LAWA ein Projekt der Entwicklung
in Nigeria
LÄNDLICHER
AUFSCHWUNG IN WESTAFRIKA (LAWA) EINE
VORSTELLUNG VON GEOFFREY
MADUABUCHI AGUIGWO 6.
JUNI, 2002 4. Warum ist LAWA so wichtig ?
6. Die Entwicklungsphase von LAWA
1.
Was ist LAWA ?
Der
globale Terrorismus wird heute eine zunehmende Gefahr für die Menschheit.
Einige Menschen bemühen sich ständig, diese Gefahr einzudämmen.
Das ist gut und sehr wichtig. Der Terrorismus soll nicht Teil unserer Welt
sein. Unrecht
und Armut könnten ein Teil der Ursache des Terrorismus sein. So könnte
es sinnvoll sei, damit anzufangen, effektivere Strategien gegen globales
Unrecht und Armut zu entwickeln. Es gibt heute schon zu viele Probleme in
allen Bereich der Welt, etwa, in Wirtschaft oder Politik. In den meisten
Regionen der Welt herrschen Armut, Elend, und Not, besonders in den
unterentwickelten Ländern.
Wenn diese Probleme nicht wahr genommen werden und nichts dagegen
unternommen wird, führen sie auch in Zukunft zu Gewalt und Terrorismus. Leider
gibt es Menschen, die behaupten, dass man sich nicht
um Armut und sozialen Probleme in der Welt zu kümmern braucht. Sie
sagen, es ändere sich ja doch nichts, trotz aller Spenden und Hilfe. Es
sind immer dieselben Geschichten von Hunger und Katastrophen,
die man hört. Diese Meinung stimmt nicht. Die Bemühungen vieler
Menschen, die Armut zu lindern, haben vielerorts durchaus Gewicht und nützen
sehr wohl. Die oben skizzierte Meinung kann aber zeigen, dass noch sehr
viel zu tun ist, um das Problem der Armut in der Welt zu beseitigen,
ganz besonders *in den unterentwickelten Ländern. Wenn
man beginnt, nur einige Probleme der Welt zu lösen, hat man schon viel für
die gesamte Menschheit geleistet. Es ist besser, einfach eine kleine Kerze
anzuzünden, als sich lautstark über die Dunkelheit zu beschweren.
Deshalb ist "Ländlicher Aufschwung in West-Afrika"
(LAWA) der Versuch,
die Probleme von Armut und Elend anzugehen, angefangen "in den ländlichen
Gemeinden von Westafrika. 2. Die Entstehung von LAWA
LAWA
hat einen einfachen Beginn. Sie entstand aus einem Gespräch zwischen
Pastor Anton Scheuß und Kaplan Geoffrey
Aguigwo, einem katholischen Priester aus
Nigeria. Es fand
am 21. September 1999 in Düsseldorf Eller, Deutschland, statt. Zusätzlich
zu seinen Seelsorgsaufgaben baut Pastor Scheuß in einem Garten Gemüse
an. Aus dem Erlös seiner Erzeugnisse hilft er Menschen in mehreren
Entwicklungsländern. Die Gespräche mit ihm kreisten um den Lebensstandard
in den ländlichen Gegenden Westafrikas.
Kaplan Aguigwo erzählte
ihm, wie schwer das Leben für die Landbewohner in diesen Gebieten ist und
die beiden kamen zu dem Schluss, dass etwas für diese Menschen getan
werden muss. Kooperativen zu gründen, war ein Teil ihrer Überlegungen. Diese
Gedankengänge haben Kaplan
Aguigwo veranlasst, weiter
zu forschen, damit den ländlichen Gemeinden, wie im unterentwickelten West-Afrika,
geholfen werden kann. Die Forschung führte ihn
in verschiedene
Länder, und er sammelte für dieses Projekt viele Ideen. Seither haben
viele Menschen mit ihren Ideen und technischer Hilfe
dazu beigetragen, aus LAWA ein reales Projekt zu machen. 3. Die Koordination von LAWA
Kaplan Geoffrey
Aguigwo ist der Koordinator von LAWA. Bevor er in Europa und
Amerika studierte, hatte er in seiner Heimatdiözese die Aufgabe,
Geldmittel und sonstige Ressourcen zu verwalten. Sie bot ihm die
Gelegenheit, den Menschen auf dem Land nahe zu kommen, und zu erfahren,
wie sie ihren Alltag erleben. In
seiner Diplomarbeit in Philosophie beschreibt er die Bedeutung der
menschlichen Existenz auf der Erde. In seiner Diplomarbeit in Theologie
spricht er über Gott und sein Reich
Hier ist er dann auch zu der Überzeugung gekommen, dass eine
direkte Verbindung zwischen dem konkreten und sichtbaren Menschen und
dem abstrakten und unsichtbaren Gott besteht. In
seiner Doktorarbeit in sozial‑pastoraler
Theologie (Deutschland) geht es um das Thema, wie der Mensch ganz
konkret in dieser Welt voll Unruhe und Not mit dem abstrakten Gott in
Verbindung treten kann. Gott hat in seinem Sohn Jesus Christus Fleisch
angenommen. Dieses Ereignis wird in jeder Generation neu betont. Es hebt
die Notwendigkeit hervor, in unseren Mitmenschen Gott zu sehen und ihm in ihnen zu dienen. Man
soll Gott in alltäglichen Erfahrungen entdecken. Heute fehlt es vielen
Menschen am Lebensnotwendigen. Viele leben in tiefer Not und Entbehrung.
Man kann daher diesen abstrakten Gott konkret durch die leidenden
Menschen erfahren. In
seiner Arbeit in
Betriebswirtschaft (USA) hat Kaplan Aguigwo die Verbindung zwischen dem
Wort Gottes und dem täglich benötigten Brot für die Menschen
untersucht. Das bedeutet, dass der Mensch, der das Wort Gottes hört, auch
etwas im Magen haben muss. Ein leerer Magen kann nicht aufmerksam zuhören.
Deswegen ist es so wichtig, den Menschen zu helfen, ihr tägliches Brot zu
sichern, damit sie richtig zuhören und das Wort Gottes verstehen können.
Es ist wichtig, die Religion und das wirtschaftliche Leben in eine
engere Verbindung zu bringen. Wirtschaft oder Geschäfte beinhalten
eine richtige Verwaltung der Ressourcen, der menschlichen wie der
materiellen, und insbesondere der finanziellen. Auf diesem Grund hat
Kaplan Aguigwo eine spezielle
Ausbildung "in Finanzmanagement an der London School of Economics
and Political Science (England)
absolviert. Er hat also unterschiedliche kulturelle Hintergründe
erfahren: in Afrika, Europa und Amerika. Er ist der Meinung, dass ein
tieferes Verständnis und eine gute Beziehung unter den Menschen
verschiedener Kulturen und Rassen sehr wichtig und auch möglich ist. Es
soll unter den Menschen Solidarität entstehen und gefördert werden.
Kaplan Aguigwo, der Koordinator von LAWA, hat alle seine Studien und seine
Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Jetzt ist es für ihn an der Zeit,
nach Nigeria zurück zu gehen und seine Koordinationstätigkeit
aufzunehmen. Er
freut sich sehr auf die bevorstehende Aufgabe. Es werden auch Menschen
gesucht, die mit ihm in Verbindung bleiben und die Arbeit von LAWA mit
Ideen, finanziell und durch ihr Gebet unterstützen. 4. Warum ist LAWA so wichtig ?
Ein
Ausländer, der einfach nur die GroßstädteWestafrikas
besucht, könnte glauben, dass diese Länder hoch entwickelt sind. Tatsächlich
aber sind die ländlichen Gemeinden in Westafrika
alle völlig unterentwickelt sind. Und es gibt mehr ländlichen
Gemeinden als städtische. Die Länder Westafrikas
sind daher zum größten Teil ländlich geprägt. Sie werden eher
als Geburtsort und Ort für die Gräber der Vorfahren betrachtet und nicht
als ein Ort, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Und doch lebt der größte
Bevölkerungsteil Westafrikas
auf dem Land. Man
kann mit Fug und Recht behaupten, dass es «in den ländlichen Gebieten
Westafrikas keine Regierungsvertretung gibt. Die Menschen dort bleiben
sich selbst überlassen. Sie sehen die Politiker, wenn die Stimmen
sammeln, um ihr Mandat zu sichern und, sie halten dabei lange, aber leere
Reden und Versprechungen. Sie sehen die höheren Regierungsbeamten
nur, wenn sie kommen, um ihre Macht und glanzvollen Positionen zu
demonstrieren und dabei weitere leere Versprechungen abgeben. Die Menschen
in den ländlichen Gemeinden erfahren die niedrigeren Regierungsbeamten,
nur wenn sie die Abgaben für Leistungen kassieren, die nie erbracht
worden sind. Diese
bedauernswerten Landbewohner leben praktisch allein gelassen und ganz
auf sich gestellt. Das wenige,
was sich weiter entwickelt, geschieht durch ihre gemeinsamen Anstrengungen
und ihren Schweiß. Diese Menschen leben sehr einfach. Sie sind in der
Regel einfache Bauern, es gibt einige Arbeiter und nur wenige Beamte. Die
Mehrzahl von ihnen ist ungebildet oder nur halb gebildet. Die Regierungen
der westafrikanischen Länder
können nicht ohne weiteres zu Änderungen veranlasst werden. LAWA
beabsichtigt, die Landbewohner in ihrem Überlebenskampf zu unterstützen.
Ganz allmählich will LAWA die Regierungen der westafrikanischen
Länder dazu bringen, ihren Bürgern gegenüber Verantwortung zu
übernehmen. Wieder
ist zu betonen, dass jede wirksame Entwicklung in Westafrika
heute nur von den ländlichen Gebieten ausgehen kann. Die Städte
sind übervölkert. Viele Menschen, die dort wohnen, tun praktisch nichts
und sehr viele haben keine richtige Unterkunft. Die Regierung kennt gar
nicht die Zahl der Menschen, um irgendwelche sozialen Verbesserungen
planen zu können. Wenn in den ländlichen Gebieten der Lebensstandard
angehoben wird, werden die Menschen nicht länger danach streben, in die
Städte zu flüchten, wo sie keine Arbeit haben. Diejenigen, die schon in
den Städten sind, könnten
erwägen zu einem besserem Leben aufs Land zurückzukehren. Nur wenn die
massive Flucht der Menschen in die Städte gestoppt wird, ist es möglich,
in den westafrikanischen Städten
wirksame Entwicklungsmaßnahmen zu
ergreifen. 5. Die Ziele von LAWA
i.
Nahrungsversorgung Viele
Menschen im ländlichen Westafrika leiden wirklich Hunger. Viele erleben
Not und Sorgen und fragen sich, wo sie die nächste Mahlzeit hernehmen
sollen. Die chronisch Kranken, die alten Menschen ohne Kinder, die, mit unzureichender
oder gar ohne Arbeit leiden großen Hunger. Es gibt in diesen Ländern keine
soziale Absicherung. Dazu
kommt, dass das System der Großfamilie,
das solche Menschen unterstützen könnte, in immer
schnellerem Maß an Bedeutung verliert. Damit überhaupt ein Plan, der ländlichen Bevölkerung zu helfen, Wirkung zeigen kann, müssen die Menschen zuallererst ernährt werden, um am Leben zu bleiben. LAWA will deshalb den Menschen in ländlichen Gebieten, die wenig zu essen haben, unmittelbar etwas zu essen zur Verfügung zu stellen. LAWA regt an, dass diejenigen, die Überschüsse haben, aus Nächstenliebe denen helfen, die nicht genug haben. Manchmal ist das Problem aber nicht der Mangel an Nahrung, sondern die richtige Zubereitungsmethode. LAWA wird auch Aufklärungskampagnen organisieren, damit die ländliche Bevölkerung in Westafrika ihre Ernährungsgewohnheiten verbessern kann. LAWA will auch helfen, den landwirtschaftlichen Ertrag zu erhöhen, wie später noch erklärt werden wird. II.
Trinkwasserversorgung Einige
der Menschen im ländlichen Westafrika
haben Zugang zu Bächen und Quellen, doch ist dieses Wasser kein
gutes Trinkwasser. Deshalb bekommen die Menschen dort oft
Krankheiten, deren Ursache schlechtes Wasser ist. Viele ländliche
Gemeinschaften haben überhaupt keine Bäche oder Quellen. Sie müssen
große Entfernungen zurücklegen, um Trinkwasser zu holen. Man kann sich
leicht die damit verbundenen Schwierigkeiten vorstellen. LAWA
beabsichtigt den Landbewohnern zu helfen, ihre Bäche und Quellen
in einen guten
Trinkwasserzustand zu bringen. Hierzu können einige einfache
Vorrichtungen gebaut werden. Es wird den Menschen auch helfen, ihre Bäche
und Quellen sauber zu halten. LAWA will sie unterstützen, Tanks zu kaufen
oder zu bauen, um das Wasser in Regenzeiten aufzufangen und zu speichern,
damit sie es in Trockenzeiten nutzen können. Wo es möglich und sinnvoll
ist könnte LAWA auch helfen, Brunnen zu bohren, um so Wasser zu gewinnen. iii. Versorgung mit
Kleidung Viele
Menschen auf dem Land haben nicht genug Geld, um Kleidung zu kaufen. Einige
haben Kleidung, die sie nicht benutzen. LAWA
nimmt sich vor, das Problem von zwei Seiten anzugehen. Erst einmal
will sie, dass die Menschen, die Kleidung haben, die sie nicht länger
benutzen, sie denjenigen zur Verfügung stellt, die nicht genug haben. Es
könnte eine Art Kleiderkammer eingerichtet werden, aus der diejenigen,
die nicht genug zum Anziehen haben, versorgt werden. Als Plan für
die Zukunft ist vorgesehen, dass LAWA einheimische, einfache und
preiswerte Stoffe für Kleidung herstellen lässt. iv. Medizinische
Versorgung Die
meisten ländlichen Gemeinden von Westafrika
haben keine Gesundheitsfürsorgeeinrichtungen:
keine Krankenhäuser, keine Arztpraxen, keine Entbindungsstationen.
Das Beste, das sie erhalten können, sind die Dienste von nicht
ausgebildeten Apothekern und die Arzneimittel, deren Haltbarkeitsdatum längst
abgelaufen ist. Außerdem sind sie für die Landbewohner auch sehr teuer
zu kaufen. Die ländlichen Gemeinden sind
meist sehr weit von den Städten entfernt, in denen sich ein
Krankenhaus befindet. Zudem sind die Straßen in schlechtem Zustand. Bei
einem Unfall oder Notfall müssen
die Menschen zusehen, wie jemand stirbt, ohne dass er medizinische Hilfe
bekommen könnte. Wenn man auch noch die Risiken in Betracht zieht, denen
diese Menschen normalerweise tagtäglich
bei ihrer harten Arbeit von Hand ausgesetzt sind, kann man sehen,
wie ernst ihre Lage ist. Auch deshalb ist die Lebenserwartung der ländlichen
Bevölkerung Westafrikas sehr
niedrig. Tausende von Kindern sterben während ihrer ersten LebensJahre. LAWA
wird sich darauf konzentrieren, kleine Hütten als Praxen und Apotheken
einzurichten oder einfach irgendwelche geeigneten Orte zu suchen, in denen
der ländlichen Bevölkerung medizinische Hilfeleistungen von
ausgebildetem medizinischen Personal regelmäßig zu angemessenen Preisen
verabreicht werden kann. Das könnte wöchentlich oder alle 14 Tage
erfolgen. Dies wäre billiger und leichter zu handhaben als große
Krankenhäuser zu bauen, die keine Ausstattung und kein
geschultes Personal hätten und erheblich teurer wären. v. Versorgung mit
Unterkunft In
den ländlichen GemeindenWestafrikas
haben die meisten Menschen ein Dach über dem Kopf, aber nur
deshalb, weil die Unterkünfte "in den meisten Fällen überfüllt
sind. Einige leben auch in erbärmlichen Zuständen. Es kann z.B. eine
6‑köpfige Familie in zwei Räumen im Haus von Verwandten wohnen.
Sie bezahlen gewöhnlich keine Miete, aber die Lebensbedingungen
sind sehr dürftig. Jetzt, da die Tendenz zum Individualismus
auch in Westafrika um
sich greift, wird es zunehmend schwieriger, selbst diese ärmliche
Unterkunft bei Verwandten zu bekommen. LAWA wird dieses Problem von zwei
Seiten aus angehen. Zum einen wird sie diejenigen, die Häuser haben,
immer wieder bitten Menschen, die keinen oder keinen ausreichenden
Wohnraum haben, aufzunehmen, dies als unmittelbare Maßnahme. Zum
anderen wird LAWA den Menschen auf dem Land vorschlagen ihnen zu helfen,
einfache eigene Häuser zu bauen. Wie dies geschehen soll, wird später
erklärt, wenn die Kooperativen besprochen werden. vi. Mobilisierung
und Sensitivierung Viele
Menschen in den ländlichen Gemeinden Westafrikas
verlieren die Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie werden von ihren
Problemen niedergedrückt.
Manchmal wissen sie nicht, was sie tun können, um ihr Leben zu verbessern.
LAWA will diesen Menschen helfen. Die Landbewohner müssen wieder genügend
Selbstvertrauen entwickeln. Sie dürfen sich nicht aufgeben, sondern müssen
mit Mut und Entschlossenheit ihre Probleme lösen. Sie brauchen
fortgesetzte Anstrengungen und Versuche. Und dabei ist es wichtig, dass
sie ihre Minderwertigkeitskomplexe
überwinden. Damit all dies geschehen kann, ist es wichtig, dass
LAWA Aufklärungskampagnen für
die Landbevölkerung organisiert. vii. Hilfe für die
ländliche Bevölkerung «in Form von Kooperativen In
den meisten ländlichen Gemeinden Westafrikas
kämpfen die Menschen allein für sich. Manchmal gibt es auch unnötige
und ungesunde Konkurrenzkämpfe unter den einzelnen Landbewohnern. Sie
versuchen sogar einander zu betrügen. Ihre Bemühungen um eine
Verbesserung ihrer Lage sind nicht aufeinander abgestimmt. Die
Landbewohner Westafrikas brauchen
eine Basis gegenseitiger Unterstützung. Sie können eine
Menge erreichen, wenn sie ihre Fähigkeiten, Talente und
Anstrengungen zusammen einsetzen. Wenn sie das grundlegende Prinzip
einer Kooperative "alle für einen und einer
für alle" befolgen, können sie viel besser ihre Ziele durch
diese gemeinsame Anstrengung erreichen, als wenn sieEinzelkämpfer bleiben. Praktisch
alle Landgemeinden Westafrikas
leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Sie verfügen über
unterschiedliche Ressourcen und Möglichkeiten. Diese müssen alle
ausgeschöpft und richtig genutzt werden, damit die Einzelnen und die
Gemeinde als Ganzes davon profitieren können. Sehr viele Menschen in
den Gemeinden bauen unterschiedliche landwirtschaftliche
Produkte wie Yamswurzel, Reis,
Mais, Kassava (Maniok), Okro, Palmöl, usw. an. Deshalb ist es sinnvoll,
dass die Gemeinden Kooperativen gründen, um all diese Produkte zu
vermarkten. Sie werden mit dem gemeinsamen Anbau beginnen,
um dann allmählich
auch die Verarbeitung und Vermarktung
in die Hand zu nehmen. Sie werden Kredite aufilehemen und schließlich
auch Wohlfahrts‑und Sozialprojekte unddienste einrichten, wie z.B.
Unterricht für die Kinder, Einrichtung von Arbeitsstellen für junge
Erwachsene, Pflege der alten und hilflosen Menschen in der Gemeinde. Diese
gegenseitige Hilfe könnte auch dazu benutzt werden, dass die Menschen
ihre eigenen Häuser bauen. Ein Ziegelhersteller, ein Maurer und ein Zimmermann
brauchen z.B. jeder ein Haus. So kann der Ziegelhersteller alle
Bausteine fertigen, der Maurer verarbeitet sie in allen drei Häusern
und der Zimmermann zimmert für alle. So entstehen außer der eigenen
Arbeitsleistung für alle drei Häuser nur die Materialkosten. Dies kann
auch auf andere Berufsgruppen angewendet werden. viii.
Hilfe beim Aufbau kleiner Betriebe Die
Arbeitsmoral in den meisten ländlichen Gemeinden
in Westafrika könnte
sich‑ allgemein gesprochen‑ noch deutlich verbessern. Die
Landbewohner müssen die richtige Einstellung zur Arbeit lernen. Harte
Arbeit kann ihren Lebensstandard erheblich steigern. Einfach dazusitzen
und die Hände in den Schoß zu legen, kann nicht dazu beitragen, ihre
Lage zu verbessern. Es ist auch nötig, dass die Menschen vernünftige Geschäftsrisiken
eingehen. Dennoch
ist es so, dass viele Menschen in den ländlichen Gegenden Westafrikas
keinesweg faul sind. In Wahrheit arbeiten die meisten von ihnen
sehr hart, können aber das Ergebnis ihrer Arbeit gar nicht sehen, weil
sie ihre Produkte zu lächerlichen Preisen an Zwischenhändler verkaufen,
die ihrerseits den Markt kontrollieren und monopolisieren. Sie sind es,
die zwischen den Erzeugem und dem Markt vermitteln. Deshalb
sind Kooperativen und ihre
Anstrengungen so überaus
wichtig. Denn die Landbevölkerung ist wegen der schlechten Preise für
ihre Produkte benachteiligt. Sie arbeitet stundenlang und unter harten
Bedingungen und das bei einem relativ geringen Einkommen. Deshalb hat sie
auch für Investitionen in verbesserte Arbeitsbedingungen
keine Ersparnisse. Die meisten unter ihnen erzeugen oft Waren,
die wegen der kleinen Mengen und der Art des Produkts für die
Marktwirtschaft uninteressant sind.
Daraus folgt, dass die Landbevölkerung einerseits meist nur
Randprodukte für den Markt bereit stellt, andererseits jedoch ist sie
durchaus Käufer von Konsumgütern. So kommt es, dass sie oft mehr ausgeben
als sie einnehmen und folglich viele von ihnen ständig Schulden haben. LAWA hofft, den Menschen
auf dem Land zu helfen, ihre Produktionskapazitäten
zu erhöhen und ihre Erzeugnisse zu guten Preisen zu vermarkten. ix. Startkapital zur Verfügung
stellen Wie
schon erklärt, leiden die meisten Menschen im ländlichen Westafrika
nicht unbedingt an mangelnder Kraft oder dem fehlenden Wunsch zu arbeiten,
sondern hauptsächlich davon, dass ihre Betriebe zu klein
sind, um sie zu ernähren.
Und das kommt daher, weil die Betriebe gewöhnlich nicht genügend Startkapital
zur Verfügung haben. Und da, wo es genügend Startkapital gibt, kommt es
vor, das es an der richtigen Verwaltung fehlt. LAWA hat daher den Wunsch,
ausreichendes Startkapital und die notwendige fachliche Unterstützung zur
Verfügung zu stellen x. Schulbildung für
Kinder / Ausbildung und Arbeitsplätze für Jugendliche In
den ländlichen Gegenden Westafrikas
haben sehr viele Menschen keine richtige Schulbildung, ja nur sehr
wenige sind in eine Grundschule gegangen. Das bedeutet, dass es dort noch
immer sehr viele Analphabeten gibt. Das ist auch deswegen der Fall, weil
es den Eltern auf dem Land schwer fällt, ihre Kinder zur Schule zu
schicken, denn die Unterrichtskosten sind so hoch. Außerdem werden die
Schulen von der Regierung schlecht ausgestattet und haben nicht genug Lehrer.
Sehr oft werden die Lehrer nicht bezahlt. Das führt dazu, dass diese sich
nur in den Schulen melden, dann aber ihren privaten Geschäften nachgehen.
In einigen Fällen heiraten Mädchen sehr früh
und die Jungen gehen in eine Lehre und brechen so ihre Ausbildung
ab. Die Kinder in den ländlichen Gemeinden Westafrikas
schuften bis zur Erschöpfung, um ihren Eltern zu helfen, über die
Runden zu kommen. All diese Dinge tragen dazu bei, dass das Bildungsniveau
auf dem Land sehr niedrig bleibt. Die Zahl der jungen Menschen, die
die Schule vorzeitig abbrechen, ist sehr hoch. Daraus folgt, dass sie in
der Landwirtschaft oder als Hilfskräfte immer bleiben werden. Es ist
klar, dass ohne Bildung und richtige Ausbildung ihre Armut nicht zu überwinden
sein wird. LAWA
hat eine große Aufgabe, wenn sie die Kinder aus ländlichen Gemeinden
vor dem Analphabetentum und der Arbeitslosigkeit und daraus folgender zukünftiger
Armut retten will. Vollständige Schulbildung ist wichtig für diejenigen,
die eine akademische Laufbahn und höhere Posten in der Gesellschaft anstreben
möchten. LAWA will auch eine Berufsausbildung für die, die keine akademische
Richtung einschlagen, einrichten. Am wichtigsten ist es, schon Kindergärten
mit einem guten Standard zu schaffen, damit alle Kinder eine gute
Erziehung von klein an bekommen. LAWA würde sich mit den nicht‑
staatlichen Organisationen, z.B. der Kirche, in Verbindung setzen, um
das Schulsystem zu verbessern.
Auch mit den verschiedenen ländlichen Gemeinden wird Kontakt aufgenommen,
um ins Gespräch mit den Lehrern zu kommen, so dass den Kindern die
Schulbildung nicht vorenthalten wird. In
den Städten gibt es gewöhnlich ein paar gute Schulen. Auf Grund der
hohen Kosten besuchen in den meisten Fällen die Kinder reicher Eltern
diese Schulen. Das bedeutet, dass in den Ländern Westafrikas
nur die Kinder reicher Eltern eine gute Schule bekommen können. Es
ist LAWA ein Anliegen, diese Praxis zu durchbrechen und allen Kindern die
Gelegenheit zu geben, eine Schule zu besuchen. Es
wird Zeit kosten, bevor das Analphabetentum in den ländlichen Gegenden
Westafrikas der Vergangenheit angehören wird, aber es kann deutlich reduziert
werden. LAWA will auch Bildung für die Erwachsenen in diesen Gegenden
anbieten. AudioVisuelle Methoden
werden in dieser Situation sehr hilfreich sein. Es gibt auch ungebildete
ältere Leute, die noch immer daran interessiert sind,
ihr Wissen zu erweitern. Solche Menschen müssen ermutigt werden. 13 xi. Für gute soziale Strukturen in Westafrika
kämpfen Die ländlichen Gemeinden Westafrikas
sollten nicht unterentwickelt sein. Viele der Länder haben
reichlich Mineralvorkommen. und
andere natürliche Ressourcen. Es ist oft genug gesagt worden, dass
diese Länder reich sind. Keiner zweifelt an dieser Tatsache. Aber es ist
auch wahr, dass die gewöhnlichen Leute, besonders in den ländlichen
Gebieten, in praktisch allen Ländern Westafrikas
an Hunger und Elend sterben. Keiner sollte auch diese Tatsache
anzweifeln. LAWA
hat vor, die Situation von zwei Seiten aus anzugehen. Zuerst wird sie mit
aller Vorsicht die Regierenden auf die Misere und das Leiden insbesondere
der Massen im ländlichen Westafrika
aufmerksam machen.
Zum zweiten wird sie die Menschen dazu führen, sich einige Fragen zu
stellen: Warum kümmert sich niemand um uns? Warum erfahren wir soviel
Armut und Elend inmitten von soviel Reichtum? LAWA hält nichts von Gewalt
oder einer blutigen Revolution. Es möchte das Problem friedlich und mit kühlem
Kopf angehen. Wenn die Bodenschätze und der Reichtum Westafrikas
richtig verwaltet und verteilt würden, verbesserte sich die
Situation der ländlichen Bevölkerung erheblich. 6. Die Entwicklungsphase von LAWA
Es
gibt ein Sprichwort, dass eine Reise über viele Kilometer gewöhnlich mit
einem Schritt beginnt. Das bedeutet, egal wie lang die Reise dauert, sie
muss einen Anfang haben. Es gibt auch das Sprichwort, dass Rom nicht an
einem Tag erbaut wurde, aber das Bauen wurde begonnen. LAWA hat einen
weiten Weg vor sich, aber es muss anfangen. Es hat etliche Versuche
gegeben, die Probleme der Menschen im ländlichen Westafrika anzugehen, von oben, von außerhalb, aber die
meisten dieser Versuche sind fehlgeschlagen. LAWA versucht daher, eine
andere Vorgehensweise einzuschlagen:
direkt zu den ländlichen Leuten zu gehen. Dies bedeutet
Entwicklungshilfe von unten und in Phasen. i. Die erste Phase:
Die Gemeinde Akpugoeze Akpugoeze
ist eine ländliche Gemeinde in Nigeria. LAWA möchte in dieser Gemeinde
ein Experiment durchführen.
Die oben genannten Ziele von LAWA werden auf diese Gemeinde angestrebt.
Diese Gemeinde ist ausgesucht worden, weil Kaplan Aguigwo, der
Koordinator, dort bereits einige Forschungsprogramme für seine
Doktorarbeiten durchgeführt hat.
Die Gemeinde ist mit Hilfe
von Misereor während der vergangenen drei Jahre für dieses Experiment
vorbereitet worden. Einige ausgewählte Mitglieder der Gemeinde sind für
eine Spezialausbildung nach Kamerun geschickt worden. Einige Techniker
aus dem Ausland haben die Gemeinde besucht, um Aufklärungsarbeit
zu leisten. Die Gemeinde hat andwirtschaftliche
Kooperativen gegründet, die jetzt sehr gut funktionieren. Die Menschen planen, den Anbau von landwirtschaftlichen
Produkten zu steigern und sich in verschiedenen Verarbeitungsbetrieben
für Palmöl, Kassava (Maniok), Reis, Yamswurzel, usw. und in
anderen kleineren Unternehmen zu engagieren. 11. Zweite Phase:
die Kreisverwaltung Oji
River Die
Gemeinde Akpugoeze liegt in der Kreisverwaltung
Oji River. Der
Kreis umfasst neben Akpugoeze noch sechs andere ländliche
Gemeinden. Wenn das Experiment in Akpugoeze erfolgreich ist, könnte es
auf die übrigen Gemeinden von Oji River ausgedehnt werden. Die
Gemeinden liegen nicht weit voneinander entfernt. Die Leute brauchen für
Ausbildungszwecke nach nicht außerhalb von Nigeria
zu reisen, wie es die Leute aus Akpugoeze tun mussten. Sie könnten
einfach in Akpugoeze ausgebildet werden. LAWA wird sich bemühen, die Oji
RiverKreisverwaltung dazu
zu bewegen, das Entwicklungsexperiment in Akpugoeze auf die ganze Gegend
auszudehnen. Die Kreisverwaltung sollte
dann den größten Teil der Entwicklungskosten
übernehmen. 15 iii. Dritte Phase: Der Bundesstaat Enugu Die
Oji River Kreisverwaltung
liegt im Bundesstaat Enugu. Enugu umfasst
23 Kreise. Sollte sich das Experiment, das in Oji River durchgeführt
wird, als erfolgreich erweisen, wird LAWA den Bundesstaat Enugu
drängen, es für die
übrigen
Kreise des Staates anzuwenden. Es wird erwartet, dass die Regierung die
Kosten übernimmt. iv. Vierte Phase: Nigeria Der
Staat Enugu ist einer von 36 Staaten in Nigeria.
Sollte der Versuch im Staat Enugu
ein Erfolg werden, so ist es die Aufgabe von LAWA, die Bundesregierung
von Nigeria aufzufordern,
ihn für die übrigen Staaten des Landes anzuwenden und die Kosten zu
tragen. v. Fünfte Phase: Westafrika Nigeria
ist eines von 21 Ländern in Westafrika. Nigeria hat
in Westafrika eine Menge Einfluss. Sollte das Experiment im Land
erfolgreich sein, so gibt es keinen Grund, warum es nicht in den anderen Ländern
Westafrikas ausprobiert
werden könnte. 7. Die Förderung von LAWA
Wie
schon erklärt, gibt es viele fleißige Landbewohner in Westafrika.
Sie kämpfen, sie bemühen sich ernsthaft, ihre Not zu überwinden,
aber die meisten von ihnen schaffen es nicht, weil sie von der Regierung
keine Unterstützung bekommen. Diese Menschen brauchen wirklich Hilfe.
LAWA ist lediglich eine neue Initiative. Sie hat keinerlei eigene Mittel.
Damit die Ziele, die sie nicht für sich selbst gesetzt hat, erreicht
werden, braucht sie Hilfe. Alleingelassen, kann sie diesen armen
leidenden Menschen in Westafrika nicht
helfen. Für das erste Experiment in Akpugoeze braucht LAWA Unterstützung.
Glücklichweise gibt es Menschen, die den unglücklichen Landbewohnern
in den Entwicklungsländern helfen möchten, aber manchmal wissen sie nicht,
wie das am besten geschehen soll. LAWA möchte eine Verbindung
zwischen diesen zwei Gruppen von Menschen sein: die, die in den ländlichen
Gegenden Hilfe brauchen und die, die ihnen helfen möchten. LAWA wird, so ist zu hoffen, von verschiedenen Seiten
finanziert. Sie ist sehr dankbar, wenn einzelne
Menschen ihre Arbeit unterstützen möchten. Es können aber auch
Gruppen, Gesellschaften, Organisationen,
Institutionen und Regierungen die Aktivitäten von LAWA sponsern.
Ihre Großzügigkeit wird ebenso dankbar angenommen. Drittens sollten die
Regierungen der Länder Westafrikas in der Lage sein, die Finanzierung
der Aktivitäten von LAWA in einer späteren Phase zu übernehmen.
LAWA hat dabei nicht vor, die soziale und zivile Verantwortung
der Regierungen Westafrikas zu übernehmen. Diese sind verpflichtet, sich
um ihre Bürger zu kümmern. LAWA hat einfach vor, ein Experiment durchzuführen,
und sie erwartet, dass die Regierungen es übernehmen. Ebenso
werden die Landbewohner mit ihren Anstrengungen zum Gelingen des Experimentes beitragen.
LAWA braucht also Sponsoren, die sie über finanzielle Zuwendungen unterstützen,
damit sie 'Hilfe zur
Selbsthilfe' leisten kann. Der Text stammt von Dr.GEOFFREY MADUABUCHI AGUIGWO. Er hat mit dieser Thematik im Juni 2002 an der Phil. Theol. Hochschule Vallendar der Pallottiner in (Sozial)Pastoral promoviert. Begleitet hat die Arbeit Prof. Dr. Ernst Leuninger.
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