Die Kommission 6 der Deutschen Bischofskonferenz hat im Dezember ein Wort zur sozialen Situation in Deutschland ein Wort herausgegeben mit dem Titel, "das Soziale neu denken", das viel Kritik erfährt. Meine Stellungnahme dazu: Prof.
em. Dr. Ernst Leuninger Diözesanpräses
der KAB Limburg Hubertusstr.
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Limburg, den 15.12.03 Zur
Veröffentlichung Das „Soziale neu denken“ - Ein überflüssiges
Papier
Als
Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und der CAJ
im Bistum Limburg und Hochschullehrer für das Fach Katholische
Soziallehre kann ich meine Stellungnahme zum Papier der Kommission VI der
Deutschen Bischofskonferenz nur in dem Satz zusammen fassen: „Ein überflüssiges
Papier“. Schädlich wird es dann, wenn sich die „Abreißer des
Sozialstaates“ in nahezu allen Parteien darauf berufen könnten. Vieles
ist richtig, aber woanders auch schon gesagt. Der Akzent, Familien und
Bildung zu fördern kann nur nachdrücklich unterstützt werden, der
Sozial-TÜV in unserem Gemeinwesen ist eine überlegenswerte Anregung, der
Sozial- und Armuts- und Reichtumsberichte zu Ansätzen von konzeptionellem
Denken in diesem Bereich ausweitet. Kritisch
wird es dort, wo die Option für die Armen, die natürlich anerkannt wird,
konkret wird. Es wird nahezu vergessen, dass die meisten Sozialleistungen
erarbeitet und von den Betroffenen bezahlt werden. Soll die geforderte
Eigeninitiative, die subsidiarisch gestützt werden muss, eine umfassende
Entwicklung zur Privatisierung der Lebensrisiken einleiten? Ist die
Leistung über den Lohn nicht solidarische Selbsthilfe? Makaber
wird es geradezu dort, wo es im Billiglohnarbeitsplätze für
Minderqualifierte –so könnte der Text ausgelegt werden- wohl im Sinne
der USA geht. Die dortigen Bischöfe warnen dringend vor der Armut trotz
Arbeit. Es hat den Eindruck; als würden die Sozialleistungen überwiegend
als „undurchsichtiges Gestrüpp von Transferleistungen“ gesehen. Nicht
die Sozialleistungen sind schuld an der wachsenden Staatsverschuldung,
sondern die hohe Arbeitslosigkeit und die Steuerungerechtigkeit. Es ist
keineswegs so, dass unsere Produkte auf dem Weltmarkt wegen der Lohnkosten
nicht konkurrenzfähig sind, wir stehen im Spitzenfeld der exportierenden
Nationen, im August waren wir Exportweltmeister. In der Produktivität
sind wir nach Japan 2. Weltmeister, unsere Arbeiten leisten also pro
Stunde wesentlich mehr als die Arbeiter in den USA und Großbritannien.
Sie erarbeiten vor allem die Leistungen des Sozialstaates. Jetzt wird das
Thema auf die Lohnnebenkosten abgewälzt, darauf sollten wir nicht
hereinfallen. Die arbeitenden Menschen und Rentner habe zu wenig Geld, um
den Binnenmarkt zu beleben. Das zeigt auch das derzeitige Weihnachtsgeschäft Im
Pro-Kopf-Einkommen liegen wir dicht hinter den USA, der Industrienation
mit der höchsten Quote (abgesehen von Ländern wie Monaco oder Kuwait).
Entscheidend ist deshalb, dass Reformen vom Prinzip der sozialen
Gerechtigkeit getragen sein müssen. Hier geht es darum, eine gerechte
Umverteilung in unserem Land einzuleiten. Davon ist in dem Wort wenig die
Rede, der Reichtum bleibt weithin unangetastet. Dies heißt auch, wie es
auch im Sozial- und Wirtschaftswort steht, dass Solidarität nicht
eingegrenzt, sondern ausgeweitet werden muss. Es darf nicht mehr nur auf
den Faktor Arbeit begrenzt werden. Auf den Sozialstaat kommen neue
Forderungen zu, die er nicht privatisieren kann, diese sind nur durch
soziale und gerechte Umverteilung zu lösen. Der Faktor Kapital darf gegenüber
dem Faktor Arbeit nicht noch dominanter werden, darunter leiden die
Menschen. Unsere Sozialstaatlichkeit muss ausgebaut, nicht mit Ideen von
irrealer Eigeninitiative, so richtig die Unterstützung der Selbsthilfe
ist, abgebaut werden. Einige Nachbarstaaten bieten gute Anregungen. Eine
irgendwie geartete Unterstützung der Agenda 2010 kommt für mich nicht in
Frage.
Eine differenzierte Stellungnahme dazu finden Sie bei der KAB Der Bad Homburger Arbeitskreis hat auch eine abgegeben
Weitere Anregungen und Ergänzungen zur Seite sind unter e-mail Email ernst@leuninger.de erbeten.
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