Erlaßjahr 2000, Katholische SozialLehre,
Autor: Ernst Leuninger

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Katholische
SozialLehre
Catholic Social Teaching
Autor: Ernst Leuninger |
Thema
der Seite: Erlaßjahr 2000
Bündnis "erlassjahr.de - Entwicklung braucht
Entschuldung" |
Weiterer Inhalt Erlaßjahr 2000
Entschuldung muss weitergehen:
Bündnis "erlassjahr -
Entwicklung braucht
Entschuldung" gegründet
Vom 11.-13. Mai 2001 fand im Franz Hitze-Haus in Münster die letzte Mitträgerversammlung
der Kampagne "Erlaßjahr 2000 -
Entwicklung braucht Entschuldung" statt. Zugleich wurde das Nachfolgebündnis zur
Fortsetzung der Entschuldungsarbeit
"erlassjahr.de - Entwicklung braucht Entschuldung" gegründet. Nach Ansicht der
anwesenden Vertreterinnen und Vertreter von über
100 Nichtregierungsorganisationen, Kirchen, Hilfswerken, Missionswerken und
Eine-Welt-Gruppen muss die Entschuldung
weitergehen.
Ein Blick in die Geschichte
Am Freitagabend wurde Rückblick auf dreieinhalb Jahre Kampagnenarbeit gehalten. Ende 1996
hatten sich ebenfalls im
Franz-Hitze-Haus in Münster ca. 10 Personen aus dem Umkreis des damaligen
Initiativkreises "Entwicklung braucht Entschuldung"
zum erstenmal getroffen. Es wurde überlegt, ob es gelingen könnte die Entschuldung der
armen Länder zum Thema einer breit
angelegten öffentlichen und politisch wirksamen Kampagne zu machen. Inspiriert wurde die
Idee von ähnlichen Entwicklungen in
anderen Ländern, z. B. der Gründung von "Jubilee 2000" in Großbritanien.
Anknüpfungspunkt waren das alttestamentliche Erlassjahr
und die bevorstehende Jahrtausendwende. Über den Zeitraum eines Jahres wurde eine
Kampagnenplattform diskutiert und erarbeitet.
Im September 1997 war es dann soweit. Die Idee wurde auf den Weg gebracht. In Wuppertal
wurde die Kampagne "Erlaßjahr
2000 - Entwicklung braucht Entschuldung" von Vertreterinnen und Vertreter von etwa 50
Organisationen ins Leben gerufen - und die
Geschichte nahm ihren Lauf.
Thema war kampagnenfähig
Damals ahnte niemand, das dies der Startschuss für eine der breitesten und
erfolgreichsten entwicklungspolitischen Kampagnen in den
letzten Jahren sein würde. Viele waren skeptisch und meinten, dass ein solch abstraktes
wirtschaftliches Thema nicht kampagnenfähig
sei. Doch sie haben sich getäuscht: Bis zum Jahr 2000 sind über 2000 Organisationen
Mitträger der Kampagne geworden. Weltweit
sind inzwischen 24 Millionen Unterschriften für die Entschuldung der armen Länder
gesammelt worden. In seinem Schlusswort
würdigte der frühere Entwicklungshilfeminister und Schirmherr von "Erlaßjahr
2000" Dr. Erhard Eppler die Arbeit der Kampagne. Er
bescheinigte ihr eine hohe fachliche und politische Kompetenz und Klarheit, die wesentlich
zum Erfolg beigetragen habe. Auch wenn
nicht alle Ziele erreicht worden seien, so habe man doch viel erreicht, gemessen an dem,
was sonst in der Politik möglich sei. Für die
weitere Arbeit wünschte er der Nachfolgestruktur Mut, Hartnäckigkeit und einen langen
Atem. Er hoffe darauf, dass in Europa sich
eine Stimmung entwickele, die die zukünftige Entwicklung nicht allein den Kapitalmärkten
überlasse: "In eine solche Stimmung passt
die Arbeit ihres geplanten Bündnisses für Entschuldung gut hinein."
Warum ein neues Bündnis zur Entschuldung?
Des öfteren sind wir von Menschen aus Schwesterkampagnen aus dem Süden gefragt worden:
"Warum geht eure Kampagne in
Deutschland nur bis 2001? Glaubt ihr wirklich das für uns das Problem der Verschuldung
dann gelöst ist?"
Als die Kampagne "Erlaßjahr 2000" in Deutschland ins Leben gerufen wurde, war
klar, dass das Problem der Verschuldung der
armen Länder im Jahr 2001 nicht endgültig gelöst sein würde. Trotzdem war es wichtig
einen Punkt zu setzen und eine Auswertung
durchzuführen über das, was von den gesetzten Zielen erreicht wurde und was zu tun
bleibt. Aus dieser Auswertung ergab sich, dass
die Arbeit zu Entschuldung weitergehen muss. Im letzten halben Jahr hat der Kampagnerat
von "Erlaßjahr 2000" darüber beraten,
welche inhaltlichen Herausforderungen bevorstehen und wie die Strukturen eines
zukünftigen Netzwerkes zur Entschuldung
aussehen sollen.
Die inhaltlichen Herausforderungen:
1.Die Umsetzung der Entschuldungsinitiative für die ärmsten hochverschuldeten Länder
HIPC II (Heavily Indebted Poor
Coutries) soll überwacht und kritisch begleitet werden.
Die HIPC II-Initiative ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht ausreichend um
das Problem der Verschuldung dieser
Ländergruppe zu lösen. Des weiteren muss in den Ländern beobachtet werden, inwiefern
Schuldenerlasse tatsächlich der
Armutsbekämpfung zugute kommen und ob die Zivilgesellschaft an den Prozessen beteiligt
ist.
2.Die Einführung eines fairen und transparenten Schiedsgerichtes (internationales
Insolvenzverfahren) bei Schuldenverhandlungen
muss vorangetrieben werden.
Neben einem weitreichenden Schuldenerlass hatte "Erlaßjahr 2000" die
Einführung eines fairen und transparenten
Schiedsgerichtes bei Schuldenverhandlungen (Internationales Insolvenzverfahren) gefordert,
bei dem Schuldner und Gläubiger
gleichberechtigt miteinander verhandeln. Es ist gelungen das Thema in die politische
Diskussion zu bringen. Am 14. März fand
hierzu eine Anhörung mit Experten aus dem Umfeld der Kampagne im Deutschen Bundestag
statt. Von einer Einführung ist
man jedoch noch weit entfernt. Das Thema muss gemeinsam mit anderen internationalen
Entschuldungsnetzwerken aus Süd
und Nord auf die internationale politische Tagesordnung gebracht werden.
3.Mehr Länder müssen entschuldet werden.
Die Entschuldung kann nicht auf die Gruppe der 41 ärmsten hochverschuldeten Länder
(HIPC) beschränkt bleiben. Die
Verschuldung dieser Ländergruppe macht gerade mal ca.10% der gesamten
Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer
aus. Auch Länder wie Ecuador, Peru und Indonesien, die nicht zu dieser Ländergruppe
gehören, brauchen dringend
Entschuldungsmaßnahmen, die mit Armutsbekämpfung gekoppelt sein müssen.
4.Die Strukturanpassungsprogramme des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der
Weltbank müssen reformiert werden.
Seit Jahren fordern Nichtregierungsorganisationen eine Reform der orthodoxen
Strukturanpassungsprogramme des IWF und
der Weltbank, die wesentlich zur Verarmung der Bevölkerung in vielen Ländern beigetragen
haben. Jetzt sollen ökonomische
Strukturanpassung und Armutsbekämpfung miteinander verbunden werden. Hier gilt es genau
zu beobachten, ob tatsächlich
eine grundlegende Reform im Sinne einer umfassenden Armutsbekämpfung stattfindet, oder ob
Armutsbekämpfung nur als
Feigenblatt dient, um nach wie vor die orthodoxen neoliberalen Wirtschaftreformen
durchzusetzen.
5.Entschuldung muss im Zusammenhang der Entwicklung der internationalen Finanzmärkte, der
Handelspolitik und der
Entwicklungsfinanzierung gesehen werden.
Deutlich ist, das Entschuldung der armen Länder eine wichtige Vorrausetzung für eine
soziale, wirtschaftliche und nachhaltige
Entwicklung ist. Sie muss aber im Einklang mit einer Demokratisierung und Kontrolle der
internationalen Finanzmärkte, mit
Reformen der Handelspolitik zugunsten der Entwicklungsländer und einer Sicherstellung der
Entwicklungsfinanzierung
geschehen.
Wie sehen die Strukturen für die Weiterarbeit aus?
Die Weiterarbeit geschieht nicht in der Form einer Kampagne, sondern es wurde ein neues
Bündnis zur Entschuldung gegründet.
Das bedeutet, dass es in Zukunft weniger Kampagnenaktionen mit Massenbeteiligung und
Mobilisierung geben soll und die inhaltliche
Arbeit stärker im Vordergrund stehen wird. Trotzdem soll es auch zu bestimmten Anlässen
weiterhin Beteiligungsmöglichkeiten und
Aktionen der Basis geben. Das Bündnis wird ein Büro mit zweieinhalb hauptamtlichen
Kräften für Koordination und Verwaltung
haben. Das Institut SÜDWIND hat sich bereit erklärt, die Rechtsträgerschaft für das
neue Bündnis zu übernehmen und als
Ansiedlungsstelle für das Büro zur Verfügung zu stehen.
Die bisherigen Mitträgerorganisationen von "Erlaßjahr 2000" werden aufgerufen,
die Arbeit des neuen Bündnisses ideell und finanziell
weiterhin zu unterstützen. Fast 400 der bisherigen über 2000 Mitträger haben die
Bereitschaft erklärt, auch Mitträger des neuen
Bündnisses zu werden. Das Bündnis ist langfristig angelegt. Die Unterstützung wird
zunächst für drei Jahre erbeten.
Jährlich wird zu einer Mitträgerversammlung eingeladen, in der die politische Richtung
des Bündnisses beraten wird. Die
Bündnisversammlung bestellt einen Bündnisrat aus 16 Personen, in dem die politischen
Ziele konkretisiert werden und der Haushalt
des Bündnisses beschlossen wird. Im Bündnisrat sind Personen aus evangelischen und
katholischen Gruppen und Organisationen, aus
Nichtregierungsorganisationen und aus schuldenspezifischen Fachorganisationen und
Ländernetzwerken vertreten. Der Bündnisrat
wählt einen Lenkungskreis, der die Arbeit des Büros begleitet. Für die Arbeit in den
Regionen werden weiterhin
Regionalkoordinatoren als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Diese Struktur wurde von der Versammlung in Münster verabschiedet. Der neu bestellte
Bündnisrat nimmt jetzt seine Arbeit auf. Der
Erfolg des neuen Bündnisses wird vor allem davon abhängen, ob es gelingt die ideelle und
finanzielle Unterstützung einer breiten
Mitträgerschaft zu gewinnen. Der wichtigste Grundstein für den Erfolg der Kampagne
"Erlaßjahr 2000" war das Engagement der über
2000 Mitträgerorganisationen und der Menschen, die dahinter standen. Das neue Bündnis
"erlassjahr.de - Entwicklung braucht
Entschuldung" hofft, dass möglichst viele dabei bleiben und neue hinzukommen.
Wilson Budde-Iser
Weitere Informationen zur Kampagne "Erlaßjahr 2000" und zum neu gegründeten
Bündnis "erlassjahr.de, Entwicklung braucht
Entschuldung" erhalten Sie bei Friedel Hütz-Adams im Kampagnenbüro unter: Tel.
02241-591 226, Fax 02241-591 227, E-Mail:
buero@erlassjahr2000.de. Oder im Internet unter www.erlassjahr2000.de
Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Limburg schließt sich dem Erlaßjahr 2000 an
Vortrag zum Thema
Eine besondere Aktivität ist die Aktion "Erlaßjahr 2000". Das Jahr 2000
soll im Sinne des biblischen Jubeljahres zu einem Erlaßjahr für die überschuldeten
Länder der Dritten Welt werden. Die Schuldenlast betrug 1980 616 und 1996 2177
Milliarden Dollar. Durch Rückzahlungen und Zinsen ist bisher mehr an die
Gläubigerländer gegangen, als von diesen ursprünglich ausgeliehen wurde. Die armen
Länder sind durch diese Schulden immer mehr in den sozialen und wirtschaftlichen
Würgegriff gekommen. Die Aktion "Erlaßjahr 2000" strebt einen gezielten
Schuldenerlaß für diese Länder an, der sich in seiner Begründung auf das biblische
Jubeljahr beruft.
Der Diözesanvorstand hat sich in seiner Sitzung vom 26.11.98 auf Vorschlag des
Diözesausschusses dieser Aktion, wie auch die Diösezesanversammlung, das Bistum, das
Diözesanbildungswerk und andere, angeschlossen. Der Beschluß beinhaltet:
- Die KAB im Bistum wird Mittträger dieser Aktion
- Die KAB-Verbandsschulung vom 5. - 7. März 1999 wird unter diesem Thema stehen
Der Vorstand empfiehlt den Ortsvereinen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen,
Unterschriften für den Appell zum Erlaßjahr zu sammeln und -möglichst -auch mit anderen
Förderern in der Pfarrei und ggf. auch ökumenisch- örtliche Veranstaltungen zum Thema
durchzuführen.
- Kamphaus: Schuldenkrise noch nicht gelöst
- Erlaßjahr Homepage
dort erhalten Sie Materialien
- Erlaßjahr im Bistum
Limburg
Beim Bischöflichen Ordinariat Referat Weltkirche PF 1355 65533 Limburg (Fax 064317
295236) können Sie eine ökumenische Referentenliste für Rhein/Main anfordern
- Vortrag
- Leviticus 25,10-23
Leviticus
10 Erklärt dieses fünfzigste Jahr für heilig, und ruft Freiheit für alle Bewohner
des Landes aus! Es gelte euch als Jubeljahr. Jeder von euch soll zu seinem Grundbesitz
zurückkehren, jeder soll zu seiner Sippe heimkehren. 11 Dieses fünfzigste Jahr gelte
euch als Jubeljahr. Ihr sollt nicht säen, den Nachwuchs nicht abernten, die
unbeschnittenen Weinstöcke nicht lesen. 12 Denn es ist ein Jubeljahr, es soll euch als
heilig gelten. Vom Feld weg sollt ihr den Ertrag essen.
13 In diesem Jubeljahr soll jeder von euch zu seinem Besitz zurückkehren. 14 Wenn du
deinem Stammesgenossen etwas verkaufst oder von ihm etwas kaufst, sollt ihr einander nicht
übervorteilen. 15 Kaufst du von deinem Stammesgenossen, so berücksichtige die Zahl der
Jahre nach dem Jubeljahr; verkauft er dir, dann soll er die noch ausstehenden Ertragsjahre
berücksichtigen. 16 Je höher die Anzahl der Jahre, desto höher berechne den Kaufpreis;
je geringer die Anzahl der Jahre, desto weniger verlang von ihm; denn es ist die Zahl von
Ernteerträgen, die er dir verkauft.
17 Ihr sollt einander nicht übervorteilen. Fürchte deinen Gott; denn ich bin der
Herr, euer Gott. 18 Ihr sollt meine Satzungen befolgen und auf meine Vorschriften achten
und sie ausführen; dann werdet ihr im Land in Sicherheit wohnen. 19 Das Land wird seine
Frucht geben, ihr werdet euch satt essen und in Sicherheit darin wohnen. 20 Wenn ihr aber
fragt: Was sollen wir im siebten Jahr essen, wenn wir nicht säen und unseren Ertrag nicht
ernten dürfen? 21 Seht, ich werde für euch im sechsten Jahr meinen Segen aufbieten, und
er wird den Ertrag für drei Jahre geben. 22 Wenn ihr im achten Jahr sät, werdet ihr noch
bis zum neunten Jahr vom alten Ertrag essen können; bis der Ertrag dieses Jahres kommt,
werdet ihr vom alten essen können.
23 Das Land darf nicht endgültig verkauft werden; denn das Land gehört mir, und ihr
seid nur Fremde und Halbbürger bei mir.
Kamphaus: Schuldenkrise noch nicht gelöst
Limburger Bischof fordert internationales Insolvenzrecht MÜLHEIM (ul).-
Der Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, hat die deutsche Kampagne "Erlassjahr
2000" dazu aufgerufen, in ihrem Engagement für eine Entschuldung der ärmsten
Entwicklungsländer nicht nachzulassen. Mit dem Kölner Weltwirtschaftstreffen sei die
Schuldenkrise in den betroffenen Ländern noch nicht gelöst, unterstrich Kamphaus am
Mittwoch, 26. August, in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg in Mülheim. Für einen
radikalen Neuanfang reichten die vereinbarten Beschlüsse bei weitem nicht aus. Sorgen
bereite ihm angesichts der Spardiskussion hierzulande, dass die Finanzierung der
Schuldeninitiative noch nicht gesichert sei. "Ob die Kölner Beschlüsse nur ein
billiger Medienerfolg waren oder ein wichtiger Baustein zu einer tragfähigen Lösung der
Schuldenkrise, wird sich letztlich im zähen Ringen um die Details entscheiden", so
Kamphaus. Deshalb werde die "Erlassjahr-Kampagne" die Umsetzung der Ergebnisse
mit kritischer Aufmerksamkeit begleiten und wo nötig auf weitere Schritte drängen.
Kritik äußerte der Bischof an dem nach wie vor "unzulänglichen
Schuldenmanagement". Der mit den Gläubigern vereinbarte Schuldendienst sei vielen
Ländern nicht zumutbar, betonte er. Als "angemessen" könne nur ein
Schuldendienst bezeichnet werden, so Kamphaus weiter, der entwicklungsverträglich sei und
die sozioökonomische Entwicklung eines Landes nicht behindere. Ziel der
Erlassjahr-Kampagne sei nicht einfach die Streichung der Schulden gewesen. "Dies
wäre blauäugig, käme nur der herrschenden Klasse im Staate zugute und nicht den
Armen", so Kamphaus. Zur Vereinbarung des Schuldenerlasses gehöre es auch, dass ein
Teil dieser gesparten Gelder über sogenannte Gegenwertfonds zugunsten der Armen
eingesetzt werden müsse.
Nachdrücklich forderte der Bischof ein internationales Insolvenzrecht "im Sinne
eines fairen Interessenausgleichs zwischen Schuldnern und Gläubigern". Bei dieser
Forderung gehe es der Entschuldungsinitiative um nicht mehr als die Übertragung des
nationalen Konkursrechts auf die internationale Ebene. Kamphaus. "Jemandem der
bankrott ist, darf nicht die Grundlage für eine menschenwürdige Existenz entzogen
werden. Warum soll zwischen Gläubiger und Schuldnerstaaten nicht gelten, was in den
einzelnen Staaten recht und billig ist?"
(Text und übernommen von der Pressestelle Bistum Essen)
Dr. Ernst Leuninger 10.04.00
Erlaßjahr 2000 - Entwicklung braucht Entschuldung
- Internationale Kampagne für einen Schuldenerlaß zugunsten der armen Staaten -
1. Eine Idee wird auf den Weg gebracht
Mitte September 1997 wurde während einer Tagung in Wuppertal die Gründung der
Kampagne "Erlaßjahr 2000 - Entwicklung braucht Entschuldung" beschlossen. Die
mehr als 50 anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hilfswerken,
entwicklungspolitischen Initiativen und kirchlichen Verbänden verlangen eine umfassende
und endgültige Lösung der Schuldenkrise. Sie forderten die Durchsetzung von zwei
Hauptpunkten: "Einen weitreichenden Schuldenerlaß für die armen Länder der Erde im
Jahr 2000", sowie: "Die völkerrechtlich verbindliche Neugestaltung
internationaler Finanzbeziehungen im Sinne eines fairen Interessenausgleichs zwischen
Schuldnern und Gläubigern (Internationales Insolvenzrecht)". beschreibt
detailliert, wie beide Ziele bis zur Jahrtausendwende erreicht werden können.
2. Situation der Verschuldung, Gründe und Folgen
Zur Situation
1980 hatten die Entwicklungsländer 603 Milliarden US-$ Schulden, 1997 waren es schon
2171 Milliarden, also mehr als das Dreifache. Der Schuldendienst für die langfristigen
Schulden beträgt 238 Milliarden im Jahr. Die meisten Schuldenländer sind in
Lateinamerika und der Karibik mit 31%, gefolgt von Ostasien und Pazifik mit 23%, Europa
und Zentralasien mit 18% und Subsahra-Afrika mit 10%.
- Bilateral: 39%
- Multilateral (IWF und Weltbank durch Strukturanpassungsprogramme.) 37.%
- Banken: 24%
Hier geht es vor allem um 1, aber auch um 2. Die Banken haben eigenen Wege, die aber
über ein Insolvenzrecht geklärt werden müssten. Manchmal haben sie Schulden bei sich
wertbereinigt, fordern aber noch den Schuldendienst ein.
Wer von den hochverschuldeten armen Ländern entschuldet werden will muss
Gesamtschulden haben, die über 200-250% der Exporterlöse liegen und der Schuldendienst
über 20-25% der Exporterlöse liegt. Das pro-Kopf-Einkommen darf 785$ nicht
überschreiten (Etwa 120 DM im Monat, in der Bundesrepublik Deutschland etwa 2500 pro
Monat, Menschen unterer Einkommensschichten müssen in den armen Ländern oft mit einer
Mark und weniger am Tag auskommen).
Bis dahin sind Schulden tragfähig. Im Londoner Schuldenabkommen hielt man für die
Bundesrepublik einen Satz von im Schnitt 1,6% der Exporterlöse für den Schuldendienst
für tragfähig.
Die Bundesrepublik hat insgesamt 59,8 Mrd DM Forderungen davon an HIPC-Länder 15,5
Mrd.
2.2 Wer ist Schuld an den Schulden? - Eine Vorbemerkung
Oft wird darüber gestritten, wo die Schuld für die Schuldenkrise zu suchen ist: Sind
die für viele Entwicklungsländer ungünstigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen die
Hauptursache der Krise?
Oder haben die Regierungen innerhalb ihre Länder schlecht gewirtschaftet und die
Probleme selbst verursacht?
Haben Banken und Staaten als Kreditgeber eine große Mitschuld, da sie oft wider
besseres Wissen Kredite an korrupte Diktatoren vergaben?
Oder haben die Regierenden in den Schuldnerländer die Kredite und die Kreditgeber nur
betrügerisch ausgenutzt, um selbst reich zu werden und das Geld ins Ausland zu schaffen?
Eines jedoch sollte nie vergessen werden: Egal, wer die Schulden gemacht hat und was
mit dem Geld geschehen ist: Es sind immer die Armen, die den größten Teil der Schulden
mit ihren Steuern abbezahlen müssen! Diese Armen sind es auch, die am stärksten unter
den Einsparungen leiden, zu denen Regierungen gezwungen sind, wenn sie zu hohe Schulden
begleichen müssen. Die Folgen sind in vielen Staaten Arbeitslosigkeit, der Zusammenbruch
von Kleinunternehmen, eine sinkende Lebenserwartung, steigende Kindersterblichkeit und der
Zusammenbruch der Gesundheits- und Bildungssysteme
2.3 Der Glaube an das unbegrenzte Wachstum
Mitte der sechziger Jahre glaubten viele Wirtschaftswissenschaftler und Politiker, daß
die Entwicklungsländer ihre Wirtschaft mit Hilfe von geliehenem Kapital sehr schnell
ausbauen könnten. Mit Hilfe der neu ausgebauten Wirtschaft sollten die
Entwicklungsländer ihre Exporte deutlich steigern. Mit den Einnahmen aus diesen Exporte
könnten sie dann binnen weniger Jahrzehnte alle Schulden abbezahlen - so die Theorie.
Doch die Hoffnungen der siebziger Jahre auf den schnellen Aufbau einer modernen Wirtschaft
auch in den Entwicklungsländern erwiesen sich meist als voreilig:
Die Wirtschaftskrise der siebziger und achtziger Jahre führte bei vielen der in
Entwicklungsländern produzierten Waren zu sinkenden Preisen und / oder geringeren
Abnahmemengen, da die Industrieländer ihre Importe senkten.
Die Industrieländer schirmen ihre Märkte gegen viele Produkte aus
Entwicklungsländern ab.
Während aufgrund dieser beiden Entwicklungen die Einnahmen vieler Entwicklungsländer
aus ihren Exporte deutlich sanken, stiegen in den achtziger Jahren vor allem durch die
kreditfinanzierte Aufrüstung der USA die Zinsen massiv an.
Es wurden auch sinnlose Dinge gebaut, die oftmals aufgrund von Korruption in Auftrag
gegeben wurden und von denen hauptsächlich die Zuliefererfirmen in den Industrieländern
profitierten.
Ein Teil der Kredite floß direkt in die Taschen von korrupten Regierungsangehörigen.
Ein Teil des Geldes für Waffenkäufe in den Industrieländern ausgegeben.
2.4 Vergabe von Krediten aus politischen Motiven
Eine der wichtigsten Ursachen der Überschuldung vieler Staaten hatte keine
ökonomischen Ursachen, sondern war ein Ergebnis politischer Vorgaben: Während des Kalten
Krieges sollten bestimmte Regime gestützt werden.
Dies gilt beispielsweise für den Zaire. Schon 1982 stellte ein Report des Internationalen
Währungsfonds fest, daß die Kredite an den Zaire zum größten Teil direkt auf die
Privatkonten des damaligen Präsidenten Mobutu flossen. Der Bericht nennt sogar Namen von
Banken, die das Geld ins Ausland transferierten, darunter auch die Deutsche Bank.
Dennoch erhielt Mobutu nach einer Aufstellung der Financial Times in den achtziger Jahren
Kredite in Höhe von rund 8,5 Milliarden US$: Als treuer Freund des Westens sollte Mobutu
während des Kalten Krieges an der Macht und bei Laune gehalten werden. Heute fordern die
die Kreditgeber von der neuen Regierung Zaires (heutiger Name: D.R. Kongo) die
Rückzahlung der Gelder.
Mobutu profitierte ebenso wie beispielsweise die Präsidenten Marcos (Philippinen), Moi
(Kenia, er amtiert immer noch) oder Suharto (Indonesien) vom Ost-West-Gegensatz während
des Kalten Krieges. Sie wurden mit Krediten unterstützt, egal was mit dem Geld geschah.
Heute wird nun von den Regierungen, die diese Kredite vergeben haben, darauf gedrängt,
man müsse wirtschaftlich an die Schuldenkrise herangehen und die betroffenen Menschen in
den Schuldnerländern sollten halt ihren Gürtel enger schnallen.
Gleiches passiert mit den Staaten, die aus dem Ostblock Geld, Waren und Waffen erhielten.
Auch hier leidet heute die Bevölkerung unter den Folgen der Politik längst abgesetzter
moskaufreundlicher Regierungen.
2.5 Externe Ursachen der Schuldenkrise
Seit Beginn der siebziger Jahre gab es mehrere Wirtschaftskrisen. Viele
Entwicklungsländer litten sehr stark unter diesen Krisen, da sie im Gegensatz zu den
Industrieländern über wenige oder gar keine Möglichkeiten verfügten, den entstehenden
Problemen auszuweichen. Wer einen großen Teil seiner Exporterlöse aus dem Verkauf von
beispielsweise Baumwolle, Kaffee, Tee oder Kupfer erwirtschaftet, kann nicht binnen
weniger Jahre auf neue Produkte "umsteigen".
Diese Probleme konnten von den Entwicklungsländern weder vorausgesehen noch gesteuert
werden. Daher werden sie als externe Ursachen der Verschuldung bezeichnet:
Die Ölpreissteigerungen von 1973 und 1979/80 führten zu einer drastischen Verteuerung
der Energieimporte der öl-importierenden Entwicklungsländern.
Anfang der achtziger Jahre stiegen durch die Hochzinspolitik in den Industrieländern
die Zinssätze auf den internationalen Kapitalmärkten stark an. Damit stiegen auch die
Zahlungen an, die die Schuldner auf alte Kredite zu variablen Zinsen oder auf neue Kredite
zu leisten hatten.
Die Industrieländern schirmten ihre Märkte weiterhin gegen Importe aus
Entwicklungsländern ab.
Die Preise für viele Rohstoffe sanken deutlich, so daß die Entwicklungsländer nun
wesentlich mehr Güter exportieren mußten, um auch nur die gleiche Menge Fertigprodukte
aus den Industrieländern zu kaufen, wie sie bislang bezogen (Verschlechterung der Terms
of Trade).
2.6 Interne Ursachen der Schuldenkrise
Neben den externen Ursachen für die Schuldenkrise gibt es auch noch eine Reihe von
Fehlern, die von einigen Regierungen der Entwicklungsländer bewußt oder unbewußt
gemacht wurden.
Zu diesen internen Ursachenfaktoren gehören:
In einigen Ländern wurden große Industrieprojekte finanziert, die nie so effektiv
arbeiteten, daß sie ohne Subventionen überleben konnten.
Mit Hilfe der Kredite wurden sinnlose Projekte finanziert, die oftmals aufgrund von
Korruption in Auftrag gegeben wurden und von den hauptsächlich die Zuliefererfirmen in
den Industrieländern profitierten.
Ein Teil der Kredite floß direkt in die Taschen von korrupten Regierungsangehörigen
und wurde von diesen auf ausländische Konten - vorwiegend in Europa - transferiert.
Ein Teil des Geldes wurde für Waffenkäufe in den Industrieländern ausgegeben und
konnte somit ebenfalls nicht gewinnbringend angelegt werden.
2. 7 Folgen der Schulden
Mosambik müßte 12 Jahre lang alle Einkünfte aus dem Verkauf seiner Exportgüter an
die Gläubiger überweisen, um seine Schulden abzubezahlen. Doch das Land kann natürlich
nicht 12 Jahreseinkommen für die Schulden aufwenden. Denn neben den Schulden müssen auch
noch dringend notwendige Importprodukte bezahlt werden: Medikamente, Nahrungsmittel,
Maschinen etc. Nach Abzug dieser notwendigen Ausgaben hat das Land in einigen Jahren nicht
einmal alle anfallenden Zinsen bezahlen könnenZwar ist Mosambik ein besonders drastisches
Beispiel. Doch viele Staaten sind in Höhe von mehreren Jahreseinkommen verschuldet. Und
diese Jahreseinkommen reichen im Grunde nicht einmal aus, um die notwendigsten Importe zu
bezahlen - geschweige, den größten Teil dieser Summe als Schuldendienst in die
Industrieländer zu überweisenDiese Staaten stecken in einer regelrechten Schuldenfalle:
Selbst wenn sie die Staatsausgaben so massiv senken, daß die sozialen Folgen für die
eigene Bevölkerung verheerend sind, haben sie keine Chance, die Schulden je
zurückzuzahlen. Da sie oftmals nicht einmal alle anfallenden Zinsen und fast immer nicht
die vollständigen Tilgungen bezahlen können, wachsen die Zahlungsrückstände. Und auf
alle Rückstände müssen wiederum Zinsen gezahlt werden.
2.8 Auswirkungen der Schuldenkrise auf den Norden
Schon zu Beginn der neunziger Jahre analysierte die Journalistin Susan George in einem
aufsehenerregenden Buch die Auswirkungen der Schuldenkrise auf die Industrienationen
- Der Zwang zur Erwirtschaftung von Devisen zur Begleichung der Schulden führt in vielen
Länder zu einer massiven Zerstörung der Umwelt, die weltweite Auswirkungen hat.
- Die Verarmung der Bevölkerung führt in vielen Ländern zur Ausdehnung der
Anbauflächen für Drogen.
- Der Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften in Entwicklungsländern zerstört
Absatzmärkte für hiesige Firmen.
- Der Verarmung verursacht die Zunahmen von Bürgerkriegen und Kriegen.
- Weltweite steigt die Zahl der Flüchtlinge, die der ausweglosen Situation in ihrer
Heimat zu entfliehen suchen
3. Sofortige Maßnahmen dringend erforderlich
Die an der Kampagne beteiligten Gruppen gehen davon aus, daß die Verschuldungskrise
bislang nicht gelöst wurde. Im Gegenteil: Die Lebenssituation der Menschen in vielen der
hoch verschuldeten Staaten hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert.
Umfassende Lösungsansätze wie etwa die Vorschläge des britischen Schatzkanzlers Brown
Ende September 1997 liegen zwar auf dem Tisch, sind jedoch unter den Gläubigern nicht
mehrheitsfähig. Brown fordert - ähnlich wie die Erlaßjahrkampagne - einen umgehenden
Schuldenerlaß für die armen Staaten, doch eine Reihe anderer Industrienationen wehrt
sich gegen diese Maßnahmen. Vor allem die deutsche Regierung erweist sich als Hardliner
und verhindert immer wieder die Streichung von bilateralen und multilateralen Schulden.
Dies ist um so bemerkenswerter, als gerade die Bundesrepublik 1953 von einem weitgehenden
Schuldenerlaß durch seine Gläubigerstaaten profitierte. Auch die Suche nach einer
Methode - etwa im Rahmen eines internationalen Insolvenzrechtes - zur Verhinderung
zukünftiger Schuldenkrisen wird von der Bundesregierung nicht unterstützt.
4. Theologischer Background
Leviticus 25,10-23
Leviticus
10 Erklärt dieses fünfzigste Jahr für heilig, und ruft Freiheit für alle Bewohner des
Landes aus! Es gelte euch als Jubeljahr. Jeder von euch soll zu seinem Grundbesitz
zurückkehren, jeder soll zu seiner Sippe heimkehren. 11 Dieses fünfzigste Jahr gelte
euch als Jubeljahr. Ihr sollt nicht säen, den Nachwuchs nicht abernten, die
unbeschnittenen Weinstöcke nicht lesen. 12 Denn es ist ein Jubeljahr, es soll euch als
heilig gelten. Vom Feld weg sollt ihr den Ertrag essen.
13 In diesem Jubeljahr soll jeder von euch zu seinem Besitz zurückkehren. 14 Wenn du
deinem Stammesgenossen etwas verkaufst oder von ihm etwas kaufst, sollt ihr einander nicht
übervorteilen. 15 Kaufst du von deinem Stammesgenossen, so berücksichtige die Zahl der
Jahre nach dem Jubeljahr; verkauft er dir, dann soll er die noch ausstehenden Ertragsjahre
berücksichtigen. 16 Je höher die Anzahl der Jahre, desto höher berechne den Kaufpreis;
je geringer die Anzahl der Jahre, desto weniger verlang von ihm; denn es ist die Zahl von
Ernteerträgen, die er dir verkauft.
17 Ihr sollt einander nicht übervorteilen. Fürchte deinen Gott; denn ich bin der Herr,
euer Gott. 18 Ihr sollt meine Satzungen befolgen und auf meine Vorschriften achten und sie
ausführen; dann werdet ihr im Land in Sicherheit wohnen. 19 Das Land wird seine Frucht
geben, ihr werdet euch satt essen und in Sicherheit darin wohnen. 20 Wenn ihr aber fragt:
Was sollen wir im siebten Jahr essen, wenn wir nicht säen und unseren Ertrag nicht ernten
dürfen? 21 Seht, ich werde für euch im sechsten Jahr meinen Segen aufbieten, und er wird
den Ertrag für drei Jahre geben. 22 Wenn ihr im achten Jahr sät, werdet ihr noch bis zum
neunten Jahr vom alten Ertrag essen können; bis der Ertrag dieses Jahres kommt, werdet
ihr vom alten essen können.
23 Das Land darf nicht endgültig verkauft werden; denn das Land gehört mir, und ihr seid
nur Fremde und Halbbürger bei mir.
Ob das Jubeljahr einmal stattgefunden hat ist fraglich. Es gehört darum, deutlich zu
machen, dass die Erde allen gehört und es eine ausgleichende Gerechtigkeit geben muß.
Das ist gutes biblisches Gedankengut.
5. Beispielland Sambia
Die Zeit drängt. Dies zeigt die Situation in den Schuldnerländern. Eines der Länder,
in denen die Bevölkerung massiv unter den Folgen der Schuldenkrise leidet, ist
beispielsweise Sambia. Das Land hatte Ende 1995 langfristige Auslandsschulden in Höhe von
5,091 Mrd. US-Dollar. Dabei unterwarf sich Sambia bereits Anfang der achtziger Jahre den
vom Internationalen Währungsfonds (IWF) verordneten Strukturanpassungsprogrammen. Der
sambische Bischof De Jong beschrieb bei einem Vortrag anläßlich der
Gründungsveranstaltung der deutschen Erlaßjahrkampagne begrenzte Erfolge dieser
Programme. So sei die Inflation von 200% im Jahr 1991 auf rund 23% für 1997 gesunken.
Erreicht worden sei auch ein ausgeglichener Staatshaushalt, eine schärfere Kontrolle der
Geldmenge sowie die Freigabe der Wechselkurse.
"Die gesamtwirtschaftlichen Verbesserungen wurden jedoch um einen hohen
menschlichen Preis erkauft. Von 1990 bis 1993 gab die sambische Regierung 37 Mio. US-$
für Grundschulbildung aus - gleichzeitig zahlte sie 1,3 Milliarden Dollar an
Schuldendienst. Zwischen 1985 und 1995 sank die Lebenserwartung bei Geburt von 52 Jahren
auf 48 Jahre. Im gleichen Zeitraum stieg die Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren
von 13,5% auf 20,3 % und die chronische Unterernährung bei unter 5-jährigen von 40% auf
53%. Nach Angaben der Weltbank leben bis zu 80% der Sambier in absoluter Armut."
Unterdessen stieg der Schuldenstand dennoch weiter an: Bei allen Anstrengungen reichten
die Rückzahlungen nicht einmal zur Bedienung der fälligen Tilgungsraten und Zinsen.
Die deutsche Regierung ist für Sambia in zweifacher Hinsicht ein bedeutender
Gläubiger: Zum einen war die Bundesrepublik am 31.12.1993 mit öffentlichen Forderungen
in Höhe von 1,189 Mrd. DM der größte Gläubiger des Landes (21 Prozent der Schulden).
Zum zweiten ist Deutschland bei den wichtigsten multilateralen Gläubigern, der Weltbank
und dem IWF, eines der maßgeblichen Mitgliedsländer. Würde sich die Bundesrepublik für
deutliche Schuldenreduzierungen einsetzen und mit den eigenen Außenständen den Anfang
machen, könnte dies den Menschen in Sambia entscheidend weiterhelfen.
6. 21 Millionen Kinder können gerettet werden
Was das Zögern der Bundesregierung und der anderen Industrienationen in der Frage
eines Schuldenerlasses für die Betroffenen bedeutet, läßt sich im "Bericht über
die menschliche Entwicklung" 1997 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen
(UNDP) nachlesen: "Die hoch verschuldeten armen Länder brauchen die
Schuldenerleichterung sofort und nicht irgendwann in der Zukunft. Eine spürbare
Erleichterung für die 20 am stärksten verschuldeten Länder würde zwischen 5,5 und 7,7
Milliarden Dollar kosten; dies ist weniger als der Preis eines einzigen Stealth-Bombers
oder ungefähr genausoviel wie der Bau des Vergnügungsparks Eurodisney in Frankreich
gekostet hat. Diese geringen finanziellen Kosten stehen in scharfem Gegensatz zu den
erschreckend hohen menschlichen Kosten weiterer Untätigkeit. Die Gruppe der Sieben (G7)
und die Bretton-Woods-Institutionen sollen sich das Ziel setzen, die Schuldenkrise der
ärmsten Länder bis zum Jahr 2000 zu lösen. Dies müßte jedoch von speziellen
Maßnahmen begleitet sein, um die Schuldenverringerung in eine Verringerung der Armut
umzuwandeln und die Prioritäten der betreffenden Länder auf die Ziele der menschlichen
Entwicklung auszurichten. Wenn die hochverschuldeten Länder von ihren jährlichen
Schuldenrückzahlungen befreit würden, könnten sie diese Mittel für Investitionen
einsetzen, die allein in Afrika bis zum Jahr 2000 das Leben von rund 21 Millionen Kindern
retten und 90 Millionen Mädchen und Frauen den Zugang zu elementarer Bildung sichern
könnten."
7. Britische Regierung geht in die richtige Richtung
Vor diesem Hintergrund ist es um so bedeutender, daß der britische Schatzkanzler
Brown, also einer der Finanzminister der wichtigsten Gläubigerstaaten, einen massiven
Schuldenerlaß fordert. Bei einem Treffen der Finanzminister der Commonwealth-Staaten
schlug er ein ganzes Bündel von konkreten Maßnahmen vor. Er regt in einem "Debt
2000" genannten Aktionsprogramm beispielsweise an, daß bis zur Jahrtausendwende für
mindestens 75 Prozent der armen Staaten das Verfahren zum vollständigen oder weitgehenden
Erlaß der Schulden dieser Länder beim Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und
anderen öffentlichen Gläubigern in Gang gesetzt worden sein soll. Dabei nimmt er
ausdrücklich die im sogenannten Pariser Club zusammengeschlossenen wichtigsten
Gläubigerländer, zu denen auch Deutschland gehört, in die Pflicht. Er fordert diese
auf, je nach Situation im Schuldnerland auch mehr zu erlassen als die bisher geltende
Höchstgrenze von 80 Prozent der Schulden.
Wie zu erwarten, wurden die Vorschläge Browns von den anderen Hauptgläubigerstaaten
abgelehnt. Deutschland spielt hier eine unrühmliche Vorreiterrolle bei der Verhinderung
von Maßnahmen zur Entschuldung der armen Staaten.
8. Die BRD wurde entschuldet
Dabei müßte gerade die Regierung der Bundesrepublik Deutschland sehr sensibel auf die
Forderungen nach einem Erlaß untragbarer Schulden reagieren. Auch das kriegszerstörte
Westdeutschland konnte in den Nachkriegsjahren seine Schulden nicht bedienen. Daher wurden
1953 in einer umfassenden Lösung alle Vorkriegs- und Nachkriegsschulden bei Staaten,
Privatbanken sowie aus Anleihen bei Privatanlegern in einem Vertrag geregelt.
Vertreter aus 20 Gläubigerstaaten, der Bank für internationalen Zahlungsausgleich
(BIZ) sowie private Gläubiger waren bereit, die Schulden Deutschland nach einer
Begutachtung der ökonomischen Leistungsfähigkeit des Landes, neu festzulegen.
In den "Richtlinien für die Ausarbeitung der Empfehlungen" für die Londoner
Konferenz heißt es, der Plan solle die allgemeine Wirtschaftslage der Bundesrepublik
berücksichtigen und "er darf weder die deutsche Wirtschaft durch unerwünschte
Auswirkungen auf die innere Finanzlage aus dem Gleichgewicht bringen noch vorhandene oder
künftige deutsche Devisenquellen über Gebühr in Anspruch nehmen". Ziel des
Vertrages sei, so ein Absatz des Schlußtextes, einen Beitrag zur Entwicklung einer
blühenden Völkergemeinschaft zu leisten.
Letztendlich wurden die Zinsen und Zinseszinsen - nach Schätzungen rund 14,6 Mrd. DM -
auf nicht mehr bediente Vorkriegsschulden bereits vorab weitgehend erlassen. Auch von der
verhandelten Summe der verbliebenen Vorkriegs- und Nachkriegsschulden in Höhe von 29,7
Mrd. DM wurden rund 50 Prozent erlassen. Die verbleibende Restschuld in Höhe von 14,45
Mrd. DM wurde zinsfrei bzw. zu niedrigen Zinsen (2,5 bzw. 4-5,5 %) umgeschuldet.
Die verbliebenen Schulden erwiesen sich als gut tragbar und ermöglichten eine solide
Finanzplanung. Die BRD wurde wieder zu einem berechenbaren Kreditnehmer auf den
internationalen Finanzmärkten und erhielt frisches Geld.
Diese Behandlung Deutschlands steht im starken Gegensatz zur Haltung der
Bundesregierung zu den heute verschuldeten Ländern. Dort folgt Bonn der zweifelhaften
Logik der internationalen Finanzinstitute, die eine Schuldendienstquote von jährlich
20-25 % der Exporterlöse für tragfähig und entwicklungsverträglich halten. Die
vorgesehenen Zahlungen für die BRD lagen dagegen bereits 1952 mit 3,35% weit unter dieser
Quote.
9. Dauerhafter Lösungsansatz: Insolvenzrecht
Kamphaus: Schuldenkrise noch nicht gelöst. Der Bischof von Limburg,
Franz Kamphaus, hat die deutsche Kampagne "Erlassjahr 2000" dazu aufgerufen, in
ihrem Engagement für eine Entschuldung der ärmsten Entwicklungsländer nicht
nachzulassen. Mit dem Kölner Weltwirtschaftstreffen sei die Schuldenkrise in den
betroffenen Ländern noch nicht gelöst, unterstrich Kamphaus am Mittwoch, 26. August, in
der Katholischen Akademie Die Wolfsburg in Mülheim. Für einen radikalen Neuanfang
reichten die vereinbarten Beschlüsse bei weitem nicht aus. Sorgen bereite ihm angesichts
der Spardiskussion hierzulande, dass die Finanzierung der Schuldeninitiative noch nicht
gesichert sei. "Ob die Kölner Beschlüsse nur ein billiger Medienerfolg waren oder
ein wichtiger Baustein zu einer tragfähigen Lösung der Schuldenkrise, wird sich
letztlich im zähen Ringen um die Details entscheiden", so Kamphaus. Deshalb werde
die "Erlassjahr-Kampagne" die Umsetzung der Ergebnisse mit kritischer
Aufmerksamkeit begleiten und wo nötig auf weitere Schritte drängen.
Kritik äußerte der Bischof an dem nach wie vor "unzulänglichen
Schuldenmanagement". Der mit den Gläubigern vereinbarte Schuldendienst sei vielen
Ländern nicht zumutbar, betonte er. Als "angemessen" könne nur ein
Schuldendienst bezeichnet werden, so Kamphaus weiter, der entwicklungsverträglich sei und
die sozioökonomische Entwicklung eines Landes nicht behindere. Ziel der
Erlassjahr-Kampagne sei nicht einfach die Streichung der Schulden gewesen. "Dies
wäre blauäugig, käme nur der herrschenden Klasse im Staate zugute und nicht den
Armen", so Kamphaus. Zur Vereinbarung des Schuldenerlasses gehöre es auch, dass ein
Teil dieser gesparten Gelder über sogenannte Gegenwertfonds zugunsten der Armen
eingesetzt werden müsse. Nachdrücklich forderte der Bischof ein internationales
Insolvenzrecht "im Sinne eines fairen Interessenausgleichs zwischen Schuldnern und
Gläubigern". Bei dieser Forderung gehe es der Entschuldungsinitiative um nicht mehr
als die Übertragung des nationalen Konkursrechts auf die internationale Ebene. Kamphaus.
"Jemandem der bankrott ist, darf nicht die Grundlage für eine menschenwürdige
Existenz entzogen werden. Warum soll zwischen Gläubiger und Schuldnerstaaten nicht
gelten, was in den einzelnen Staaten recht und billig ist?"
Um eine dauerhafte Lösung zu schaffen, müßten neben einer Entschuldung international
verbindliche Mechanismen entwickelt werden, die eine Wiederholung der Schuldenkrise
ausschließen. Als Vorbild für eine solche Regelung könnte das in den USA und - seit
1996 - in Ungarn geltende Insolvenzrecht für Gebietskörperschaften (Bundesländer,
Gemeindeverbände, Kommunen etc.) gelten. Diese müssen nur so viele Schulden
zurückzahlen, wie sie leisten können, ohne die für die Einwohner lebenswichtigen
Leistungen einschränken zu müssen.
Nationalstaatliche Schulden bestehen dagegen auch dann noch weiter, wenn das
betreffende Land schon lange nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen in
voller Höhe nachzukommen, ohne die eigene Bevölkerung massiv zu vernachlässigen.
Grundlegende Entscheidungen über das Schicksal von faktisch zahlungsunfähigen Staaten
werden derzeit in den multinationalen Gläubigergremien (Pariser Club, Londoner Club)
sowie in den internationalen Finanzinstitutionen, allen voran Weltbank und Internationaler
Währungsfonds, getroffen. Doch der IWF ist selbst ein großer Gläubiger und ist
mehrheitlich im Eigentum der Gläubigerstaaten. Durch diese Doppelrolle ist der IWF keine
neutrale Instanz. Vielmehr sind die internationalen Gläubiger in den gegenwärtigen
Verfahren (Pariser Club, Londoner Club) Kläger, Richter und Treuhänder in einer Person.
Dabei könnten bei einem internationalen, rechtlich abgesicherten und transparenten
Insolvenzverfahren die Interessen aller beteiligten Gruppen gewahrt bleiben. Die
Gläubiger können ihre Ansprüche rechtlich geltend machen und erhalten die für das
Schuldnerland ökonomisch tragbaren Zahlungen in einem einfacheren, fairen Verfahren. Wenn
das Insolvenzverfahren auch den Zugriff auf Fluchtgelder ermöglicht, erhöht sich die
Summe, die die Gläubiger zurückerstattet bekommen.
Die Schuldnerregierungen wären gleichberechtigte Verhandlungspartner und arbeiteten
gemeinsam mit den Gläubigern und unter Beteiligung der Bevölkerung, internationaler
Experten und Organisationen einen Rückzahlungsplan aus. Sie könnten ihre grundlegenden
Aufgaben wie Bildungs- und Gesundheitswesen, Umweltschutz und Infrastruktur ausreichend
erfüllen, da die Mittel dafür nicht zur Schuldenrückzahlung herangezogen werden
dürften - sozusagen ein "Existenzminimum" für Staaten. Die Bevölkerung des
Schuldnerstaates hätte über Gewerkschaften, religiöse Gemeinschaften, Bürgergruppen
etc. ein Anhörungsrecht, wenn sie von Maßnahmen, die im Verlauf des Insolvenzverfahrens
beschlossen werden, direkt betroffen sind. Dabei benötigt ein internationales
Insolvenzverfahren keinen aufwendigen juristischen Apparat. Vielmehr funktioniert es nach
dem Prinzip von Schiedsverfahren: Beide Parteien benennen die gleiche Zahl von Richtern,
diese wählen gemeinsam eine weitere Person, so daß Entscheidungen mit einfacher Mehrheit
getroffen werden können.
Ein internationales Insolvenzverfahren könnte so dazu beitragen, die hochverschuldeten
Länder dauerhaft aus der Überschuldung zu führen und durch die erhöhte Vorsicht der
Gläubiger eine zu hohe Neuverschuldung in Zukunft zu vermeiden.
10. Wie geht es weiter?
Die gesamte Kampagne ist einschließlich einer Auswertungsphase bis zum 30.06.2001
geplant. In der ersten Phase bis etwa Mitte 1998 soll die Einladung zur institutionellen
Mitträgerschaft im Mittelpunkt stehen. Danach - etwa ab dem Weltwirtschaftsgipfel in
Birmingham 1998 bis zum Weltwirtschaftsgipfel in Köln im Mai 1999 - spielt die Sammlung
von Unterschriften unter den Appell eine zentrale Rolle.
Anknüpfungspunkte für die geplanten Aktionen sind u.a. die runden Jahrestage vor der
Jahrtausendwende, die Kirchen- und Katholikentage 1998 bzw. 99, die "Tage der
Menschenrechte" und die "Weltspartage", der 50. Jahrestag der
Bundesrepublik Deutschland und der 10. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands (beide
1999) sowie der 45. Jahrestag des Londoner Schuldenabkommens (1998).
Neben einem Kampagnenhandbuch und dem regelmäßig erscheinenden Kampagnenkurier sollen
weitere Informationsmaterialien zur Verfügung gestellt werden.
11. Ihre Mithilfe ist gefragt
Die Kampagne zum Erlaßjahr 2000 in Deutschland ist Teil einer internationalen
Kooperation von ähnlichen Bewegungen. Insgesamt bestehen Kontakte mit Initiativen
in 15 Gläubiger- und Schuldnerstaaten.
Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Limburg schloss sich dem
Erlaßjahr
2000 an Eine besondere Aktivität ist die Aktion "Erlaßjahr 2000". Das Jahr
2000 soll im Sinne des biblischen Jubeljahres zu einem Erlaßjahr für die überschuldeten
Länder der Dritten Welt werden. Die Schuldenlast betrug 1980 616 und 1996 2177
Milliarden Dollar. Durch Rückzahlungen und Zinsen ist bisher mehr an die
Gläubigerländer gegangen, als von diesen ursprünglich ausgeliehen wurde. Die armen
Länder sind durch diese Schulden immer mehr in den sozialen und wirtschaftlichen
Würgegriff gekommen. Die Aktion "Erlaßjahr 2000" strebt einen gezielten
Schuldenerlaß für diese Länder an, der sich in seiner Begründung auf das biblische
Jubeljahr beruft.
Der Diözesanvorstand hat sich in seiner Sitzung vom 26.11.98 auf Vorschlag des
Diözesausschusses dieser Aktion, wie auch die Diösezesanversammlung, das Bistum, das
Diözesanbildungswerk und andere, angeschlossen. Der Beschluß beinhaltet:
- Die KAB im Bistum wird Mittträger dieser Aktion
- Die KAB-Verbandsschulung vom 5. - 7. März 1999 wird unter diesem Thema stehen
Der Vorstand empfiehlt den Ortsvereinen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen,
Unterschriften für den Appell zum Erlaßjahr zu sammeln und -möglichst -auch mit anderen
Förderern in der Pfarrei und ggf. auch ökumenisch- örtliche Veranstaltungen zum Thema
durchzuführen.
12. Bei der Umsetzung von HIPC in Bolivien spricht die Kampagne
ein wichtiges Wort mit
(Irene Tokarski, Jubileo 2000 Bolivia, Februar 2000)
Die erste Frage bei jeder der über 400.000 Unterschriften unter den Appell der
Erlaßjahr-Kampagne in Bolivien war: Und wer bekommt das Geld eines möglichen
Schuldenerlasses? Versprochen hat die bolivianische Kampagne "Jubileo 2000"
jedesmal, dafür zu kämpfen, dass die freiwerdenden Mittel an die Ausgegrenzten gehen, an
die, die im neoliberalen System der Strukturanpassung immer weiter entfernt sind von den
Wenigen, die immer reicher werden. Jetzt, nachdem Bolivien tatsächlich eines der ersten
Länder ist, die von der neuen HIPC II Initiative profitieren werden, muss diese
ehrgeizige Antwort in die Tat umgesetzt werden. Ende Januar hat die bolivianische
Regierung ihren Entwurf des "Armutsbekämpfungsprogramms" den Leitungsgremien
des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank vorgelegt. Das Papier wurde zwar
vorher den Vertretern der internationalen Kooperation in Bolivien gegeben, aber die
bolivianische Gesellschaft hat es nicht zu Gesicht bekommen. Das lässt zweifeln, wie
ernst es der bolivianischen Regierung und auch den internationalen Finanzinstitutionen mit
der Beteiligung der Zivilgesellschaft ist.
13. War also Köln für die Katz ?
Was ist die "Kölner Schuldeninitiative"?
Die "Kölner Schuldeninitiative" sieht eine deutliche Erweiterung der
"HIPC-Initiative" vor (HIPC II). Die G7-Regierungen beschlossen beim
Weltwirtschaftsgipfel in Köln im Juni 1999, die Belastbarkeitsgrenze der Länder für die
Rückzahlung ihrer Schulden weiter zu senken. Mittelfristig werden die Schulden von bis zu
36 Staaten zum Teil erlassen.
Nicht zuletzt durch den Druck der Erlassjahr-Kampagnen in aller Welt wurde auch eine
Reform der Bedingungen für Schuldenerlasse angestossen. Die Bindung von Erlassen an die
Durchführung von Armutsbekämpfungsprogrammen und die Einbeziehung weiter Teile der
Zivilgesellschaft in die Formulierung dieser Programme berühren zentrale Schwächen der
bisherigen Strukturanpassungsprogramme.
Bereits im November - als die Beschlüsse vom Jahrestreffen der Weltbank und des IWF
vorlagen - haben die bolivianischen Bischöfe eine weitreichende Entscheidung getroffen:
Angesichts des geforderten Konsultationsprozesses für die
"Armutsbekämpfungsstrategie" beschlossen sie, nicht allzu sehr auf den
angekündigten "Nationalen Dialog" der Regierung zu vertrauen, sondern selbst
die gesellschaftlichen Gruppen zum Gespräch einzuladen. Das Forum "Erlassjahr
2000" wird in allen neun Regionen Boliviens stattfinden und schliesslich in einem
nationalen Forum Ende April zum Abschluss kommen.
"Wir wollen den Dialog unter allen gesellschaftlichen Gruppen fördern, wichtige
Akteure gerade in den Provinzen zu Wort kommen lassen und mögliche Prioritäten in der
Armutsbekämpfung identifizieren", erklärt Juan Carlos Nuñez aus dem
Koordinierungsteam "Jubileo 2000".
Der erste "Nationale Dialog" in Bolivien vor zweieinhalb Jahren ist zum einen
gescheitert, weil die Regierung gar keine Vorschläge haben wollte, nicht rechtzeitig
informierte und danach keine Kontrollmöglichkeit für die Umsetzung der Beschlüsse
bestand. Aber anderseits hatten die gesellschaftlichen Gruppen auch nichts zu bieten: Sie
kamen mit leeren Händen zum Dialog und genau so sind sie wieder gegangen.
14. Foren werden eingerichtet
Die Foren sollen helfen, dass das dieses Mal anders wird. Sie sollen es den
gesellschaftlichen Gruppen ermöglichen, gemeinsame Forderungen mit mehr Druck gegenüber
der Regierung vorzubringen. In acht Arbeitsgruppen sollen die zentralen Themen auf den
Foren behandelt werden:
1.Wirtschaftspolitik und Strukturanpassung: In diesem Bereich soll der
Armutsbekämpfungsplan der Regierung analysiert werden sowie die strukturellen
Rahmenbedingungen, die für eine effektive Armutsbekämpfung nötig sind; 2. Partizipation
und Menschenrechte, wo es vor allem um die Erarbeitung effektiver Kontrollmechanismen in
mittelfristiger Perspektive geht; 3. - 5. Entwicklung der ausgegrenzten städtischen
Bereiche mit drei Arbeitsgruppen zu Bildung und Erziehung (3), Gesundheitsdienste (4) und
Produktivität/Arbeit (5);
6. - 8. und ländliche Entwicklung ebenfalls mit diesen drei Arbeitsgruppen (6-8).
Im besten Fall sollen aus diesen Arbeitsgruppen so etwas wie Runde Tische entstehen, die
langfristig an der Kontrolle und Einhaltung des Armutsreduzierung beteiligt sind.
"Wir brauchen in Bolivien effektive Mechanismen sozialer Kontrolle - wenn es uns
gelingt, mit den Foren einen Schritt in diese Richtung zu tun, ist das mehr wert als die
erlassene Summe", davon ist Juan Carlos Nuñez überzeugt. Ausserdem geht es im
Armutsbekämpfungsplan nicht nur um die freigewordenen Mittel, sondern um die gesamten
Sozialausgaben.
15. Ein Netzwerk entstand
Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung ist der Kampagne bereits gelungen: War
die Etappe der Unterschriften vor allem eine Initiative der katholischen Kirche, haben die
Bischöfe jetzt alle gesellschaftlichen Gruppen eingeladen, Mitveranstalter der Foren zu
werden - und die ersten Zusagen von Gewerkschaften, Nicht-Regierungsorganisationen und
Arbeitgebern liegen bereits vor. Von der Federführung der Kirche erhoffen sich viele,
dass es in den Foren zu einem echten Dialog kommt und nicht nur zu einer Showveranstaltung
gegenüber den internationalen Geldgebern. Erst im Dezember hat eine Umfrage ergeben, dass
die katholische Kirche an erster Stelle der Glaubwürdigkeit im Land steht. Auch die
bolivianische Regierung weiss, dass die Kirche eine Schlüsselposition im Dialog mit der
Gesellschaft hat. Deshalb wollte sie auch die Kirche im Organisationskomitee für den
"Nationalen Dialog" haben, der Ende Mai stattfinden soll. Doch war den
Bischöfen klar, dass die Regierung die Kirche vor allem benutzen wollte, um überhaupt
irgend jemand an den Verhandlungstisch zu bekommen. Denn der letzte "Nationale
Dialog" hat in Bolivien nur Enttäuschung zurückgelassen, und das wenige Vertrauen
in die Regierung zerstört. "Wir wollen eine unabhängige Position gegenüber der
Regierung, um wirklich fordern und verhandeln zu können. Wenn wir mit ihr im gleichen
Boot sitzen, können wir das nicht. Deshalb war es gut, dass die Bischöfe die Mitarbeit
im Organisationskomitee abgelehnt haben", meint Juan Carlos Nuñez. "Aber
selbstverständlich wollen wir den Nationalen Dialog und unsere Foren sollen dafür
sorgen, dass dort die Sachen wirklich auf den Tisch kommen. Und die Regierung nimmt uns
jetzt viel ernster als am Anfang."
16. Enge Kontakte nach Deutschland
Wichtige Unterstützung erfährt die bolivianische Kampagne von ihren Partnerdiözesen
Trier und Hildesheim sowie Misereor, die das Follow-up für den Schuldenerlass zu einem
ihrer Schwerpunktthemen gemacht haben. Die enge Zusammenarbeit stärkt das Standing, oft
kommen die Informationen schneller aus Deutschland in Bolivien an als von der eigenen
Regierung. Trier, Hildesheim und Misereor übernehmen wichtige Lobbyarbeit im BMZ und im
Finanzministerium, und vor allem: Sie unterstützen durch Finanzen und Personal die Arbeit
der Kampagne vor Ort. Sie denken mit und helfen, die Position und die Bedingungen der G7
zu verstehen und so effektiv wie möglich für Bolivien zu nutzen.
17. Große Aufgaben - wenig Mittel
Trotzdem steht die Kampagne "Jubileo 2000" in Bolivien vor einer gigantischen
Aufgabe: Neun regionale Foren müssen im März durchgeführt werden und noch sind
Sommerferien. Die fehlende Infrastruktur im Land macht oft schon den blossen
Materialversand zu einer Lebensaufgabe. Auch wenn das Interesse gross ist bei vielen
kirchlich engagierten Christen und in den gesellschaftlichen Gruppen, fehlt es doch
überall an Personal und Geld, um die Vorbereitungen voranzutreiben.
"Die Foren sollen mehr sein als nur ein Treffen von irgendwelchen Repräsentanten,
wir wollen eine Bewegung im Land schaffen, das Bewusstsein stärken, dass wir alle und
jeder einzelne verantwortlich sind dafür, dass die Armutsbekämpfung nicht nur ein Stück
Papier bleibt", erklärt Juan Carlos Nuñez. Dazu wird es Wettbewerbe in den Schulen
geben, Workshops in vielen Diözesen, Podiumsdiskussionen und vieles mehr. In einigen
Schulen planen die Lehrer, das Forum "Jubileo 2000" mit den Schülern
durchzuführen, und eine Gruppe von Schuhputzerjungen in La Paz ist dabei, eine Blockade
mit ihren Schuhputzkästen während des nationalen Forums zu planen, um so auf ihre
Situation aufmerksam zu machen.
Im Moment sind es nur drei Mitarbeiter auf nationaler Ebene, die all das vorantreiben
sollen, und oft bekommen sie zu hören: das ist doch alles viel zu kurzfristig!
"Trotzdem sind alle entschlossen, den Wettlauf gegen die Zeit aufzunehmen",
versichert Juan Carlos Nuñez: "Wenn wir diese Chance für mehr Einflussnahme und
Kontrolle gegenüber der Regierung ungenutzt verstreichen lassen, dann waren 400.000
Unterschriften in Bolivien umsonst, genauso wie der Einsatz unserer Partnerdiözesen Trier
und Hildesheim, dann war Köln wirklich für die Katz."
18. HIPC-Erlass weiterhin im Schneckentempo
Am Freitag, dem 28.1.2000 beriet der Vorstand der Weltbank über die ersten drei
Länder, welche unter der "neuen" HIPC-Initiative entlastet werden sollen:
Uganda, Bolivien und Mauretanien. In zwei unmittelbar darauffolgenden Sitzungen beriet der
Vorstand des Internationalen Währungsfonds über die Erlasse. Die Weltbank stimmte den
vom Stab der Institution im Sinne der Beschlüsse des Kölner Gipfels erarbeiteten
Entschuldungsplänen zu. Die Schulden sollen demnach auf einen Barwert gesenkt werden, der
rund 150 Prozent der jährlichen Exporterlöse entspricht. Zusätzlich sollen Bolivien
alle Schulden aus der staatlichen Entwicklungshilfe gestrichen werden.
Während der schwarz-gelben Koaliton saß Deutschland weltweit im Bremserhäuschen der
Entwicklung. Das wurde vor allem von England und Frankreich bemängelt. Sie wiesen mit
recht darauf hin, dass Deutschland ohne den Schuldenerlass von 1953 nie zu dem geworden
wäre, was es heute ist. Jetzt ist es etwas besser geworden.
19. Weitere Forderungen von "Erlassjahr 2000"?
- Die gefassten Beschlüsse reichen bei weitem nicht aus. Notwendig sind:
Ein weitergehender Schuldenerlass für mehr Länder.
- Die Umsetzung grundlegend veränderter Bedingungen für den Erlass.
- Ein Internationales Insolvenzrecht.
- Bildung eines Gegenwertfonds
- Stärkung der Zivilgesellschaft in den Ländern
Als Christen mit dem Wissen von der geforderten sozialen Gerechtigkeit und als detusche
mit der Erfahrung eines Schuldeneralsses sind wir besonders gefordert.
Glossar
Was ist die "HIPC-Initiative"?
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds haben 1996 erstmals den Vorschlag
gemacht, dass eine Gruppe von hochverschuldeten armen Ländern im Rahmen der
"HIPC-Initiative" einen Schuldenerlass bekommen soll, der alle Kredite
einbezieht: bilaterale Schulden bei Staaten, multilaterale Schulden gegenüber den
multinationalen Entwicklungsbanken (vor allem dem Internationalen Währungsfonds und der
Weltbank), Schulden bei privaten Banken.
Wer zählt zu den "HIPC-Staaten"?
Angola, Äquatorial-Guinea, Äthiopien, Benin, Bolivien, Burkina Faso, Burundi, Cote
d'Ivoire, Demokratische Republik Kongo, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Guayana, Honduras,
Kamerun, Kenia, Kongo, Laos, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik,
Myammar, Niger, Nikaragua, Ruanda, Sambia, Sao Tomé und Principe, Senegal, Sierra Leone,
Somalia, Sudan, Tansania, Togo, Tschad, Uganda, Vietnam, Yemen, Zentralafrikanische
Republik.
Welche Staaten sollen wann entschuldet werden? (Vorläufige Angaben!)
Zur Zeit stehen an:
Bolivien, Mauretanien, Uganda
Bis April 2000 sollen folgen:
Benin, Burkina Faso, Mali, Mosambik, Senegal, Tansania.
Bis Dezember 2000 sollen folgen:
Äthiopien, Cote d'Ivoire, Guayana, Guinea, Guinea-Bissau, Honduras, Kamerun, Laos,
Malawi, Niger, Nikaragua, Ruanda, Sambia, Sierra Leone, Tschad
Noch kein Zeitplan steht fest für:
Angola, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Ghana, Kongo, Liberia, Madagaskar, Myammar,
Somalia, Sudan, Togo, Zentralafrikanische Republik.
Aufgrund einer laut HIPC-Definition tragfähigen Verschuldung sollen folgende Staaten
keinen Erlaß erhalten: Äquatorial-Guinea, Kenia, Sao Tomé und Principe, Vietnam, Yemen,
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