Übertragung eines Artikels, der anlässlich des 60. Geburtstages von Gerhard
Heil zum 29. März 1929 in der damaligen Frankfurter Zeitung erschien. (Aus den
Archiven der Enkelinnen Christel Schneider und Rita Klepsch GERHARD HEIL Stadtrat Gerhard Heil vollendet
am 29. März sein sechzigsten Lebensjahr. Der Sohn des Begründers
und langjähriger Leiters des katholischen Zeitungsunternehmens in Frankfurt
a.M. hat an den Verdiensten seines Vaters und seines älteren Bruders
Heinrich vollen Anteil. Von Jugend auf hat er der Verlagsanstalt Anton 'Heil; der
späteren CarolusDruckerei G.m.b.H., seine ganze Arbeitskraft gewidmet. Er hat seinem Vater in schweren Jahren
die Treue gehalten, hat zur Entwicklung und Ausbreitung des Unternehmens
in leitender Stellung viel
beigetragen und ist auch, als es nach der kritischen Zeit der Kriegs- und Inflationsjahre
zu neuem Aufstieg ging, mit Rat und Tat dabeigewesen. In der
Carolus-Druckerei verehrt man in dem Mitglied der Geschäftsleitung
Gerhard Heil den Träger einer guten Tradition, im ganzen Betriebe erfreut
er sich ob seiner bewährten Klugheit und Berufserfahrung, seiner
menschlichen Güte und Hilfsbereitschaft, seines freundlichen und
anspruchslosen Wesens der größten Wertschätzung. Sein sechzigster Geburtstag ist nicht
allein ein Fest für das Unternehmen, dem er angehört Das katholische Frankfurt, die
örtliche Zentrumspartei und darüber hinaus weite Kreise der Bevölkerung, denen sein
vielseitiges Wirken zu Gute kam, fühlen sich diesem Manne tief verpflichtet.
Als langjähriges Mitglied der katholischen Gemeindevertretung,
des Kirchenvorstandes seiner Pfarrgemeinde Sachsenhausen und des
Vorstandes im "Gesamtverband
der katholischen Pfarrgemeinden im Gebiete der ehemals freien Reichsstadt
Frankfurt" hat er den katholischen Interessen in seiner Vaterstadt
wertvolle Dienste geleistet. Sein Hauptverdienst aber liegt auf dem
Gebiete des Verein- und Organisationswesens. Der Name Gerhard Heil ist mit dem Werden und Wachsen einer
katholischen Volksbewegung in Frankfurt a.M. aufs engste verknüpft. Er
gehört zu den ersten, die nach den Stürmen
der Kulturkampfszeit, als der katholische Volksteil Deutschlands aus der
nur kirchen- und
kulturpolitischen in die soziale Front hinübergeleitet wurde, als das frühere
patriarchalische Verhältnis von Führern und Gefolgschaft in die
demokratische Form der Massenorganisationen umgewandelt werden mußte, die
Zeichen der Zeit begriffen haben. Gerhard
Heil ist es nicht zuletzt zu verdanken, daß auch in Frankfurt und
Umgegend der soziale
Katholizismus, der auf die Anregungen Kettelers aufbaute und von dem
M.Gladbacher Kreis um Franz Hitze
und die Führer des Volksvereins für das katholische Deutschland
verwirklicht wurde, rechtzeitig zum Durchbruch kam. Als langjähriger
Senior des Gesellenvereins hat
Gerhard Heil die Bedürfnisse des katholischen Arbeitsvolkes klar erkannt,
auf einem sozialen
Kursus in
Straßburg und als Teilnehmer eines
volkswirtschaftlichen Kurses
des Volksvereins in M.Gladbach hat er sich die nötige Schulung geholt,
die ihn zu seiner organisatorischen und propagandistischen Tätigkeit befähigte.
Die Gründung des "Vereins der in Frankfurt a.M- beschäftigen
katholischen Arbeiter", des späteren
Arbeitervereins, aus dem sich die heutige blühende
Arbeitervereinsbewegung entwickelt hat, ist auf seine Initiative
zurückzuführen. Auch der Versuch zur Gründung einer christlichen
Gewerkschaft in Form von sogenannten Fachverbänden wurde unter seiner
Führung in Frankfurt schon zu einer Zeit gemacht, als die Bedeutung des Gewerkschaftswesens
in seiner ganzen Tragweite von den wenigsten erkannt war. Neben der
Arbeiterbewegung wurde die Förderung des katholischen Mittelstandes nicht
vergessen. An der Ausbreitung der Männervereine,
insbesondere an der Gründung der kathol. Männervereine Westend,
Ostend und Sachsenhausen war Gerhard Heil führend beteiligt. Die Notwendigkeit
eines organisatorischen Zusammenschlusses der immer zahlreicher werdenden katholischen
Vereine hat er früh erfaßt, die Gründung des Katholikenkommitees ist
auf seine Anregung zurückzuführen.
Auf (soll wohl heißen
"auch", Anm. CS) die
Volksfeste der Frankfurter Katholiken, die alljährlich am Fronleichnamstage abgehalten
werden, sind auf seinen
Vorschlag hin zustandegekommen. An der Vorbereitung des glanzvollen Frankfurter
Katholikentages im Jahre 1921 hat er als dritter Vorsitzender des
Lokalkomitees regen Anteil
genommen. Die Geschichte der Frankfurter
Zentrumspartei ist von der Person ihres ersten Vorsitzenden untrennbar. Als
erster hat er die späteren Aufstiegsmöglichkeiten erkannt und ihnen die
organisatorische Basis im Zentrumswahlverein geschaffen, aus dem sich die
heutige Parteiorganisation
entwickelte. Heils Wirken für die Partei hat sich nicht auf Frankfurt beschränkt.
Zusammen mit Parlamentariern wie Müller-Fulda, Itschert, Wellstein u. a.
ist er an
die Organisation der Nachbargebiete herangegangen; die Zentrumserfolge im ehemaligen
Wahlkreis Höchst-Homburg-Usingen, die Begründung einer Zentrumsorganisation
in Hanau-Gelnhausen-Orb-Bockenheim wären ohne seine selbstlose,
aufopfernde Mitarbeit
nicht zustandegekommen. Als Vertrauensmann der Frankfurter Zentrumswähler ist
Gerhard Heil in die städtischen Körperschaften
gelangt. Von 1904 - 1912
gehörte er der alten Stadtverordnetenversammlung
an, längere Jahre als einziger Stadtverordneter der Zentrumspartei, der
die frühere Form des Wahlrechts und der
Bezirkseinteilung nicht günstig war. Nach der Revolution im Jahre 1919 stand er als erster auf der Liste des Zentrum für
die Kommunalwahlen und wurde im
Sommer desselben Jahres durch das Vertrauen seiner Parteifreunde
als unbesoldeter Stadtrat in den Magistrat entsandt, dem er nun zehn Jahre
ununterbrochen angehört, und in
den verschiedensten Ressorts,. u. a. als Dezernent der städtischen
Vermietungen und der städtischen Verdingungsstelle wertvolle Dienste
geleistet hat. Zur Zeit ist Stadtrat Gerhard Heil der Dezernent der städtischen
Darlehensanstalt. Auch dem
nassauischen Kommunallandtag hat er mehrere Jahre angehört, ebenso dem Reichsausschuß
der deutschen Zentrumspartei. Im nassauischen Landesparteivorstand
wird seine kenntnisreiche Mitarbeit und Erfahrung besonders geschätzt. Stadtrat
Heil ist Aufsichtsratsmitglied der städtischen Osthafenmolkerei und der
Bad Kronthal A.G. Es ist damit ein Gebiet seiner Tätigkeit berührt, das ihn
über die katholischen und Zentrumskreise
seiner Vaterstadt hinaus bekannt und geschätzt gemacht hat: sein
Eintreten für die Interessen
des gewerbetreibenden Mittelstandes. In der Kriegszeit liegen die verdienstvollen Anfänge dieser Tätigkeit. In engster
Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelamt der Stadt hat er damals die
"Kleinhändlervereinigung der Lebensmittelbranche" geschaffen,
der sich später die Interessengemeinschaft sämtlicher Lebensmittelgroßhändler
anschloß. Es ist Gerhard Heils Verdienst, daß bei der
Lebensmittelsorganisation während des Krieges das Interesse einzelner großen
Firmen nicht ungebührlich in den Vordergrund geschoben
und ein gerechter Ausgleich in der Verteilung der Mittel und Aufträge
geschaffen wurde. Ein Verdienst, das in der Verleihung des
"Kriegsverdienstkreuzes" eine äußere Anerkennung
fand. Nach dem Kriege ist Gerhard Heil trotz der Fülle seiner Beschäftigungen
auch diesem Kreis seines Wirkens
treu geblieben. Die Gründung des "Vereins katholischer Gewerbetreibender" liegt in der gleichen Linie. So vereinigen sich an seinem Ehrentage
weiteste Kreise der Stadt Frankfurt und über Frankfurt hinaus in dem Wunsche,
daß er auch nach dem Schritt über die Schwelle des Alters seiner
verdienstvollen öffentlichen Tätigkeit noch lange Jahre erhalten bleibe.
Vor allem aber sind
es das katholische Frankfurt und die Frankfurter Zentrumspartei, die
Gerhard Heil in dankbarer Gesinnung ihre Glückwünsche darbringen Ad
multos annos!
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