information und der menschlichen Ressourcen.
Dadurch werden all jene ausgeschlossen, die über
keine ausreichende Information und Bildung
verfügen. Die Chancenungleichheit, die unseren
Kontinent so schrecklich beherrscht und zahllose
Menschen an die Armut fesselt, wird noch größer.
Armut bedeutet heute Armut an Wissen und am
Zugang zu neuen Technologien und deren Einsatz.
Deshalb müssen sich
die Unternehmer ihrer Verantwortung stellen, in
die Überwindung der neuen Armut zu investieren
und mehr Arbeitsplätze zu schaffen. ...(65) Das
müsste uns dazu bringen, die Antlitze jener
anzuschauen, die leiden. Zu ihnen gehören: die
indigenen und afroamerikanischen Gemeinschaften,
die vielfach weder in ihrer Würde anerkannt noch
mit gleichen Lebenschancen ausgestattet
werden; viele Frauen, die wegen ihres
Geschlechts, ihrer Rasse oder ihrer
wirtschaftlich-sozialen Lage aus der
Gesellschaft
ausgeschlossen werden; Jugendliche, die nur
unzureichend ausgebildet werden, keine
Gelegenheit haben, weiter zu studieren,
und auch keinen Zugang zum Arbeitsmarkt
erhalten, um sich zu entfalten und eine Familie
gründen zu können; viele Arme, Arbeitslose,
Migranten, Zwangsumgesiedelte, Bauern ohne Land,
die in der informellen Wirtschaft zu überleben
suchen; Jungen
und Mädchen, die der Kinderprostitution
ausgesetzt sind, die nicht selten mit dem
Sextourismus verbunden ist; aber auch die
Kinder, die Opfer von Abtreibungen wurden.
Millionen Menschen und Familien leben im Elend
und hungern sogar. Wir
sind auch besorgt um alle, die drogenabhängig
sind, um Menschen mit Behinderungen, Opfer und
Träger schwerer Krankheiten
wie Malaria, Tuberkulose, HIV / AIDS, die sich
vom Zusammenleben in Familie und Gesellschaft
ausgeschlossen
fühlen und an Einsamkeit leiden. Wir übersehen
auch nicht die Opfer von Entführungen, von
Gewalt und Terrorismus, die Opfer
bewaffneter Konflikte und der Unsicherheit in
den Städten. Auch die alten Menschen, die sich
nicht nur aus dem Produktionssystem
ausgeschlossen fühlen, sondern häufig auch von
ihren Familien als störend und lästig angesehen
werden. Schließlich
schmerzt uns die unmenschliche Lage, der die
meisten Gefangenen ausgesetzt sind. Auch sie
brauchen unsere solidarische
Zuwendung und unsere geschwisterliche Hilfe.
Eine Globalisierung ohne Solidarität wirkt sich
negativ auf die ärmsten
Schichten aus. Dabei geht es nicht allein um
Unterdrückung und Ausbeutung, sondern um etwas
Neues, um den gesellschaftlichen
Ausschluss. Durch ihn wird die Zugehörigkeit zur
Gesellschaft, in der man lebt, untergraben, denn
man lebt nicht
nur unten, oder am Rande bzw. ohne Einfluss,
sondern man steht draußen. Die Ausgeschlossenen
sind nicht nur „Ausgebeutete“,
sondern „Überflüssige“ und „menschlicher
Abfall“. (66) "Finanzinstitutionen und
transnationale Konzerne entwickeln
eine solche Macht, dass sie sich die jeweilige
lokale Wirtschaft untertan machen, vor allem
aber die Staaten schwächen,
die kaum noch die Macht haben,
Entwicklungsprojekte zugunsten ihrer
Bevölkerungen voranzubringen, insbesondere, wenn
es
sich um langfristige Investitionen handelt, die
keine unmittelbare Rendite erbringen."
(83) "Lateinamerika ist
der Kontinent der Erde mit der größten
Artenvielfalt und mit einer reichen
gesellschaftlichen Vielfalt in
seinen Völkern und Kulturen. Diese besitzen ein
großes Erbe an traditionellem Wissen über die
nachhaltige Nutzung der natürlichen
Ressourcen sowie über den medizinischen Wert von
Pflanzen und anderen Organismen, das vielfach
auch die
Grundlage ihrer Ökonomie bildet. Weil diese
Kenntnisse heute von pharmazeutischen und
biogenetischen Industrien patentiert
werden, macht man aus ihnen den Sachverhalt
unerlaubter geistiger Aneignung und bringt damit
die Pflanzenbauern und ihre
Familien, deren Überleben von diesen Ressourcen
abhängt, in Gefahr."
(88) "Die Indigenen bilden
die älteste Bevölkerung des Kontinents.Sie sind
die erste Wurzel lateinamerikanischer und
karibischer
Identität. Die Afroamerikaner bilden eine
weitere Wurzel, die aus Afrika ausgerissen
wurde, als man ihre Vorfahren
als afrikanische Sklaven hierher brachte. Die
dritte Wurzel ist die arme Bevölkerung aus
Europa, die bei ihrer Suche nach
besseren Lebensbedingungen seit dem 16.
Jahrhundert hierher kam, und der große
Immigrantenstrom aus aller Welt seit der
Mitte des 19. Jahrhunderts. Aus all diesen
Gruppen und ihren jeweiligen Kulturen entstand
das Mestizentum, das die gesellschaftlich-
kulturelle Basis unserer lateinamerikanischen
und karibischen Völker ausmacht, wie die 3.
Generalversammlung
des Lateinamerikanischen Episkopats von Puebla,
Mexiko, anerkannte."
Zur Situation der
missionarischen Kirche heute: "Die Bemühungen,
die Pastoral in den Pfarreien zu erneuern,
sind verstärkt worden, um mit Hilfe
verschiedener Methoden neuer Evangelisierung die
Begegnung mit dem
lebendigen Christus zu erleichtern, so dass die
Pfarrei zu einer Gemeinschaft von
evangelisierten und missionierenden
Gemeinschaften wird. Mancherorts lässt sich ein
Aufblühen von kirchlichen Basisgemeinden nach
den Kriterien
der vorangegangenen Generalversammlungen
feststellen, die in Verbundenheit mit den
Bischöfen und dem
kirchlichen Lehramt stehen. Zu würdigen ist auch
die Zunahme der kirchlichen Bewegungen und neuen
Gemeinschaften,
die ihr reiches Charisma, ihre Bildung und ihre
Evangelisierungsarbeit ausweiten. Man ist sich
der
Bedeutung der Pastoral für Familien, Kinder und
Jugendliche bewusst geworden.
Die kirchliche Soziallehre stellt einen
unschätzbaren Reichtum dar. Durch sie sind
Männer und Frauen aus dem
Laienstand zu Zeugnis und solidarischem Handeln
angeregt worden. Sie zeigen als wahre
Missionarinnen und
Missionare der Liebe ein wachsendes Interesse an
theologischer Fortbildung und sind tatkräftig
bemüht, die Welt
so zu verändern, wie Christus es will.
Zahlreiche Laieninitiativen in Gesellschaft,
Kultur, Wirtschaft und Politik
lassen sich heute von den bleibenden Prinzipien,
den Urteilskriterien und den Handlungsmaximen
inspirieren, die
aus der kirchlichen Soziallehre stammen..."
(100) "Trotz der positiven
Aspekte, die uns in der Hoffnung froh machen,
bemerken wir auch Schattenseiten, von denen wir
die
folgenden hier erwähnen:
a) Lateinamerika und die Karibik sind wegen
ihrer kirchlichen Dynamik und Kreativität von
großer Bedeutung für
die katholische Kirche, zumal 43 % aller
Gläubigen hier leben. Wir beobachten jedoch,
dass das prozentuale
Wachstum der Kirche nicht mit dem
Bevölkerungswachstum Schritt hält. Die Anzahl
der Kleriker und vor allem
der Ordensschwestern wird im Vergleich zum
Bevölkerungswachstum unserer Region immer
geringer. b) Wir beklagen Bestrebungen, zu einer
gewissen Art von Ekklesiologie und Spiritualität
zurückzukehren, die der Erneuerung durch das
Zweite Vatikanische Konzil widersprechen bzw.
die konziliare Erneuerung reduktionistisch
deuten und verwenden."
"Die unzureichende Zahl
der Priester und ihre ungleicheVerteilung haben
zur Folge, dass viele Gemeinden nicht
regelmäßig an der Feier der Eucharistie
teilnehmen können.Wenn wir bedenken, dass die
Eucharistie das Konstitutiv
der Kirche ist, sind wir um die vielen tausend
Gemeindenbesorgt, die über lange Zeit die
sonntägliche Eucharistiefeier
entbehren müssen. Hinzu kommt die geringe Anzahl
der Berufungen zum Priesteramt und zum
Ordensleben."
Zweiter Teil: Das Leben
Jesu Christi in den missionarischen Jüngern
Die Freude eine Jünger
Jesu zu sein führt zum Einsatz in der Nachfolge
des Herrb für die Evangelisierung aller
Lebensbereiche: "(103) Wir Jünger Jesu erkennen
in ihm den ersten und bedeutendsten Verkündiger
des Evangeliums, der von Gott gesandt worden ist
(vgl. Lk 4,44), aber zugleich, dass er das
Evangelium Gottes (vgl. Röm 1,3) ist. Wir
glauben und verkündigen „die Gute Nachricht von
Jesus, dem Messias, dem Sohn Gottes“ (Mk 1,1).
Als Kinder, die der Stimme des Vaters gehorchen,
wollen wir auf Jesus hören (vgl. Lk 9,35), weil
er allein der Meister ist (vgl. Mt 23,8). Als
seine Jünger wissen wir, dass seine Worte Geist
und Leben sind (vgl. Joh 6,63–68). In der Freude
des Glaubens verkünden wir als Missionare das
Evangelium Jesu Christi und in Ihm die Gute
Nachricht von der Würde des Menschen, des
Lebens, der Familie, der Arbeit, der
Wissenschaft und der Solidarität mit der
Schöpfung.
Eigens seien hier
aufgeführt die Würde des Menschen und der
Einsatz für die Umwelt: "(105) Wir loben Gott in
den Männern und Frauen Lateinamerikas und der
Karibik, die, durch ihren Glauben motiviert,
sich unentwegt eingesetzt haben, um die Würde
der Menschen, insbesondere der Armen und der an
den Rand Gedrängten, zu verteidigen. In ihrem
Zeugnis bis hin zur völligen Selbsthingabe
erstrahlt die Würde des Menschen." "(126) Die
beste Art und Weise, die Natur zu respektieren,
besteht
darin, eine humane und für die Transzendenz
offene Ökologie zu fördern, die mit Rücksicht
auf jeden einzelnen Menschen
und die Familien, die Umwelt und die Städte dem
Hinweis des Apostels Paulus folgt, alles in
Christus zusammenzufassen
und mit Ihm Gott zu loben (vgl. 1 Kor 3,21–23).
Der Herr hat die Welt für alle Menschen
geschaffen, für die jetzt
lebenden und die zukünftigen Generationen. Auch
wenn die Ressourcen immer begrenzter werden,
muss ihre Nutzung nach
gerechten Verteilungsprinzipien geregelt und zu
einer nachhaltigen Entwicklung verwendet
werden."
Wer in der Nachfolge lebt
ist aufgerufen im Geiste Jesu zu handeln:"(134)
Als Jünger und Missionare sind wir dazu berufen,
unseren
Glauben immer intensiver zu leben und zu
verkündigen, dass Christus die Menschheit von
allen Sünden und allem Bösen
erlöst hat „in dem paradoxesten Gesichtspunkt
seines Geheimnisses, der Stunde am Kreuz. Der
Schrei Jesu: ‚Mein Gott, mein
Gott, warum hast du mich verlassen?’ (Mk 15,34)
[...] verrät nicht die Angst eines
Verzweifelten, sondern das Gebet des
Sohnes, der sein Leben dem Vater in Liebe
darbringt, um allen das Heil zu bringen“ "(135)
Wenn wir seinem Ruf entsprechen wollen, müssen
wir in die Dynamik des barmherzigen Samariters
(vgl. Lk 10,29–37) eintreten. Sie verpflichtet
uns, vornehmlich für alle Leidenden Nächste zu
werden und eine Gesellschaft ohne
Ausgeschlossene zu gestalten, indem wir so
handeln wie Jesus, der mit Zöllnern und Sündern
isst (vgl. Lk 5,29–32), die Kleinen und Kinder
zu sich kommen lässt (vgl. Mk 10,13–16), die
Aussätzigen heilt
(vgl. Mk 1,40–45), die Sünderin befreit und ihr
vergibt (vgl. Lk7,36–49; Joh 8,1–11), mit der
Samariterin spricht (vgl. Joh 4,1–26)."
In der Kraft des Heilgen
Geistes erfüllen wir das Gebot der Liebe: "Der
Heilige Geist macht uns eins mit Jesus, dem
Leben,
so dass wir uns sein Gebot der Liebe zu Eigen
machen und uns dafür einsetzen, dass andere „in
ihm das Leben haben“.
(138) Um wahrhaft dem Meister ähnlich zu werden,
muss man das Liebesgebot, das er sein eigenes
nannte und als neu bezeichnete,
über alles stellen: „Liebt einander, so wie ich
euch geliebt habe“ (Joh 15,12). Diese Liebe mit
völliger Selbsthin95
gabe nach dem Maße Jesu kennzeichnet einerseits
jeden einzelnen Christen, muss aber darüber
hinaus auch das Kennzeichen
seiner Kirche sein, der Jüngergemeinde Christi,
deren Zeugnis geschwisterlicher Liebe die erste
und wichtigste Verkündigung
ausmacht: „Daran werden alle erkennen, dass ihr
meine Jünger seid“ (Joh 13,35)."
Christen haben den
Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden: "(144)
Als er die Seinen ruft, damit sie ihm folgen,
gibt er ihnen
den eindeutigen Auftrag, das Evangelium vom
Reiche Gottes allen Völkern zu verkünden (vgl.
Mt 28,19; Lk 24,46–48). Deshalb
ist jeder Jünger auch ein Missionar; denn Jesus
bindet ihn als Freund und Bruder an sich und
lässt ihn zugleich an seiner
Sendung teilhaben. So wie Jesus Zeuge für das
Geheimnis des Vaters ist, so sind die
Jünger Zeugen für den Tod und die Auferstehung
des Herrn, bis er wiederkommt. Diesem Auftrag
nachzukommen, ist keine Sache der Wahl, sondern
gehört wesentlich
zur Identität des Christen, denn die Berufung
umfasst auch die Weitergabe durch das Zeugnis."
"(147) Jesus suchte die Begegnung mit Menschen
in verschiedensten Lebenssituationen, Männer und
Frauen, Arme und Reiche, Juden und Ausländer,
Gerechte und Sünder ... Sie alle lud er ein, ihm
nachzufolgen. Auch heute lädt er dazu ein, in
der Begegnung mit ihm die Liebe des Vaters zu
erfahren. Eben deshalb müssen missionarische
Jünger Männer bzw. Frauen sein, welche die
barmherzige Liebe des Vaters vor allem für die
Armen und die Sünder erfahrbar machen."
Die Kirche ist ein
vielgestaltiges Gebilde zu der die Jünger Jesu
gehören. Neben der Gesamtkirche,Diözese und
Pfarrei werden vor allem die Basisgemeinschaften
genannt: "(178) In der kirchlichen Praxis
einiger Kirchen Lateinamerikas und der Karibik
waren die Basisgemeinden Schulen der Ausbildung
von Christen, die sich als Jünger und Missionare
des Herrn engagiert für ihren Glauben eingesetzt
haben. Viele ihrer Mitglieder haben sogar ihr
Leben dafür hingegeben. Sie stehen damit in der
Tradition der ersten christlichen Gemeinden, wie
sie in der Apostelgeschichte beschrieben wird
(vgl. Apg 2,42–47). Medellín anerkannte sie als
Keimzellen kirchlicher Strukturierung und als
Knotenpunkte von Glauben und Evangelisierung. 88
Puebla stellte fest, dass die kleinen
Gemeinschaften, insbesondere die Basisgemeinden,
es dem Volk leichter machten, das Wort Gottes
besser kennen zu lernen, sich im Namen des
Evangeliums gesellschaftlich zu engagieren, neue
Laiendienste zu entwickeln und Erwachsene im
Glauben weiterzubilden."
Dann werden die
verschiedenen Dienste und Ämter in ihrer
Aufgabenstellung für die Missionierung genannt
dabei auch die Laien: "(209) Die gläubigen Laien
sind „die Christgläubigen, die, durch die Taufe
Christus einverleibt, zum Volk Gottes gemacht
und
des priesterlichen, prophetischen und
königlichen Amtes Christi auf ihre Weise
teilhaftig, zu ihrem Teil die Sendung des ganzen
christlichen Volkes in der Kirche und in der
Welt ausüben“ Sie sind „Menschen der Kirche im
Herzen der Welt und Menschen
der Welt im Herzen der Kirche“. "(210) Ihre
spezifische Mission geschieht in der Welt, wo
sie mit ihrem Zeugnis und mit ihrem Handeln zu
einer Veränderung der Realität und zur Schaffung
von gerechten Strukturen entsprechend
den Kriterien des Evangeliums beitragen. „Das
eigentliche Feld ihrer evangelisierenden
Tätigkeit ist die weite
und schwierige Welt der Politik, des Sozialen
und der Wirtschaft, aber auch der Kultur, der
Wissenschaften und Künste,
des internationalen Lebens und der Massenmedien,
ebenso gewisse Wirklichkeiten, die der
Evangelisierung offen stehen, wie
Liebe, Familie, Kinder- und Jugenderziehung,
Berufsarbeit, Leiden usw. Außerdem ist es ihre
Aufgabe, den Glauben,
den sie bekennen, durch ihre authentische und
überzeugende Haltung glaubwürdig zu machen."
"(215) Wir schätzen die wertvolle und wirksame
Arbeit der Pfarrgemeinderäte, der Diözesanräte
und der nationalen Vertretungen der gläubigen
Laien, weil sie die Gemeinschaft und
Mitbeteiligung innerhalb der Kirche und die
aktive Präsenz der Kirche in der Welt fördern.
Der Aufbau der Zivilgesellschaft im weitesten
Sinne und der Aufbau der Kirchlichkeit in den
Laien sind ein und dieselbe Bewegung.2
Wichtig ist vor allem auch
das Gespräch, mit denen, die die Kirche
verlassen haben, der interreligiöse Dialog, der
ökumenische Dialog und die Beziehung zum
Judentum. Dabei besteht vor allem die Beutung
der neuen kirchlichen Gemeinschaften im Blick: "
(233) In dieser neuen Etappe der Evangelisierung
möchten wir, dass der Dialog und die ökumenische
Zusammenarbeit zu neuen
gemeinschaftlichen Formen der Jüngerschaft und
Mission führen. Wir stellen fest, dass dort, wo
der Dialog stattfindet,
weniger Proselytenmacherei herrscht, dass das
Wissen umeinander und die gegenseitige
Respektierung zunehmen und sich
Möglichkeiten gemeinsamen Zeugnisses eröffnen."
Wichtig für die Wegweisung
der Jünger ist vor allem die Begegnung mit
Christus, über Maria in der Volksfrömmigkeit und
im Wort
und und den Sakramenten, Für die Jünger
bedarf es einer umfassenden Bildung, die
fortdauern ist in allen Bereichen, von den
Priesterseminaren über die Pfarreien bis zu den
Schulen und Universitäten: "(297) Die
Herausforderungen der gesellschaftlichen
Situation in Lateinamerika und der Karibik
verlangen eine stärker gefestigte Identität der
einzelnen Katholiken. Diese Identität kann durch
eine Katechese bestärkt werden, die angemessen
die Verbundenheit der Einzelnen und der
Gemeinschaft mit Christus fördert, besonders bei
denjenigen, die im Glauben noch nicht gefestigt
sind.168 Diese Aufgabe stellt sich der gesamten
Gemeinschaft der Jünger, ganz speziell jedoch
uns Bischöfen, die wir berufen sind, der Kirche
zu dienen, sie zu behüten, zur Begegnung mit
Christus zu führen und sie zu lehren, alles zu
befolgen, was er uns geboten hat (vgl. Mt.
28,19–20)."
Dritter Teil, Das Leben
Jesu Christi für unsere Völker
Christen müssen das neue
Leben erfahren und weiter geben. Sie leisten
damit einen Dienst am Leben. Es geht um die
Fülle des Lebens für alle. Dazu bedarf es einer
pastoralen Umkehr und Erneuerung und des
entschlossenen Handelns aller: "(365) Die feste
Entschlossenheit zum missionarischen Tun soll
alle kirchlichen Strukturen und alle
Pastoralpläne von Diözesen, Pfarreien,
Ordensgemeinschaften, Bewegungen und jeder
kirchlichen Institution durchdringen.
Ausnahmslos jede Gemeinschaft
sollte sich mit all ihren Kräften entschieden
auf den ständigen Prozess missionarischer
Erneuerung einlassen und die
morsch gewordenen Strukturen, die der Weitergabe
des Glaubens nicht mehr dienen, aufgeben."
Das reich Gottes muss
verkündet und damit menschliche Würde, soziale
Gerechtigkeit, die Würde des Menschen, gefördert
werden. Es gilt eine neue Sozialpastoral
aufzubauen, dazu gehört die Option für die
Armen: "(391) In den Kontext dieser umfassenden
Sorge um die Würde des Menschen gehört unser
Schmerz darüber, dass Millionen Männer und
Frauen aus Lateinamerika daran gehindert sind,
ein Leben führen zu können, das dieser Würde
entspricht. Die vorrangige Option für die Armen
gehört zu den charakteristischen Zügen unserer
Kirche in Lateinamerika und der Karibik.
Johannes Paul II. betonte, als er sich an
unseren Kontinent richtete: „Für die
amerikanischen Christen [bedeutet] die Umkehr
zum Evangelium, erneut alle Bereiche und
Dimensionen des eigenen Lebens, besonders aber
all das zu überprüfen, was das Sozialwesen
ausmacht und zur Erlangung des Allgemeinwohls
beiträgt.“
Es muss eine Globaliserung
der Solidarität und der internationalen
Gerchtigkeit geben: " 406...Verträge auf
Regierungsebene und andere Vereinbarungen zum
Freihandel aufmerksam prüfen. Wenn ein
lateinamerikanisches Land darin einbezogen ist,
muss die Kirche durch eine Bilanz aller auf dem
Spiel stehenden Faktoren effektivere Mittel und
Wege finden, um die verantwortlichen
Politiker und die öffentliche Meinung auf die
möglichen negativen Konsequenzen aufmerksam zu
machen, von denen meist die schutzlosesten und
schwächsten Bevölkerungskreise betroffen sind."
Aber auch zu den Menschen
die am Rande der Gesellschaft leben, müssen
Kontakte gesucht werden, zu Migranten, Kranken,
Drogenabhängigen und Häftlingen: "(407) In den
Großstädten leben immer mehr Menschen auf der
Straße. Sie bedürfen seitens der Kirche
besonderer Betreuung, Zuwendung und Förderung,
um zum einen die für das tägliche
Leben notwendige Hilfe zu bekommen, und zum
anderen in Förderungs- und Beteiligungsprojekte
einbezogen zu werden, in
denen sie selbst den Prozess ihrer
gesellschaftlichen Wiedereingliederung
bestimmen. (408) Wir wollen die lokalen und
nationalen Regierungsstellen dazu drängen,
politische Maßnahmen zu ergreifen, die
einerseits diesen Menschen gerecht werden, sich
andererseits aber auch den Ursachen für die
Geißel eines solch elenden Lebens stellen, von
der Millionen Menschen in ganz Lateinamerika und
der Karibik betroffen sind. (409) Die vorrangige
Option für die Armen veranlasst uns als
Jünger und Missionare Jesu, neue, kreative
Antworten zu suchen auf die vielen Auswirkungen
der Armut. Die prekäre Lage
der Familien und die innerfamiliäre Gewalt
zwingen viele Jungen und Mädchen, auf der Straße
für das persönliche und familiäre
Überleben nach Einkünften zu suchen und dabei
ein hohes menschliches und moralisches Risiko
einzugehen."
Dann werden die
verschiedenen Lebensstände angesprochen wie Ehe
und Familie, Kinder, Jugendliche, die Würde der
Frau, die Verantwortung des Mannes und die
Verantwortung für die gesellschaftliche Kultur
und Umwelt: " (453) Wir beklagen, dass unzählige
Frauen aller Schichten in ihrer Würde missachtet
werden, dass sie oft allein und verlassen sind,
dass ihr selbstloses Opfer und ihre selbstlose
Großherzigkeit weder bei der Betreuung und
Erziehung ihrer Kinder noch bei der Weitergabe
des Glaubens in der Familie ausreichende
Anerkennung finden. Auch werden ihre
unverzichtbare Mitwirkung und ihr besonderer
Beitrag zum Aufbau eines humaneren
gesellschaftlichen Lebens und zum Aufbau der
Kirche nicht angemessen geschätzt und gefördert.
Die so dringliche Würdigung und Mitwirkung der
Frau wird zugleich von ideologischen Strömungen
verzerrt, die von der Kultur der Konsum- und
Spaßgesellschaften geprägt sind; sie bringen es
sogar fertig, die Frauen neuen Formen der
Sklaverei zu unterwerfen. Wir müssen
in Lateinamerika und der Karibik die machohafte
Mentalität hinter uns lassen, die nicht zur
Kenntnis nehmen will, was das
Neuartige am Christentum ist: dass es „gleiche
Würde und Verantwortung der Frau wie des Mannes"
" anerkennt und verkündet.(454) In dieser Stunde
Lateinamerikas und der Karibik muss dringend die
so oft zum Schweigen gebrachte Klage der Frauen
Gehör finden, die in allen Lebensphasen den
verschiedensten Formen von gesellschaftlichem
Ausschluss und von Gewalt
unterworfen werden. Die von Armut betroffenen
Frauen, die indigenen und die
afrikanischstämmigen Frauen leiden unter
einer doppelten Marginalisierung. Es ist
dringend notwendig, dass alle Frauen ohne
Einschränkung am kirchlichen, familiären,
kulturellen, gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Leben teilhaben können, indem
Räume und Strukturen geschaffen werden, die eine
stärkere Einbeziehung ermöglichen."
Im nächsten Kapitel
"unsere Völker unsere Kultur" geht es um die
Evangelisierung der Kultur, die Bildung als
öffentliches Gut, die Pastoral der sozialen
Kommunikation, die Pastoral in der Stadt, die
Dienst der Einhielt unter den Völkern, um die
Integration der Indigenen und Afroamerikaner:
"(530) Als Jünger und Missionare im Dienst des
Lebens stehen wir den indigenen und
einheimischen Völkern bei, wenn sie ihre
Identität und ihre Selbstorganisation sichern,
wenn sie ihr Territorium schützen, wenn sie sich
zweisprachig interkulturell bilden und ihre
Rechte verteidigen. Wir verpflichten uns auch
dazu, durch Kommunikationsmittel und andere
Möglichkeiten der Meinungsbildung in der
Gesellschaft ein Bewusstsein für die indigene
Realität und ihre Werte zu schaffen. Ausgehend
von den Grundsätzen des Evangeliums verurteilen
wir Haltungen, die dem Leben in Fülle unserer
indigenen Völker entgegenstehen. Wir
verpflichten uns, das Werk der Evangelisierung
mit den Indigenen fortzusetzen und die
Lernprozesse im Bildungs- und Arbeitsbereich
sowie die damit verbundenen kulturellen
Veränderungen zu begleiten.
(531) Die Kirche wird wachsam sein angesichts
der Versuche, den katholischen Glauben aus den
indigenen Gemeinschaften
zu vertreiben. Das würde die Gemeinschaften
gegen den Ansturm der Ideologien bzw. einiger
entfremdender Gruppen
wehrlos und orientierungslos machen und das Wohl
dieser Gemeinschaften untergraben."
Dann werden Wege zur
Versöhnung und Solidarität angesprochen: "(535)
Es ist notwendig, unsere Völker alle Gesten,
Werke und
Wege der Versöhnung und sozialen Freundschaft,
der Kooperation und Integration zu lehren und
diese zu favorisieren. Die
Gemeinschaft, die wir durch die versöhnende
Hingabe des Blutes Christi bereits erlangt
haben, gibt uns die Kraft, Brücken zu
bauen, die Wahrheit zu verkünden, die Wunden zu
heilen. Die Versöhnung ist die Mitte des
christlichen Lebens. Sie ist Gottes
eigene Initiative bei der Suche nach unserer
Freundschaft und zieht die notwendige Versöhnung
mit den Geschwistern nach
sich. Diese Versöhnung brauchen wir in den
verschiedenen Bereichen sowie in allen Ländern
und zwischen unseren Ländern.
Die geschwisterliche Versöhnung setzt die
Versöhnung mit Gott voraus, der einzigartigen
Quelle von Gnade und Vergebung.
Sie findet ihren Ausdruck und ihre
Verwirklichung im Sakrament der Buße, das Gott
uns durch die Kirche schenkt.
(536) Im Herzen und im Leben unserer Völker
pulsiert ein starker Sinn für Hoffnung, obwohl
die Lebensbedingungen jede
Hoffnung zu verwirren scheinen. Die Hoffnung
lebt und wächst immer dann, wenn das Geschenk
und die Zeichen des Lebens
miteinander geteilt werden. Sie drängt dazu, an
einer Zukunft in größerer Würde und
Gerechtigkeit mitzubauen, und sehnt sich
nach „dem neuen Himmel und der neuen Erde“, die
Gott für seine ewige Wohnung verheißen hat."
Schluss
Im Schlusskapitel wollen
die Bischöfe zur Umsetzung dieser Beschlüsse zu
einem großartigen missionarischen Impuls
aufrütteln: "(552) Lassen wir uns also vom Feuer
des Geistes wieder anstecken.„Hegen wir die
innige und tröstliche Freude der Verkündigung
des Evangeliums, selbst wenn wir unter Tränen
säen sollten. Es sei für uns – wie für Johannes
den Täufer, für Petrus
und Paulus, für die anderen Apostel und die
vielen, die sich in bewundernswerter Weise im
Lauf der Kirchengeschichte für die
Evangelisierung eingesetzt haben – ein innerer
Antrieb, den niemand und nichts ersticken kann.
Es sei die große Freude
unseres als Opfer dargebrachten Lebens. Die Welt
von heute, die sowohl in Angst wie in Hoffnung
auf der Suche ist, möge
die Frohbotschaft nicht aus dem Munde trauriger
und mutlos gemachter Verkünder hören, die keine
Geduld haben und ängstlich
sind, sondern von Dienern des Evangeliums, deren
Leben voller Glut erstrahlt, die als Erste die
Freude Christi in sich aufgenommen
haben und die entschlossen sind, ihr Leben
einzusetzen, damit das Reich Gottes verkündet
und die Kirche in das
Herz der Welt eingepflanzt werde“ "292.
Lasst uns wieder mit der Courage und Kühnheit
der Apostel beginnen."