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Katholische SozialLehre
Catholic Social Teaching
Autor: Ernst Leuninger

Thema der Seite: Heiliger Zorn

FR 29.2.2008

Empfindlicher Nerv

Was Topmanager antworten, wenn ein Geistlicher fragt, was sie mit ihrem Geld machen

Von Annegret Schirrmacher

Immer noch keine Post von der Post. Dabei ist es fast zwei Monate her, dass Pfarrer Albert  Seelbach einen Brief an Klaus Zumwinkel geschrieben hat. Dazu bekamen sechs andere Spitzenmanager den heiligen Zorn des geistlichen Leiters der Katholischen Arbeitnehmerbewegung im Bistum Limburg zu spüren.

 Seelbach hatte sie gefragt, warum sie es für selbstverständlich ansähen, so hohe Gehälter zu beziehen. Oder wie mancher von ihnen begründen würde, gleichzeitig Mitarbeiter zu entlassen. Oder ob Geld wirklich glücklich mache.

Während Zumwinkel zurzeit wohl anderes zu tun hat, als Briefe zu schreiben, kam inzwischen dennoch Post. „Fünf von sieben angeschriebenen Firmen haben geantwortet“, berichtet Albert  Seelbach und klingt ein bisschen stolz.

Am schnellsten, schon einen Tag nach Erscheinen des Berichts über die Aktion in der Frankfurter Rundschau, ließ der Porsche-Chef antworten. Herr Wiedeking sei befremdet, schrieb dessen stellvertretender Pressechef, dass Auszüge aus einem persönlich adressierten Brief in der Zeitung erschienen. Dass drei andere Manager namentlich genannt worden waren, hatte er vermutlich übersehen.

„Ich habe darauf Herrn Wiedeking gebeten“, erzählt  Seelbach, „dies nun nicht als Ausrede zu benutzen, sich den Fragen nicht zu stellen.“ Nun herrscht Funkstille.

Richtig ins Zeug gelegt hat sich dagegen Manfred Bischoff, Daimler-Aufsichtsratsvorsitzender. „Er erläutert über sechs Seiten, dass der Wettbewerb der Urquell der sozialen Marktwirtschaft sei“, so  Seelbach, „dass Egoismus umgewandelt würde in Wohlstandsgewinn für alle.“ Aber Bischoff erkenne auch an, „dass der Markt blind sei und dass Bedürftigkeit als Zuteilungsprinzip für Leistungsschwache gelten müsse. Das sieht er aber als Aufgabe des Staates.“

Keiner stellt sich persönlich

Nicht nur Daimler, sondern auch Telekom und Deutsche Bank verwiesen in ausführlichen Antworten bei den Managergehältern auf den internationalen Vergleich. Wer Spitzenleute wolle, müsse sie auch so bezahlen. „Deutschland liege da im Mittelfeld“, zitiert  Seelbach. Manche rechtfertigten die Gehaltshöhe damit, dass mehr als 40 Prozent an Steuern dem Gemeinwohl zugute kämen. Deutsche Bank und Telekom wiesen auf ihre Spendenaktionen hin. So zufrieden  Seelbach mit dem Echo an sich ist – es haben ein Aufsichtsratsvorsitzender, fünf Betriebsleiter und zwei Betriebsräte geantwortet – so beharrlich verfolgt er seine Linie als Gehaltskritiker: „Ich will, dass der Einzelne Verantwortung übernimmt.“

Keiner der Manager habe persönlich geantwortet und sich direkt den unbequemen Fragen nach dem Umgang mit seinem Geld gestellt.  Seelbach wird nicht zulassen, dass sie sich allein auf das Gesellschaftssystem berufen.

So wird der Geistliche weiter fragen. Unterstützung kommt aus vielen privaten Reaktionen und von einem Betriebsratsvorsitzenden bei Siemens. Er lobte  Seelbachs „fachkundige Fragen“ und schrieb: „Gut, dass Gott solche Botschafter hat. Vergelt’s Gott.“

 

 

 

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Geändert: 14.03.2008 Dr. Ernst Leuninger