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Katholische SozialLehre
Catholic Social Teaching
Autor: Ernst Leuninger

Thema der Seite: Kosova/Kosovo


Inhaltsverzeichnis "Kosova"

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7. 8. Reise (August 2002/April 2004)

6. Reise in den Kosova Oktober 2000

Kühe für den Kosova Aktion II Guter Hirte  

Bilder aus dem Kosova

Informationen des Auswärtigen Amtes über Vertriebene

1. Reise"Am Ende Europas" Reise in den Kosova und nach Skopje

2. Reise, zurück aus dem Kosova Statement des Bischofs Dr. Franz Kamphaus aus den Flüchtlingslagern in Macedonien

3. Reise in den Kosovo 28. 06. - 02.07.1999

4. Mit Bischof Kamphaus im Kosovo 15.8.1999

5. Bericht des Besuches im Kosovo mit Bildern und Diareihe 22.-24.9.1999 - Kühe vor den Kosova

 

6. Reise vom 31.01.-03.02.2000 - erste Schritte zur Normalisierung

Weitere Informationen bei Proasyl Kosova-Info-Line

Nach dem Krieg

"Stabilitätspakt" für den Balkan

Militärabkommen zwischen Nato und Jugoslawien: Einzelheiten, Wortlaut (Auszüge)

Erklärung des Ständigen Rates der Dt. Bischofskonferenz vom 20.4.99 zum Kosovo http://www.kath.de/sdbk/presse/fs_presse.html


Pressebericht einer Reise vom 21.-24.10.2000

Dr. Ernst Leuninger 26.10.00

 

Kleine Schritte zur Normalisierung im Kosovo

Der Unterschied fällt schon auf, wenn man im Oktober nach einem halben Jahr wieder einmal den Kosovo besucht. Die Straßen werden besser, die EU leistet dabei beachtliches. Die Sicherheitsmaßnahmen scheinen deutlich zurückgenommen aber doch noch überall präsent. Beim Fahren durch serbische Dörfer hatte ich den Eindruck einer gewissen Normalisierung.

Der Wiederaufbau macht erstaunlich Fortschritte. Dabei muss gesagt werden, dass internationale Organisationen beachtliches geleistet haben. Das Markenzeichen Caritas ist überall präsent und wird geachtet. Aber auch Kolping und Malteser-Hilfsdienst (startet zur Zeit wieder seine weihnachtliche Kinderpäckchenaktion) sind erheblich engagiert. Renovabis ist aktiv. Erstaunlich, was die Caritas aus Italien leistet. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass z.B. hinter den aufgebauten Geschäftsfassaden noch das Elend nistet.

Viele Menschen wohnen vor dem Einbruch des Winters noch in Zelten. Ausweisung ohne sicherer Wohnung ist nicht zu verantworten. Mit Kollektenmitteln des Bistums wurde die Bewohnbarmachung von 66 Häusern in Peja finanziert, im Schnitt mit 8000 DM als Material zur Selbsthilfe. Ich konnte die Häuser sehen und habe die exakten Abrechnungen pro Haus geprüft. Der Pfarrer ist inzwischen ein Bau- und Organisationexperte. Übrigens 40% der Häuser gingen an Muslime. Die Zeitung schreiben, "warum tun Christen das und einem überwiegend muslimischen Land, während muslimische Länder fast ausschließlich an den Bau von Moscheen denken. Wir brauchen Dächer über dem Kopf." Das Ganze ist ein Zeugnis für eine lebendige Kirche und hilfsbereite Christen auf der Welt.

Ich war vom 21.-24.10. 00 dort. Es ging um die Hilfe für den Bau eines multireligiösen Kindergartens und Kriegswaisenstation. Auch wollte ich den Stand der Aktion "Guter Hirte - Kühe für den Kosovo" sehen. Die Aktion läuft ausgezeichnet. So war ich in einem Dorf, wo für armen Familien, die oft noch in Zelten wohnen, je eine Kuh gekauft wurde. Eine Kommission unter Leitung des Schulrektors hatte die Familien ausgesucht, fuhr mit ihnen zum Markt, damit sie möglichst selbst ihre Kuh aussuchen konnten und kontrolliert den weiteren Ablauf. Das ist für die Menschen ein großes Glück. Erfreut sah ich schone eine Reihe Kälber, die im Frühjahr an anderer Bauern weitergeben werden können. Am Abschiedsmorgen kam ein Bauer in aller Herrgottsfrühe mit dem Bus ins Pfarrhaus Peja und bedankte sich für alle anderen Familien, er bat mich, den Dank an alle Spendenden weiter zu geben, was ich hiermit tue. Erfreulich ist, dass inzwischen auch anderer Organisation diese von uns entwickelte Konzept übernommen haben.

Was fehlt ist vor allem die politische Lösung. Da sind die meisten noch ratlos. Vielleicht ergeben sich jetzt neue Gesprächsmöglichkeiten. Optimismus war, wenn auch sehr gedämpft, vorhanden.

Ernst Leuninger


G8-Plan und Annahme in Belgrad (T-Online)

Kosovo-Friedensplan / Prinzipien der G8-Staaten

Der Kosovo-Friedensplan umfaßt im wesentlichen die Forderungen der G8-Staaten. Neu ist, daß der Rückzug Serbiens aus dem Kosovo, ein Ende der Nato-Luftangriffe und die Stationierung einer internationalen Schutztruppe "zeitgleich" erfolgen:

- Sofortige und kontrollierbares Ende von Gewalt und Repression im Kosovo.

- Rückzug aller militärischen Kräfte. Dafür sind sieben Tage ab Donnerstag mittag angesetzt. Die Luftabwehr hat 48 Stunden Zeit.

- Stationierung einer internationalen Zivil- und Sicherheitspräsenz unter UN-Führung, mit einer "wesentlichen" Teilnahme der Nato und unter einheitlichem Kommando.

- Einsetzung einer Übergangsverwaltung für das Kosovo nach einer Resolution des Weltsicherheitsrates. Substantielle Autonomie der Provinz.

- Rückkehr aller Flüchtlinge, ungehinderte Arbeit der UN- Flüchtlingshilfswerks UNHCR und anderer humanitärer Organisationen. Politischer Prozeß für ein vorläufiges politisches Rahmenabkommen, auf der Grundlage von Rambouillet, unter Wahrung der Souveränität und Integrität Jugoslawiens und der Nachbarstaaten.

- Entwaffnung der UCK

- Wirtschaftlicher Wiederaufbau mit internationaler Unterstützung. Stabilisierung der Krisenregion.

- Ende der Nato-Militäraktivitäten nach Annahme der Forderungen und Beginn des kontrollierbaren Abzugs serbischer Einheitent.

- Die serbischen Truppen ziehen sich hinter Puffer-Zonen nach Serbien zurück, die Luftabwehr 25 Kilometer außerhalb der Sicherheitszonen. Einige hundert jugoslawische Sicherheitskräfte sollen an Grenzübergängen stationiert werden, Minenfelder kennzeichnen und räumen und als Verbindung zur internationalen Schutztruppe dienen.

Nach wochenlanger Pendeldiplomatie hatte sich die G8-Staaten (sieben Industrieländer und Rußland) am 6. Mai in Bonn auf einen Prinzipienkatalog geeinigt. Maßgeblich beteiligt daran war Bundesaußenminister Fischer.

- Unverzügliches und nachprüfbares Ende der Gewalt und Unterdrückung im Kosovo.

- Rückzug militärischer, polizeilicher und paramilitärischer Kräfte aus dem Kosovo.

- Stationierung von wirksamen internationalen zivilen und Sicherheitspräsenzen im Kosovo, die von den UN gebilligt und beschlossen und in der Lage sind, die Erreichung der gemeinsamen Ziele zu garantieren.

- Einrichtung einer vom UN-Sicherheitsrat zu beschließenden Übergangsverwaltung für den Kosovo, um die Bedingungen für ein friedliches und normales Leben für alle Einwohner im Kosovo sicherzustellen.

- Die sichere und freie Rückkehr aller Flüchtlinge und Vertriebenen und ungehinderter Zugang zum Kosovo für humanitäre Hilfsorganisationen.

- Ein politischer Prozeß zur Schaffung einer politischen Übergangsrahmenvereinbarung, die eine substantielle Selbstverwaltung für den Kosovo unter voller Berücksichtigung des Rambouillet-Abkommens und der Prinzipien der Souveränität und territorialen Unversehrtheit der Bundesrepublik Jugoslawien und der anderen Länder der Region, sowie die Demilitarisierung der UCK vorsieht.

- Umfassendes Vorgehen zur wirtschaftlichen Entwicklung und Stabilisierung der Krisenregion.

Diese Prinzipien sollen zu einer Resolution des UN-Sicherheitsrats führen.

03.06.1999 22:06


Vom 26.April bis zum 29. April 1999 führte Dr. Franz Kamphaus mit Dr. Ernst Leuninger eine Reise nach Skopje durch. Dieser Reise war eine Reise von Dr. Ernst Leuninger in den Kosova vorausgegangen. Auf dieser Reise habe ich selbst viele zerstörte Dörfer gesehen, die Vertreibung war in vollem Gange. Die Anwesenheit der OSZE gab zwar etwas Hoffnung, aber die Sorgen überwogen. Eine weiterer Reise mit dem Bischof in den Kosova nach Ostern war nicht mehr möglich. Die Situation legte eine Reise nach Skopje nahe, da mir der dortige Caritasdirektor durch eine fühere Begegnung und dem Besuch im Kosova bekannt war.

Am Ende Europas

- Bericht einer Fahrt von Bischof Dr. Franz Kamphaus nach Macedonien -

Macedonien liegt am Ende Europas, ist Europa in diesen Wochen nicht an ein Ende gekommen? Beim Besuch des Bischofs im Krisengebiet des südlichen Balkans stellten sich eine Fülle von Fragen, die zur Zeit teilweise nur schwer zu beantworten sind.

Die Reise erfolgte um den Menschen in der Not nahe zu sein. Mit Bischof Dr. Franz Kamphaus reiste der Kosovobeauftragte des Bischofs, Dr. Ernst Leuninger. Die Reise begann am 26. April 1999, die Rückkehr nach Limburg war in den frühen Morgenstunden des 30.4.99. Absicht der Reise war es, den Menschen humanitäre Hilfe zu überbringen und ihnen in ihrer Not Nähe zu zeigen.

Die Reise war vorbereitet mit dem zuständigen Referenten im Deutschen Caritasverband Freiburg und Monsignore Cirimotic, dem Leiter des Caritasverbandes Macedonien.

Der Flug führte über Ljubljana nach Skopje. In Skopje empfing und begleitete uns die Tage Monsignore Cirimotic, der sehr gut Deutsch spricht. Bischof Kamphaus wohnte bei dem Bischof von Skopje Herbuth. Das Bistum Skopje hat etwa 12.000 Katholiken.

Am nächsten Tag konnten wir an einer Koordinierungssitzung der Caritas Internationalis im Haus an der Kathedrale teilnehmen. Dort wurden Hilfeleistungen abgesprochen. Im Haus an der Kathedrale ist auch der Caritasverband von Macedonien tätig. Dort ist das Projekt "Betreuung von Familien in Not" vor allem für Flüchtlingsfamilien, die nicht in Lagern wohnen und deshalb bisher keine Hilfe erhalten, angelaufen. Hier soll auch dem immer mehr verarmenden Umfeld geholfen werden, damit die Spannung im Land nicht noch mehr zunimmt. Wegen der Verhältnisse ist die Wirtschaft im Lande nahezu zusammengebrochen, Firmen aus dem Ausland ziehen sich zurück, landwirtschaftliche Exporte sind fast nicht möglich, Arbeitern wird schon teilweise seit 6 Monaten kein Lohn mehr ausgezahlt. Dieses Elend nimmt zu.

Vier weitere Stationen für Betreuung von Familien sind im Aufbau, vor allem in Skopje; bisher neun weitere im Land geplant. Die Station in Skopje erreicht zur Zeit täglich etwa 1.500 Personen, also in der Woche 10.500.

Ein Besuch im Lager Stankovec unter sachkundiger Führung des Pressereferenten des Deutschen Caritasverbandes machte erschütternd klar, welche humanitäre Katastrophe sich hier abspielt. In den beiden Lagern sind zusammen über 40.000 Flüchtlinge in Zelten untergebracht. Die Lager unterstehen dem UNHCR, der die Aufgaben an NGOs weitergibt. Das Lager Stankovec I steht unter Verantwortung des CRS (Hilfsdienst für Flüchtlinge der US-amerikanischen Bischofskonferenz). Der Deutsche Caritasverband ist beteiligt. So stellt Israel ein Zeltkrankenhaus und sorgt für Kinderspiele, eine andere katholische Organisation versorgt alte und verwirrte Menschen. Am Donnerstag fand ein Interviewe de Fernsehens im Lager mit dem Bischof statt.

Den Menschen in diesen Lagern stehen genügend Lebensmittel zur Verfügung. Knapp ist vor allem das Wasser - 20 Liter pro Tag und Person - keine Duschen, sanitäre Einrichtungen die noch nicht einmal das Niveau der sanitären Einrichtungen der Zeltlager in den fünfziger Jahren haben. Die Abwasser- und Abfallprobleme sind auch wegen der Armut des Landes enorm. Wenn Mitte Mai die Hitze kommt, befürchten Fachleute eine Katastrophe, vor allem wegen der Seuchengefahr. Die Politiker, die weiteren Zuzug von Flüchtlingen ablehnen, müssen wissen, welche Probleme sie damit unter Umständen provozieren.

Ein Besuch bei der Bundeswehr in Tetovo macht deutlich, welchen Einsatz die Soldaten in diesen Lagern geleistet haben. Eigentlich waren sie ja zur Sicherung des Friedensvertrages für den Kosovo gekommen.

Ein Besuch beim Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Schrameyer, machte zusätzlich die desolate Wirtschaftssituation des Landes deutlich. Sie nimmt durch die ganze Krise Dimensionen an, die das Gemeinwesen zerstören können. Es ist dringend Wirtschaftshilfe gefordert. Die europäischen Länder müssen dringendst Macedonien von Flüchtlingen entlasten.

Eine Familie, die wir besuchten, die mit 11 Personen geflüchtet war, lebt in einer einfachen Unterkunft in Skopje. Das jüngste Kind war gerade 2 Monate alt, seine zwei Kinder auf dem Arm, das war alle was der Vater in den fünf Minuten, die ihm gelassen wurden mitnahm. So leben viele Flüchtlinge, die bei Verwandten oder Bekannten untergeschlüpft sind. Da sie nicht in Lagern sind, erhalten sie auch keine Hilfe,. Hier springt die Caritas Macedonien mit deutscher Hilfe ein.

Viel Fragen und Probleme begleiten uns. Diese Länder gehören zu Europa. Für sie darf das nicht das Ende sein. Viel wird geholfen, das muß dankbar anerkannt werden. Aber erst wenn die Waffen schweigen fängt der Aufbau einer Friedensordnung für diesen Bereich an.


Die eigentliche Herausforderung kommt nach dem Krieg
Analyse von Arndt Ginzel, Leipzig (Quelle t-online, 11.06.99

Nach der Verabschiedung der UN-Resolution wird nun die internationale Friedenstruppe KFOR in Marsch gesetzt. Ein gefährliches Unternehmen, denn niemand kann dafür garantieren, daß die abziehenden serbischen Kräfte innerhalb der gesetzten kurzen Frist alle Minenfelder im Kosovo markiert haben. Zudem ist das unübersichtliche Gelände geradezu ideal für Heckenschützen. Der Zeitdruck seitens der KFOR-Kommandoführung ist verständlich. Zum einen darf kein Machtvakuum zugelassen werden, weil Übergriffe oder Racheakte der UCK an der serbischen Minderheit im Kosovo zu befürchten sind. Zum anderen zeigt der überraschende Einmarsch erster russischer Soldaten in Jugoslawien, daß dringend Klarheit in der Kommandostruktur der KFOR geschaffen werden muß.

Heimkehr der Flüchtlinge größtes Problem
Die geordnete Rückführung der Flüchtlinge aus Mazedonien und Albanien stellt gleichfalls eine große Herausforderung dar. Spätestens in dieser Phase dürften die Verantwortlichen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) mit dem eigenen Mißmanagment in den ersten Kriegswochen konfrontiert werden. Hunderttausende Kosovoalbaner retteten sich damals in die Nachbarstaaten. Gänzlich unvorbereitet wurden diese Länder anfangs von dem Flüchtlingsstrom überrollt. Die meisten Ankömmlinge wurden in dem Chaos nicht registriert. Eine geordnete Rückführung dürfte somit gewaltige Schwierigkeiten bereiten. Dennoch muß rasch gehandelt werden, denn bereits in drei Monaten werden die ersten Frostnächte in den Bergregionen des Kosovos erwartet. Bis dahin werden dort ausreichend winterfeste Unterkünfte gebraucht.

Wer regiert auf kosovoalbanischer Seite?
Die vom Westen geforderte Wiederherstellung eines autonomen Kosovo und die Stabilisierung der Region werden sich nicht kurzfristig erreichen lassen. Zunächst müssen im nunmehrigen internationalen Protektorat Kosovo Verwaltungen auf kommunaler und regionaler Ebene aufgebaut werden. Die Verantwortlichen der internationalen Gemeinschaft müssen sich schon heute fragen, mit wem sie dabei auf albanischer Seite zusammenarbeiten können. In der politischen und militärischen Führung der UCK sind die Machtrangeleien nach wie vor nicht beendet. Gleiches gilt für die Führung der Rugova-Partei LDK. Ein autonomer Status des Kosovos wird von beiden nur als Übergangslösung zu einem eigenen Staat angesehen. Schon deshalb wird ein dauerhaftes Engagement des Westens vonnöten sein.

Isolation Serbiens könnte Milosevic nützen
Um eine Stabilisierung der gesamten Balkan-Region zu erreichen, bedarf es großer Anstrengungen, Geduld und vor allem langfristiger Pläne. Ob das Kalkül des Westens aufgeht, Milosevic durch die Isolation Serbiens zu stürzen, ist zweifelhaft. Es läßt sich schwer abschätzen, wie stark seine Macht und der Rückhalt im Volk noch sind. Der Großteil der Opposition ist heillos zerstritten, doch genießen die Ultranationalisten der Radikalen Partei weiterhin Popularität. Es gibt keine politische Kraft, die Vorschläge für die Lösung der dringendsten Probleme unterbreitet hat.

Serbien liegt wirtschaftlich am Boden und leidet unter der Last von annähernd sechshunderttausend serbischen Flüchtlingen aus Bosnien und Kroatien, zu denen in den letzten Monaten noch etwa 100 000 aus dem Kosovo hinzugekommen sind. Ein Ausbleiben internationaler Hilfe würde spätestens mit Einbruch des Winters eine humanitäre Katastrophe auslösen. Im schlimmsten Fall führt dies zu einem Bürgerkrieg innerhalb Serbiens, der unter Umständen von neuen ethnischen Konflikten begleitet sein könnte.

Die politischen Verhältnisse werden sich in absehbarer Zeit nicht von allein in Richtung Demokratisierung entwickeln. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn der Westen aktiv die vorhandene demokratische Opposition in Serbien und die Regierung in Montenegro unterstützen würde. Eine stabile Friedensordnung und die Integrität Jugoslawiens lassen sich nur dann gewährleisten, wenn der Wiederaufbau mit dem Beginn des gesellschaftlichen Umbaus verbunden ist. Dabei müssen die Mängel an Rechtsstaatlichkeit, bestehende Demokratiedefizite und oligarchische Herrschaftsstrukturen beseitigt werden.

11.06.1999 21:25


"Stabilitätspakt" für den Balkan (Quelle: t-online,10.06.99)

Unter dem Eindruck des beginnenden Friedens haben sich in Köln die Außenminister der G8-Staaten, der Europäischen Union und der Balkan-Staaten mit Ausnahme Jugoslawiens getroffen, um den Stabilitätspakt für Südosteuropa zu verabschieden.

Bundesaußenminister Joschka Fischer erneuerte anschließend das Versprechen an die beteiligten Staaten, ihnen eine Beitrittsperspektive zur EU zu eröffnen und auch Jugoslawien in den Pakt einzubeziehen, sobald es sich zu demokratischen Prinzipien bekenne.

In dem vorgelegtem Papier heißt es nach einer dpa-Übersetzung unter anderem:

"Die Länder Südosteuropas sind sich der Verantwortung bewußt, innerhalb der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um eine gemeinsame Strategie für die Stabilität und das Wachstum der Region zu entwickeln und um miteinander und mit größeren Geldgebern zur Durchführung dieser Strategie zu kooperieren. Wenn die Gelegenheit genutzt wird, die strukturellen Mängel und ungelösten Fragen anzugehen, wird dies die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung in der Region beschleunigen...

- Wir wollen florierende Marktwirtschaften aufbauen..., die für eine deutliche Ausweitung des Außenhandels und Investitionen im privaten Sektor offen sind..., starke Kapitalmärkte mit unterschiedlichen Eigentumsstrukturen einschließlich Privatisierung, die zu mehr Wohlstand für alle unsere Bürger führen

- wir wollen die wirtschaftliche Kooperation zwischen der Region und dem übrigen Europa und der Welt fördern, einschließlich Freihandelszonen, wir wollen ungehinderte Kontakte zwischen den Bürgern fördern

- wir wollen das organisierte Verbrechen, Korruption und Terrorismus bekämpfen und alle kriminellen und illegalen Aktivitäten

- wir wollen die erzwungene Vertreibung der Bevölkerung verhindern, verursacht durch Krieg, Verfolgung und innere Unruhen. Dies gilt auch für Migration, die durch Armut verursacht wird

- wir wollen die sichere und freie Rückkehr aller Flüchtlinge und entwurzelten Menschen in ihre Häuser garantieren. Dabei wollen wir zugleich den Ländern in der Region bei der Verteilung der ihnen aufgebürdeten Lasten helfen

- wir wollen für die Länder in Südosteuropa die Bedingungen zur vollen Integration in die politischen, wirtschaftlichen und Sicherheits-Strukturen ihrer Wahl schaffen."

Weiter heißt es unter Punkt zwölf des Papiers:

"Dauerhafter Frieden und Stabilität und Südosteuropa wird es nur geben, wenn allgemein akzeptierte demokratische Prinzipien und Werte in allen Ländern der Region Wurzel fassen, einschließlich der Bundesrepublik Jugoslawien. Um die Bundesrepublik Jugoslawien diesem Ziel näher zu bringen, werden wir auch Wege überlegen, wie deren Bestandteile Nutznießer des Prozesses des Stabilitätspaktes werden können..."

Der Stabilitätspakt hat zum Ziel, die Länder in Südosteuropa bei ihren Bemühungen um Frieden, Demokratie, Achtung für die Menschenrechte und wirtschaftlichen Wohlstand nachhaltig zu unterstützen, um Stabilität in der ganzen Region zu erreichen. Die Durchführung dieses Prozesses erlaubt es denen, die wollen, auf diesem Weg zur Einbindung in die Euro-atlantischen Strukturen voranzukommen.

Dieses Ziel im Auge, vereinbaren wir folgende Kooperation:

- Die Verhinderung und die Beendigung von Spannungen und Krisen sind Voraussetzung für eine dauerhafte Stabilität. Dies bedeutet auch, daß wir unter uns multilaterale und bilaterale Abkommen abschließen und umsetzen und innenpolitische Maßnahmen ergreifen, das vorhandene Konfliktpotential zu überwinden.

- Wir wollen vollentwickelte demokratische politische Strukturen zustandebringen, die auf freien und fairen Wahlen basieren, im Rechtsstaat begründet sind und die Menschenrechte und fundamentalen Freiheiten achten, dazu gehören die Rechte für nationale Minderheiten, das Recht auf freie und unabhängige Medien, gesetzgebende Institutionen, die sich gegenüber ihren Wählern verantworten, unabhängige Gerichte, der Kampf gegen die Korruption und die Vertiefung und Stärkung der Bürger-Gesellschaft.

- wir wollen friedliche und gutnachbarliche Beziehungen in der Region schaffen durch strikte Beachtung der Prinzipien der Helsinki- Schlußakte, der Vertrauensbildung und Versöhnung, wir ermutigen die Zusammenarbeit in der OSZE und anderen Foren zum Aufbau von Maßnahmen des regionalen Vertrauens und Mechanismen der Sicherheitszusammenarbeit.

- wir wollen die multi-nationale und multi-ethnische Verschiedenheit der Länder in der Region bewahren und Minderheiten schützen.

10.06.1999 17:08


Militärabkommen zwischen Nato und Jugoslawien: Einzelheiten, Wortlaut (Auszüge) (Quelle:t-online, 10.06.99)

Das militärisch-technische Abkommen zwischen der Nato und Jugoslawien legt den Grundstein für einen Frieden im Kosovo. Es wurde nach langwierigen Verhandlungen zwischen Generälen beider Seiten auf der Basis des Friedensplans der G-8-Staaten ausgehandelt. Auszüge des Wortlauts des Abkommen stehen nach den Einzelheiten der Vereinbarung :

Einzelheiten:

- Die Nato und Jugoslawien bekräftigen das Friedensabkommen, das der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic am 3. Juni gebilligt hat. Darin ist die uneingeschränkte Stationierung von Friedenstruppen im Kosovo vorgesehen.
- Die serbischen Truppen im Kosovo müssen sofort einen Waffenstillstand einhalten.
- Sie müssen einen phasenweisen Rückzug aus dem Kosovo beginnen. Aus den nördlichsten von drei Zonen muß der Abzug innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen sein. Für den gesamten Abzug stehen elf Tage zur Verfügung.
- Die Nato wird die Luftangriffe aussetzen, sobald der Abzug nachprüfbar begonnen hat. Wenn alle Truppen das Kosovo verlassen haben, werden die Bombardements offiziell beendet.
- Die jugoslawischen Truppen dürfen im Kosovo keine Luftbewegungen mehr durchführen und müssen innerhalb von 24 Stunden ihre komplette Luftabwehr deaktivieren. Innerhalb von drei Tagen müssen alle Luftabwehrsysteme abgezogen sein.
- Während des Abzugs müssen die verminten Gebiete gekennzeichnet werden. Die Friedenstruppen erhalten entsprechendes Kartenmaterial. Später müssen serbische Truppen bei der Minenräumung helfen.
- Nach ihrem Abzug müssen die serbischen Truppen eine 4,8 bis 24 Kilometer (drei bis 15 Meilen) breite Pufferzone hinter der Grenze der Provinz einhalten.
- Die KFOR-Friedenstruppe wird sofort mit der Überwachung des Luftraums über dem Kosovo und der Pufferzone beginnen.
- Der Kommandeur der KFOR-Truppe ist die letzte Instanz, was die Interpretation des Abkommens oder anderer Sicherheitsbelange der Friedensvereinbarung betrifft.

Wortlaut (Auszüge)

Allgemeine Verpflichtungen:

---------------------------

1) Die Unterzeichner des Abkommens bestätigen ausdrücklich die Dokumente, die Präsident Ahtisaari Präsident Milosevic vorgelegt hat und die vom serbischen Parlament und der Bundesregierung am 3. Juni akzeptiert wurden. Dieses schließt die Stationierung einer effektiven internationalen zivilen und militärischen Präsenz im Kosovo unter Aufsicht der UN ein. Beide Parteien des Abkommens stellen außerdem fest, daß der UN-Sicherheitsrat bereit ist, eine Resolution in Hinblick auf diese Stationierung zu verabschieden.

2) Die Staatsführung der Bundesrepublik Jugoslawien (BRJ) und der Republik Serbien sind damit einverstanden, daß im Kosovo nach Annahme der Resolution durch den UN-Sicherheitsrat (...) eine internationale Sicherheitsstreitmacht (KFOR) stationiert wird, die dort unbehindert arbeiten kann. Sie ist bevollmächtigt, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um ein sicheres Umfeld für alle Bürger des Kosovo zu schaffen und zu erhalten und seine sonstigen Aufgaben zu erfüllen. Sie stimmen außerdem zu, alle ihre Verpflichtungen dieses Abkommens zu erfüllen, um die Stationierung und die Arbeit der Streitmacht zu ermöglichen.

(...)
4) Zweck dieser Verpflichtungen ist es:

a) ein dauerhaftes Ende der Feindseligkeiten herbeizuführen; unter keinen Umständen dürfen Truppen der BRJ und der Republik Serbien das Gebiet des Kosovo betreten, dort wieder einrücken, oder auf dem Gebiet des Kosovo sowie der Pufferzonen am Boden (fünf Kilometer) und in der Luft (25 Kilometer. A.d Übersetzers) ohne ausdrückliche Genehmigung des KFOR-Befehlshabers bleiben. Die örtliche Polizei darf in der Bodenschutzzone bleiben.

b) die Voraussetzungen und die Vollmacht für die internationale Streitmacht KFOR zu schaffen, alles zu unternehmen - einschließlich der Anwendung von Gewalt - um die Einhaltung des Abkommens sowie den Schutz der Truppen zu garantieren und ein sicheres Umfeld für die zivilen Kräfte zur Umsetzung des Abkommens sowie anderer internationaler Organisationen, Agenturen und Nicht-Regierungs- Organisationen zu schaffen.

Artikel II

Beendigung der Feindseligkeiten
-------------------------------

1) Die Streitkräfte der BRJ werden mit dem Inkrafttreten dieses Abkommens sämtliche feindseligen oder provokativen Handlungen gegenüber allen Personen im Kosovo beenden und ihre bewaffneten Kräfte entsprechend anweisen. Sie werden feindselige oder provokative Demonstrationen weder organisieren, noch ermutigen.

2) Die BRJ stimmt einem Rückzug aller ihrer Truppen aus dem Kosovo auf Positionen außerhalb des Gebietes in Serbien in Phasen zu. Minenfelder, Selbstschußanlagen und andere Hindernisse sollen klar markiert werden. Die BRJ-Truppen sollen während des Rückzugs diese Hindernisse entfernen und Minenfelder markieren.

Der Einmarsch der internationalen Sicherheitskräfte (KFOR) und ihre Stationierung in Kosovo soll synchronisiert werden. Der stufenweise Rückzug der BRJ Truppen erfolgt nach folgendem Plan:

a) einen Tag nach Inkrafttreten des Abkommens sollen Truppen in Zone 3 diesen Bereich verlassen haben. (...) Sobald dies verifiziert ist, werden die Luftangriffe der Nato ausgesetzt. Die Aussetzung dieser Angriffe wird andauern, vorausgesetzt die Bedingungen des Abkommens werden vollständig erfüllt und vorausgesetzt, der UN-Sicherheitsrat stimmt der Resolution im Zusammenhang mit der Stationierung der KFOR so schnell zu, daß eine Sicherheitslücke vermieden werden kann.

b) Sechs Tage nach Inkrafttreten sollen alle BRJ-Truppen Zone 1 verlassen haben. (...)

c) neun Tage nach Inkrafttreten des Abkommens sollen alle BRJ-Truppen die Zone 2 verlassen haben.

d) Elf Tage nach Inkrafttreten sollen alle BRJ-Truppen Zone 3 verlassen haben.

e) Am 11. Tag nach Inkrafttreten werden sich alle BRJ-Truppen aus dem Kosovo auf Positionen in Serbien außerhalb der 5-Kilometer- Sicherheitszone zurückgezogen haben. (...) Die Nato-Luftangriffe werden nach dem vollständigen Abzug der BRJ-Truppen entsprechend der Vereinbarung in Artikel II endgültig beendet. Die KFOR behält das Recht, die Einhaltung dieser Vereinbarungen, falls nötig, zu erzwingen.

10.06.1999

 

 

Dr. Ernst Leuninger

 

 

Ich habe die Stadt (Pec/Peje) nicht wiedererkannt

Ernst Leuninger, Bosnien-Kosovo-Beauftragter des Bischofs von Limburg

Aus dem Protokoll meiner  Reise nach Skopje, Przren vom 28. Juni bis 2. Juli 1999

 29. Juni 1999

Hl. Messe, 8,00 Uhr Abfahrt mit VW-Bus von Caritas-International nach Przren.

Die Straße im Kosovo ist rechts und links oft vermint, Etwa 15 km hinter der Grenze treffen wir nur noch zerstörte Dörfer an. Gelegentlich Fabriken und Militärstationen, die durch Natoeinsatz zerbombt wurden. Insgedamt wirkt das land völlig zerstört. Hinzu kommt noch das, was in wenigen tagen nicht zusehen ist, die Morde und Grausamkeiten.

Erste Station ist Urosovac. Der Pfarrer ist für Caritas zuständig. 500 Menschen hatten sich auf das Gelände der Kirche geflüchtet. Es wurden jetzt Lebensmittel verteilt. Viele zerstörte Häuser. Viele Leute sind zurück. Serben gehen. Unterwegs sehen wir UNHCR-Busse, die Vertriebene zurückbringen. Auf einigen Feldern wird geerntet. Wegen der Ernte und wegen der Unsicherheit um ihre Angehörigen und auch den verbliebenen Besitz kehren die Menschen zurück. Das Lager Stankowec beherbergte um Pfingsten fast 30.000 Vertriebene, jetzt wird es geschlossen.

Przren. Die Stadt wirkt eher unzerstört und sehr geschäftigt. Die Präsenz der Bundeswehr ist deutlich. Ich besuche dort den Bischof, der in der Stadt geblieben ist. Er lädt unseren Bischof zum Fest Maria Himmelfahrt am 15. August ein.

Wir fahren nach Djakovica. Dies ist eine sehr zerstörte Stadt. Die Straßenzüge sind systematisch zerstört worden. Von dort geht es weiter nach Pec. Unterwegs sehen wir Traktoren mit Rückkehrern, aber auch Traktoren mit Plünderern. Das Bild, wie es von Bosnien bekannt ist. Nachts sehen wir einige Häuser, die abgefackelt werden. Die NATO ist dagegen rein aus der Personalstärke überfordert., so sagen es die Italiener, die für dieses Gebiet zuständig sind.

Wir kommen nach Pec (Peje). Ich erkenne die Stadt nicht wieder, bis mir eine Mutter Theresa-Schwester sagt: Sie waren im Januar doch schon einmal hier. Pec, die religiöse Hauptstadt der Serben wirkt bis auf wenige Ausnahmen völlig zerstört. Pec hatte vor dem Krieg etwa 90.000 bis 100.000 Einwohner, davon 80% Albaner und 15% Serben. Es kommen noch Montegrenier und andere dazu.

Anschließend fahren wir zum Kloster der Orthodoxen. Ein sehr altes Ensemble. Der Patriarch Pavle residiert zur Zeit, ist seit einigen Tagen dort. Wir werden freundlich empfangen. Pavle gehört jetzt zur Opposition, obwohl er früher das Regime unterstützt haben soll. Ohne eine Versöhnung zwischen Serben und Kosovoalbanern wird auf Dauer ncihts gehen. Das ist noch eine schwerer Weg.

01. Juli 1999: Besuch im Lager Stankovec I. Besuch bei Schwester Barbara aus Limburg. Das Lager befindet sich in Auflösung. Etwa noch 1/3 belegt. Sr. Barbara rechnet noch diese Woche mit einem Einsatz in Totova oder einem anderen Lager.

Nachmittags Gespräch mit JRSL (Jesuit Refugee Service). Ein junges Team das sich um Flüchtlingsarbeit bemüht.

Der Einsatz des Bistum wird vor allem in der Mithilfe am Hausbau nach Möglichkeit in Pec/Peje geschehen, dabei wird die Hilfe der Caritas internationalis in Anspruch genommen.

 

Dr. Ernst Leuninger 17.08.99

Pressebericht Besuch Bischof in Skopje/Kosova/Letnica 15.8.1999

„Sie sollten wieder zusammenkommen, wie es früher war!

Das sagte Bischof Franz Kamphaus in Letnica im Kosova anläßlich einer Wallfahrt am Feste Maria Himmelfahrt, zu der ihn Bischof Mark Sopi von Przren eingeladen hatte. Früher kamen 15.000 Menschen zu dieser Wallfahrt, diesmal waren es schon wieder 4000. Es fehlten neben den gekommenen Katholiken und Muslimen fast alle Serben und Roma. Auch sie nahmen sonst immer an dieser Wallfahrt teil. Die Muslime konnte man daran erkennen, daß sie ihre Schafe dreimal um die Kirche führten. Bischof Kamphaus machte deutlich, daß es im Interesse von Christen sein müsse, daß alle wieder hierher kommen könnten und kämen. Christen müßten versöhnen und das gemeinsame Gebet wünschen.

Die Reise, gemeinsam mit Dr. Ernst Leuninger, dem Kosova-Beauftragten des Bischofs, führte über Skopje nach Letnica vorbei am Lager Stankovac in Macedoien, das der Bischof im April besuchte. Es waren damals fast 30.000 Vertriebene im Lager, jetzt ist es aufgelöste, im Nachbarlager sind zur Zeit etwa 1000 geflüchtete Roma und etwa 2000 Serben. Die Caritas bemüht sich auch um diese Menschen. Auch in der Lebensmittelverteilung im Kosova werden von der Caritas gezielt serbische Dörfer beliefert. Auch dies dient einer Versöhnung.

Der Zerstörungsgrad im Land ist unterschiedlich aber insgesamt sehr hoch. Aber überall spürt man die Bereitschaft zum Aufbau. Es wird aufgeräumt, Dächer werden repariert, Fensten gesichert. Was im Lande vor allem fehlt ist die Verwaltung. Strom und Wasser funktionieren an vielen Orten, aber bei der Müllabfuhr fangen die Probleme schon an. Zu sehen waren die ersten internationalen Polizisten im Einsatz. Allenthalben ist aber noch die KFOR präsent.

Besonders zerstört ist die alte Stadt Pec/Pejë. Hier oder vielleicht auch an anderen Orten soll in Absprache mit der dortigen Kirche die Aufbauhilfe des Bistums Limburg Ende August beginnen." Ein Dach über dem Kopf und zwei Zimmer", das ist das Konzept, das sich auch in Bosnien bewährt hat. Dafür soll eine Anzahl von Familien gesucht werden, darunter auch muslimische Familien, die das Geld durch Materialspenden vor allem, zur Verfügung gestellt bekommen. Selbsthilfe ist angesagt. Etwa 10.000 DM werden pro Haus eingesetzt. Gedacht ist an arme Familien mit Kindern, die kein Einkommen in reichen Ländern haben. Diese Aufbauform wird auch von andern Organisationen durchgeführt, so von der Deutschen Caritas in einem Ort mit zweihundert Familien, in dem es keine Männer mehr gibt, weil sie alle im Krieg getötet wurden.

Auf dem Heimweg wurde die alte serbische Kirche in Decani besucht. Ein serbischer Mönch führt die Gruppe. Bau und Fresken sind aus dem 14. Jahrhundert. Gebaut wurde die Kirche von einem Franziskaner. So geschah damals friedlich geistiger Austausch, das muß auch heute wieder möglich werden.

Nach der Trauer und der ersten Aufbauabuarbeit ist ein intensive Versöhnungsarbeit nötig. Es darf eigentlich nichts geschehen, was die Gräben noch vertieft. Wie tief diese Gräben sind erfuhren wir selbst, als wir auf der Fahrt nach Przren an einem neu entdeckten Massengrab vorbeikamen, das gerade von einer internationalen Kommission untersucht wurde.

Auch bei einem Besuch bei der Bundeswehr in Przren erfuhr der Bischof, das bei einer anderen Wallfahrt am Sonntag ein Soldat niedergeschossen wurde aber Gott sei Dank am Leben blieb. Die deutschen Truppen entwickeln neben ihrer Sicherungsarbeit auch Mithifle bei der Aufabuarbeit. Ein großes Problem stellt dabei die Minenräumung dar.

Insgesamt ist aber bei den Menschen, mit denen wir sprachen der Wille zum Frieden da. Diesen gilt es zu fördern Es gibt aber auch sehr viele Not. Vor allem alte Menschen fürchten sich vor dem Winter, sie brauchen warme Kleidung und Heizmaterial. Hier wird Hilfe nötig.

 

Kühe für den Kosowo - Wiederaufbau in einem zerstörten Land

Bericht von Dr. Ernst Leuninger einer Reise in den Kosowo vom 21.-24. September 1999

Den Bauern im Kosova muß bei dem Wiederaufbau ihrer Existenz geholfen werden. Finanziell sind die meisten dazu nicht in der Lage. Deshalb übergab Dr. Ernst Leuninger bei einem gemeinsamen Besuch mit seinem Bruder Pfarrer Herbert Leuninger in Pec/Pejë einem Bauern, der vor dem Krieg drei Kühe besaß, das Geld für zwei Kühe mit der Auflage, daß zwei Mutterkälber innerhalb von drei Jahren weiter gegeben werden. Beim Schlachten darf nicht geschächtet werden, was auch weithin bei den Muslimen im Lande nach Aussage eines Agrarfachmanns nicht mehr üblich ist und bald gesetzlich abgeschafft werden sollte.

Der Bauer hatte mit seinen zwei Brüdern eine Haus gebaut, das nun im Innenraum mutwillig ausgeraubt, zerstört und mit brennendem Öl ausgebrannt worden ist. Ein Schicksal von vielen. Die Familie war noch froh, daß sie mit dem Leben davon gekommen war, jetzt wohnte sie mit ihren drei kleinen Kindern im notdürftig dafür hergerichteten Stall. Ihnen soll zum Wiederaufbau des Hauses eine Anschubfinanzierung gegeben werden. Hoffentlich sind die notwendigen Baumaterialien noch vor dem Ausbruch des Winters in 14 Tagen bis drei Wochen zu erhalten. Es gibt verständlicherweise Engpässe in den Materialien und den Transportkapazitäten.

Das Bistum Limburg wird sich in Absprache mit dem Bistum im Kosova, der dortigen Caritas und dem zuständigen Pfarrer im Hausaufbau in Pec/Pejë engagieren. Das Konzept lautet wie in Bosnien: „Dach über dem Kopf und zwei Räume". Die Aufbauarbeit wird umfangreich in Selbsthilfe geschehen. So können mit Kollektenmitteln für etwa 50 Häuser die Renovierung mit finanziert werden. Hinzu kommen noch einmal 15-20 Häuser, die über das Spendenkonto des Diözesancaritasverbandes finanziert worden sind. Das Bistum wird sich außerdem noch in der Anschaffung für Kleidung und Heizmaterial für den Winter engagieren.

Ernst Leuninger war inzwischen seit Januar das 5. Mal in der Region und viermal im Kosova. Die Kontakte laufen über den Bischof Marko Sopi von Przren. Die Situation wirkte trotz aller Probleme in Przren z.B. viel entspannter als im August geschweige denn als im Juni. Abends flanierten viel Menschen auf der Straße. Nur die serbische Kirche war von deutschen KFOR-Einheiten scharf bewacht. In Przren ist nur ein Stadtteil zerstört. Das lag wohl an den serbischen Stadtverantwortlichen, die immer wieder darauf hingewiesen haben, dass Przren für die Geschichte der Serben und des Landes eine so wichtig Stadt sei, die nicht zerstört werden dürfe.

Ganz anders in Pec/Pejë, diese Stadt wurde systematisch zerstört, bei der Moschee beginnend bis in die Außenbezirke, nahezu Haus für Haus und Straßenzug für Straßenzug. Eine europäische Kuturschande, so kann man nur sagen. Überall aber sind die Menschen wieder bemüht, aufzuräumen und sich einzurichten. Schlimmer sieht es auf dem Land aus, wo der Krieg herrschte, hier kommen zu den Zerstörungen noch die vielen Morde hinzu.

Angesichts des Ausmaßes des Zerstörens und Mordens ist es fast erstaunlich, daß der Prozess der Beruhigung Fortschritte macht. Segensreich wirken dabei die KFOR-Truppen aber auch die internationale Polizei aus. Nach Einschätzung von Kennern der Situation, auch aus dem Kosova selbst, wird sich politisch wohl eher die gemäßigte Linie durchsetzen. Viele Menschen wollen zuerst Frieden. Die Frage bleibt: „Wie wird es endgültig weitergehen?" Ein einfaches zurück nach Serbien, wenn auch mit gewissen Freiheiten, scheint endgültig von den Politikern Serbiens verspielt zu sein.

Die verbliebenen Dörfer der Serben werden von der KFOR bewacht. Die Menschen können nicht heraus. Aber in den serbischen Dörfern selbst, durch die wir fuhren, entwickelt sich wieder Leben auf der Straße, das war im August noch nicht so. Überall, nicht nur in diesen Dörfern, sieht man die internationalen Lebensmittelausgaben. Die internationalen Hilfsorgansiationen leisten unermeßliches. Dieses betonte ein islamischer Helfer aus dem Kosava und er wies darauf hin, dass vor allem Caritas und katholische Kirche aus der ganzen Welt an vorderster Stelle stünden.

6. Reise vom 31.01.-03.02.2000 - erste Schritte zur Normalisierung

Diese Reise hatte vor allem zwei Ziele. Einmal sollte nachgesehen werden, was aus dem Wiederaufbau in Pec/Pejë geworden war. Zum anderen sollte geprüft werden, wie etwa 100 Kühe im Raum von Pejë in den Dörfern untergebracht werden können.

Die Reise ging erstmalig nach Pristina von da mit dem Auto über nach wie von Minen geschädigte Straßen nach Przren. Von dort fuhr ich dann mit dem Caritasdirektor nach Pejë. Mit dem kath. Pfarrer von Pejë besuchte ich eine Reihe von äußerst zügig wieder hergerichteten Häusern (Dach und zwei Zimmer). 58 waren in Renovation, 24 vor dem Kälteeinbruch fertig geworden. Wir hatten mit viel weniger gerechnet. Über 60% der Häuser gehören Muslimen, der Rest Katholiken.

Das geschickte Management durch die Pfarrei hatte dies möglich gemacht. Mitgewirkt hatte ein Bauingenieur. Es wurde keine Geld, nur Material ausgegeben. Mit vier Häusern, die über die Caritas Makedonien renoviert wurden und etwa 12 Häusern über die deutsche Caritas wurden vom Bistum Limburg aus Kollekten und Spendenmitteln 74 Häuser wieder bewohnbar gemacht. Viele Menschen konnten dadurch den schneereichen und kalten (bis 20°-) Winter besser überleben. Das Aufbauprogramm wurde zu einem vollen Erfolg.

Weiterhin wurde geprüft, wo und wie am besten die Mittel für bis 100 Kühe eingesetzt werden können. Damit soll Bauern, die ihr Vieh im Krieg verloren haben, geholfen werden. Sie erhalten eine, bei größeren Familien zwei Kühe. Diese werden auf ortsnahen Viehmärkten gekauft. Die Bezahlung durch die Bauern erfolgt innerhalb von drei Jahren an die Caritas durch ein bzw. zwei gesunde Mutterkälber. Die Caritas gibt diese Tiere an andere Bauern weiter. Organisiert wird dies von der Caritas Kosova, der Pfarrei Pejë und die Beratung erfolgt durch  einen örtlichen Agrarfachmann.

Ganz vorsichtig sind Schritte zur Normalisierung zu sehen. Die Menschen richten sich ein und bauen mit ihren Möglichkeiten auf. Das geht in manchen Fällen recht zügig, da die albanische Großfamilie funktioniert, ein Familienmitglied arbeitet möglichst irgendwo in Westeuropa, damit ist etwas Geld da. Die Zerstörung von 60% im Land, vor allem des albanischen Wohnbestandes, ist immer noch immens. Ohne die KFOR geht nichts. Die Wunden sind zu groß. 13.000 durch das serbische Militär Ermordete und ihre Gräber sind nochzu präsent. Gott sei Dank geht die Rache nicht in gleichen Dimensionen vor sich. Die Gräben sind aber sehr tief. Etwa 500 Menschen sind nach dem Krieg ermordet worden, nach einer Schweizer Organisation etwa 40% von serbischen Terroristen, 40% von radikalen UCK-Anhängern und 20% von der Mafia, die in diesen Gebieten ein großes Problem darstellt. Leider ist der Aufbau der internationalen Polizei sehr schleppend, da es vor allem Sprachprobleme gibt, es gibt z.B. zu wenig deutsche Polizisten, die englisch sprechen können.

Schlimm ist, daß das serbische Militär die Minenlagepläne nicht herausgibt. Die Minen müssen einzeln gesucht werden. Die Menschen schlagen sich mit eigener und internationaler Hilfe so durch. In den Städten, in denen ich war, funktionierte der Strom, vier Stunden am Tag fiel er aber wenigsten aus. Wasser läuft dann auch nicht mehr. Geschäfte arbeiten dann mit Notstromaggregaten. Lebensmitteln werden oft noch von karitativen Organisationen beschafft. Die Autos sind überwiegend nicht versteuert und versichert, es ist niemand da, der Steuern einnimmt, eine UN-Organisation baut dies nun auf. Alles wurde ja bisher von Serben organisiert.

Die Menschen wollen überwiegend Frieden, der Weg ist aber weit. Es scheint sich politisch die gemäßigte Linie durchzusetzen. Aber internationale Hilfe und Sicherung ist noch lange nötig.

Der Heimflug ging dann über Skopje. Dort wurden die alten Freunde von der Caritas Makedonien besucht. Sie bemühen sich zur Zeit vor allem um die geflüchteten Zigeuner, die oft unregistriert bei Verwandten untergekommen sind. Alle leben dann in der Regel in großer Not.

Ohne Mithilfe des restlichen Europas lassen sich in diesem Teil Europas auf Dauer keine stabilen Verhältnisse einrichten. Das muß mehr in den Blick kommen.

7. und 8. Besuch

Der Herr Bischof hatte bei seinem letzten Kosovabesuch die Nena Tereza Schule für Gehörlose (Nena-Tereza-Schule) kennen gelernt, die vom Deutschen Caritasverband wiederaufgebaut wird. Hier geht es um die Förderung eines ergänzenden Kindergartens für hörbehinderte Kinder durch das Bistum.

Blick in den Kindergarten

Im April 04 beim 8. Besuch wurde der fertig gestellte  Besuch des Kindergartens. Er ist im Januar in Betrieb gegangen. Es st ein integrativer Kindergarten mit 60 Kindern in zwei Gruppen, davon 5 Gehörgeschädigte 7 Körpergeschädigte, auch Mehrfachbehinderte und 15 gesunde Kinder. 


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Geändert: 15.02.2000  Dr. Ernst Leuninger

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