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Katholische SozialLehre
Catholic Social Teaching
Autor: Ernst Leuninger

Thema der Seite: Eine Welt

Wachstum im Dienste der menschlichen Entwicklung?

ÜBERBLICK der United Nations New York


PÄPSTLICHER RAT »COR UNUM«

DER HUNGER IN DER WELT - EINE HERAUSFORDERUNG FÜR ALLE: SOLIDARISCHE ENTWICKLUNG

Der gesamte Text ist bei der Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt erhältlich. Er kann auch über das Internet abgerufen werden.

HINFÜHRUNG (1)

Das Recht auf Ernährung ist eines der Prinzipien, die in der Allgemeinen Erklärung derMenschenrechte(2) im Jahre 1948 verkündet worden sind.
http://www.vatican.va/roman_curia/prc_de.htm

Die Erklärung über Fortschritt und Entwicklung im sozialen Bereich wies 1969 darauf hin, daß es gilt, »den Hunger und die Mangelernährung zu beseitigen und das Recht auf angemessene Ernährung zu garantieren«.(3) Desgleichen unterstreicht die 1974 verabschiedete Allgemeine Erklärung zur endgültigen Beseitigung von Hunger und Mangelernährung, daß jeder Mensch »das unveräußerliche Recht darauf hat, von Hunger und Mangelernährung befreit zu werden, um sich frei entfalten und seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten erhalten zu können«.(4)

1992 erkennt die Weltdeklaration zur Ernährung den »gefahrlosen Zugang zu angemessenen Nahrungsmitteln zur Ernährung als allgemeines Recht«(5) an. Diese Definitionen sind eindeutig. Das Gewissen der Öffentlichkeit hat sich unmißverständlich geäußert. Und doch leiden immer noch Millionen Menschen an Hunger, Mangelernährung oder unter den Folgen ihrer prekären Ernährungssituation. Ist diese Situation in einem Mangel an Lebensmitteln begründet? Mitnichten! Es ist allgemein bekannt, daß die Ressourcen der Erde - als eine Gröbe betrachtet - alle Bewohner ernähren können.(6) Tatsächlich sind die pro Person zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel in den letzten Jahren weltweit um ca. 18% gestiegen.(7)

Die Herausforderung an die gesamte Menschheit ist natürlich wirtschaftlicher und technischer, aber vor allem ist sie ethischer, spiritueller und politischer Natur. Es geht gleichermaßen um gelebte Solidarität und Entwicklung, die diesen Namen verdient, und um materiellen Fortschritt.

1. Die Kirche geht davon aus, daß man bei der Behandlung wirtschaftlicher, sozialer und politischer Fragen die transzendente Dimension des Menschen nicht außer acht lassen darf. So lehrten schon die griechischen Philosophen, die die westliche Welt grundlegend geprägt haben, daß der Mensch aus eigener Kraft die Wahrheit, das Gute und die Gerechtigkeit nur finden und ihnen nacheifern kann, wenn sein Geist von göttlicher Kraft erleuchtet ist.

Eben solche göttliche Kraft ist es, die es der menschlichen Natur ermöglicht, die selbstlose Pflichterfüllung am Nächsten zu berücksichtigen. So besagt die christliche Lehre, daß die göttliche Gnade den Menschen befähigt, nach Gottes Einsicht(8) zu handeln. Und doch ruft die Kirche alle Menschen guten Willens auf, die gewaltige Aufgabe zu erfüllen. Das 2. Vatikanische Konzil betonte: »Speise den vor Hunger Sterbenden, denn ihn nicht speisen heibt ihn töten«.(9) Eine solch ernste und gewichtige Aussage fordert jeden einzelnen dazu auf, sich entschieden dem Kampf gegen den Hunger zu stellen.

2. Die Dringlichkeit des Problems hat den Päpstlichen Rat dazu veranlaßt, Elemente einer entsprechenden Untersuchung hier vorzulegen; es ist seine Pflicht, an die Verantwortung der Gemeinschaft und jedes einzelnen zu appellieren, damit probatere Lösungen gefunden werden können. Er unterstützt jeden, der sich bereits mit großer Hingabe diesem hehren Ziel verschrieben hat.

Das vorliegende Dokument hat es sich zum Ziel gesetzt, die Ursachen und Auswirkungen des Phänomens »Hunger in der Welt« umfassend, wenn auch nicht erschöpfend, zu analysieren und zu beschreiben. In unserer Arbeit haben wir uns vom Licht des Evangeliums und der kirchlichen Soziallehre leiten lassen. Wir verfolgen nicht in erster Linie ein konjunkturelles Ziel; daher werden wir uns nicht bei Statistiken aufhalten, die die momentane Situation beschreiben oder die errechnet haben, wieviele Menschen Gefahr laufen, Hungers zu sterben, wieviel Prozent der Menschheit unterernährt sind, welche Regionen am meisten bedroht sind, und welche wirtschaftlichen Maßnahmen dagegen einzuleiten sind. Das vorliegende Dokument gründet sich auf den seelsorgerlichen Auftrag der Kirche und möchte an seine Mitglieder und an die gesamte Menschheit einen Dringlichkeitsappell richten, denn die Kirche ist »erfahren in den Fragen, die den Menschen betreffen, und diese Erfahrung veranlaßt sie, ihre religiöse Sendung notwendigerweise auf die verschiedenen Bereiche auszudehnen, in denen Männer und Frauen wirken, um im Einklang mit ihrer Würde als Person das stets begrenzte Glück zu suchen, das in dieser Welt möglich ist«.(10) Heute richtet die Kirche dieselbe anklagende Frage an die Menschheit, die Gott an Kain richtete, als er von ihm Rechenschaft über das Leben seines Bruders Abel forderte: »Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden« (Gen 4, 10). Es ist weder ungerecht noch beleidigend, dieses harte, fast unerträgliche Wort auf die Situation unserer Mitmenschen anzuwenden, die den Hungertod sterben: Dieses Bibelwort zeigt uns das vorrangige Ziel und soll unser Gewissen aufrütteln. Es wäre eine Illusion, vorgefertigte Lösungen für das Problem zu erwarten; wir stehen vor einem Phänomen, das eng mit den wirtschaftlichen Entscheidungen der Regierungen, der Verantwortlichen, aber auch der Produzenten und Konsumenten verknüpft ist; es gründet auch in unserem Lebensstil. So wendet sich dieser Appell an jeden einzelnen, und wir geben die Hoffnung nicht auf, daß eine entscheidende Verbesserung durch wachsende Solidarität zwischen den Menschen gelingen wird.

Dieses Dokument richtet sich an die Katholiken in der ganzen Welt, an die Verantwortlichen auf nationaler und internationaler Ebene, die Verantwortung und Kompetenz auf sich vereinen; aber es möchte auch alle humanitären Organisationen und jeden Menschen guten Willens ansprechen. Es hofft, besonders die unzähligen Menschen verschiedenster Lebens- und Berufssituationen zu erreichen, die sich täglich dafür einsetzen, daß allen Völkern das gleiche Recht zugestanden wird, »mit am Tisch des gemeinsamen Mahles zu sitzen«.(11)


Wachstum im Dienste der menschlichen Entwicklung?

ÜBERBLICK der United Nations New York

(Anmerkung Leuninger: Der Text enthält eine Reihe interessanter Daten, aber auch die allenthalben übliche Fehleinschätzung der Entwicklung in Ostasien vor dem Desaster. Wegen der diskussionswerten Aussagen soll der Artikel trotzdem wiedergegeben werden.)

Menschliche Entwicklung ist das Ziel, wirtschaftliches Wachstum ein Mittel zu seiner Verwirklichung. Wachstum sollte also das Leben der Menschen bereichern. Das ist aber meistens nicht der Fall. Die vergangenen Jahrzehnte haben nur zu deutlich gezeigt, daß es keinen automatischen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und menschlicher Entwicklung gibt. Selbst wenn eine solche Verbindung entsteht, kann sie sich im Laufe der Zeit wieder abschwächen, es sei denn, sie wird durch geschicktes und intelligentes politisches Handeln immer wieder gestärkt.

Der diesjährige Bericht über die menschliche Entwicklung untersucht Art und Ausmaß der Zusammenhänge zwischen Wirtschaftswachstum und menschlicher Entwicklung. Zwei beunruhigende Tatsachen fallen sofort auf. An über 100 Ländern mit fast einem Drittel der Weltbevölkerung ist das Wachstum der letzten 15 Jahre gänzlich vorbeigegangen. Eine Verbindung zwischen Wachstum und menschlicher Entwicklung kam für die Menschen in den zahlreichen Ländern mit unausgeglichener Entwicklung nicht zustande: entweder ergab sich ein ausreichendes Wachstum, aber wenig menschliche Entwicklung, oder es gab eine befriedigende menschliche Entwicklung, jedoch wenig oder gar kein Wachstum.

Der Bericht kommt zu dem Schluß, daß unsere Welt beim Eintritt ins 21. Jahrhundert generell mehr und nicht weniger Wirtschaftswachstum braucht. Aber die Struktur und die Qualität dieses Wachstums müssen stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden, um sicherzustellen, daß es zur Förderung der menschlichen Entwicklung, zur Verringerung der Armut, zum Schutz der Umwelt und zur Sicherung der Nachhaltigkeit eingesetzt wird.

In den letzten 15 Jahre verzeichneten einige Länder spektakuläre wirtschaftliche Fortschritte, während andere einen beispiellosen Rückgang erlebten.

Menschliche Entwicklung ist das Ziel, wirtschaftliches Wachstum ein Mittel zu seiner Verwirklichung.

Seit 1980 stieg in rund 15 Ländern das Wirtschaftswachstum sprunghaft an. Dies brachte der Mehrzahl ihrer 1,5 Milliarden Menschen und damit etwa einem Viertel der Weltbevölkerung eine gewaltige Einkommenssteigerung.

Über beinahe den gleichen Zeitraum hinweg kam es jedoch in rund 100 Ländern zu einem wirtschaftlichen Rückgang oder zur Stagnation, so daß die Einkommen von 1,6 Milliarden Menschen - ebenfalls mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung - verringert wurden. In 70 dieser Länder sind die Durchschnittseinkommen heute niedriger als 1980, in 43 Ländern sogar niedriger als 1970. Allein im Zeitraum von 1990 bis 1993 gingen die Durchschnittseinkommen in 21 Ländern, vor allem in Osteuropa und in der GUS, um ein Fünftel oder mehr zurück.

Obwohl diese wirtschaftliche Stagnation und dieser Rückgang weitgehend bekannt sind, bleiben das volle Ausmaß und die schweren Folgen häufig überdeckt von den aufsehenerregenden Erfolgen der schnell wachsenden Länder, denn die meisten der reicheren Länder konnten ihr Wachstum aufrechterhalten und es gab immer wieder Hoffnungen, daß viele Volkswirtschaften mit zurückgehenden Einkommen kurz vor einem neuen Wachstum stünden. Nach 15 Jahren enttäuschender Ergebnisse müssen sich die politisch Verantwortlichen weltweit fragen, ob solch ein Optimismus noch gerechtfertig ist. Der Anstieg von Zuwachsraten überstieg häufig alles, was es seit dem Beginn der industriellen Revolution vor rund 200 Jahren gegeben hatte. Aber auch der wirtschaftliche Rückgang nahm beispiellose Ausmaße an; er dauerte länger und war zum Teil noch heftiger als der wirtschaftliche Zerfall während der großen Wirtschaftskrise der Industrieländer in den 30er Jahren.

Unter all diesen Erfolgen und Katastrophen hatten hauptsächlich die Armen zu leiden, aber selbst die Bessergestellten waren oft mit Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg konfrontiert, z.B. durch Einschnitte in das Gesundheits- und Sozialsystem. Zwar liegt das Prokopf-Einkommen in den OECD-Ländern heute bei durchschnittlich 20.000 Dollar, aber Studien belegen eine wachsende Unsicherheit und erhebliche Unzufriedenheit.

Die wachsende Kluft in der wirtschaftlichen Leistung schafft zwei Welten, die sich immer weiter auseinanderentwickeln.

Die Welt ist heute stärker polarisiert, und die Kluft zwischen Armen und Reichen hat sich weiter vertieft. Von den 23 Billionen Dollar, auf die sich das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 1993 belief, entfielen 18 Billionen Dollar auf die Industrieländer und nur 5 Billionen Dollar auf die Entwicklungsländer, obwohl dort fast 80% der Weltbevölkerung leben.

Die ärmsten 20% der Weltbevölkerung erlebten in den vergangen 30 Jahren einen Rückgang ihres Anteils am Welteinkommen von 2,3% auf 1,4%. Dagegen stieg der Anteil der reichsten 20% von 70% auf 85% an. Damit verdoppelte sich das Verhältnis zwischen den Anteilen der Reichsten und der Ärmsten von 30:1 auf 61:1.

Das Vermögen der 358 Milliardäre auf der Welt überstieg das jährliche Gesamteinkommen der Länder, in denen 45% der Weltbevölkerung leben.

Während der vergangenen drei Jahrzehnte hat sich der Anteil der Menschen, deren Einkommen um mindestens 5% pro Jahr stieg, mehr als verdoppelt (von 12% auf 27%), während sich der Anteil derjenigen mit einem Negativ-Wachstum mehr als verdreifacht hat (von 5% auf 18%).

Der Abstand zwischen Industrie- und Entwicklungsländern beim Prokopf-Einkommen verdreifachte sich zwischen 1960 und 1993: er wuchs von 5.700 Dollar auf 15.400 Dollar.

Die wachsende Polarisierung spiegelt sich auch in den zunehmenden Gegensätzen zwischen den einzelnen Regionen wider. Der größte Teil Asiens mit mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung erlebte ein schnelles, häufig sogar spektakuläres Wachstum des Prokopf-Einkommens während der 80er Jahre. Die OECD-Länder verzeichneten in der Regel ein langsames, aber stetiges Wachstum des Prokopf-Einkommens. In vier Ländergruppen dominierte jedoch jedoch die Erfahrung fehlenden Wachstums.

In Afrika südlich der Sahara begann der Rückgang Ende der 70er Jahre. Viele Reformbemühungen wurden unternommen, die häufig auch Verbesserungen bewirkten, aber in 20 Ländern liegt das Prokopf-Einkommen immer noch unter dem Niveau, das sie vor 20 Jahren hatten.

Einige der lateinamerikanischen und karibischen Ländern begannen sich gegen Ende der 80er Jahre zu erholen, aber immer noch ist bei 18 von ihnen das Prokopf-Einkommen niedriger als vor 10 Jahren.

Die Länder Osteuropas und der GUS konnten in den 80er Jahren zumindest ein langsames Wachstum aufrechterhalten, aber dann erlebten sie einen drastischen Rückgang ihres Prokopf-Einkommens, das gegenüber dem Höchststand in der Mitte der 80er Jahre im Durchschnitt um ein Drittel zurückfiel.

Viele arabische Staaten erlitten in der 80er Jahren ebenfalls einen erheblichen Einkommensrückgang, bewirkt durch fallende Ölpreise und andere Rückschläge der Weltwirtschaft.

Obwohl das außerordentlich schnelle Bevölkerungswachstum einen Teil des Negativwachstums beim Prokopf-Einkommen erklärt, wäre es zu einfach, ihm den gesamten oder auch nur den größeren Teil des Rückgangs anzulasten. Selbst bei geringerer Fertilität und langsamerem Bevölkerungswachstum wäre das Prokopf-Einkommen in vielen Ländern zurückgegangen.

Es muß überall stärker auf die Struktur und die Qualität des Wachstums geachtet werden, damit es zu menschlicher Entwicklung, zur Verringerung der Armut und zu langfristiger Nachhaltigkeit beitragen kann.

Die Politiker sind häufig zu sehr auf die absolute Höhe des Wachstums fixiert.

Die Politiker sind häufig zu sehr auf die absolute Höhe des Wachstums fixiert; sie sollten mehr auf seine Struktur und Qualität achten. Wenn die Regierungen nicht rechtzeitig korrigierend eingreifen, kann das Wachstum einseitig und brüchig werden. Es müssen entschiedene Anstrengungen unternommen werden, damit sich nicht ein Wachstum ohne Arbeitsplätze, ohne Skrupel, ohne Mitsprache, ohne Wurzeln und ohne Zukunft durchsetzt.

Wachstum ohne Schaffung von Arbeitsplätzen: Die Gesamtwirtschaft wächst, die Beschäftigungschancen werden jedoch nicht besser. In den OECD-Ländern lag 1993 die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 8%; sie reichte von 2,5% in Japan über 10% in Großbritannien bis zu 18% in Finnland und 23% in Spanien. In den Entwicklungsländern bedeutet Wachstum ohne neue Arbeitsplätze lange Arbeitszeiten und ein sehr geringes Einkommen für Hunderte Millionen Menschen, die aus ihren wenig produktiven Tätigkeiten in der Landwirtschaft und im informellen Sektor nicht herauskommen.

Wachstum ohne Skrupel: Die Früchte des Wirtschaftswachstums werden hauptsächlich von den Reichen geerntet, während Millionen Menschen immer tiefer in die Armut geraten. Zwischen 1970 und 1985 stieg das globale BSP um 40%, dennoch nahm die Zahl der Armen um 17% zu. Während zwischen 1965 und 1980 für 200 Millionen Menschen das Prokopf-Einkommens zurückging, traf dies im Zeitraum 1980-1993 auf fast eine Milliarde Menschen zu.

Wachstum ohne Mitsprache: Das Wachstum im wirtschaftlichen Bereich ging nicht mit einer Ausweitung der Demokratie und der Ausstattung der Menschen mit mehr Macht einher. Durch politische Repression und autoritäre Überwachung wurden abweichende Stimmen zum Schweigen gebracht und Forderungen nach stärkerer Mitwirkung in Gesellschaft und Wirtschaft unterdrückt.

Früher diskutierten die politisch Verantwortlichen darüber, ob sie sich für wirtschaftliches Wachstum oder für eine breite Mitwirkung der Betroffenen entscheiden sollten, als ob die beiden Aspekte sich gegenseitig ausschließen würden. Diese Debatte ist vorbei. Die Menschen wollen nicht das eine oder das andere - sie wollen beides. Aber zu vielen wird immer noch selbst die elementarste Form von Demokratie vorenthalten, und viele Völker auf der Welt werden von repressiven Regimen beherrscht.

Wachstum ohne Mitsprache kann auch bedeuten, daß Frauen in den Führungsbereichen der Wirtschaft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wie der Bericht über die menschliche Entwicklung von 1995 aufzeigte, ist menschliche Entwicklung ohne Gleichstellung der Geschlechter gefährdet.

Wachstum ohne Wurzeln: Die kulturelle Identität von Menschen verkümmert. Es gibt nach allgemeiner Annahme rund 10.000 unterschiedliche Kulturen, aber viele von ihnen laufen Gefahr, ihre Bedeutung zu verlieren oder ganz zu verschwinden. Oft verdrängen die Kulturen der Bevölkerungsmehrheiten, deren Macht durch zunehmendes Wachstum gestärkt wird, die Kulturen von Minderheiten. In anderen Fällen erzwangen Regierungen bewußt Uniformität im Zug des Aufbaus einer einheitlichen Nation - etwa durch die Einführung einer Nationalsprache.

Dies kann gefährlich werden. Der Ausbruch der Gewalt in den zentralasiatischen Republiken der früheren Sowjetunion und in den Balkanstaaten des ehemaligen Jugoslawien ist ein tragisches Erbe einer auf kulturelle Repression ausgerichteten Regierungsform. Die Staaten, denen der Zusammenhalt am besten gelungen ist, von der Schweiz bis zu Malaysia, waren oft jene, die die kulturelle Vielfalt anerkannten und die wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsprozesse dezentralisierten, um so den Bestrebungen all ihrer Menschen gerecht zu werden.

Wachstum ohne Zukunft: Die heutige Generation verschwendet die Ressourcen, die von den künftigen Generationen gebraucht werden. In vielen Ländern werden durch wucherndes und unkontrolliertes Wachstum Wälder abgeholzt, Flüsse verschmutzt, die Artenvielfalt zerstört und die natürlichen Ressourcen dezimiert.

Diese Beschädigung und Zerstörung nimmt immer mehr zu, hauptsächlich vorangetrieben durch die Nachfrage aus den reichen Ländern, durch unzureichende Schutzmaßnahmen in den Entwicklungsländern und den Druck der armen Bevölkerung, die in den armen Ländern auf marginale Flächen abgedrängt wird. Wenn die gegenwärtigen Trends anhalten, wird sich die globale Produktion bis zum Jahr 2030 verdreifachen. Wenn nicht schon bald ernstzunehmende Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und der Ressourden eingeleitet werden, wird die Produktion die Grenzen der Nachhaltigkeit dann weit überschritten haben.

Zusammengefaßt läßt sich sagen: Entwicklung, die die heutigen Ungleichheiten weiterbestehen läßt, ist weder nachhaltig noch wert, fortgeführt zu werden.

Der Fortschritt der menschlichen Entwicklung ging weiter, aber zu ungleich

Entwicklung, die die heutigen Ungleichheiten weiterbestehen läßt, ist weder nachhaltig noch wert, fortgeführt zu werden.

Trotz wirtschaftlicher Rückschläge und Schwierigkeiten gab es in fast allen Entwicklungsländern Fortschritte bei den Schlüsselindikatoren für menschliche Entwicklung. Die Entwicklungsländer machten bei der menschlichen Entwicklung wesentlich mehr Fortschritte als beim Einkommen. Zwischen 1960 und 1993 wurde das Nord-Süd-Gefälle bei der Lebenserwartung mehr als halbiert, von 23 Jahren auf 11 Jahre.

Dennoch war der menschliche Fortschritt in einigen Regionen sehr langsam, und in manchen Fällen kam es sogar zu Verschlechterungen. Im Gesamtdurchschnitt stagnierte in Afrika südlich der Sahara die Einschulungsrate in den Primarschulen während der letzten 15 Jahre, in 17 Ländern ging sie jedoch um 37 bis 50% zurück. Während sich in den meisten Regionen der Index für menschliche Entwicklung (HDI) verbesserte, ging er in Osteuropa und in den GUS-Staaten stark zurück.

Insgesamt konnten die Länder, die bereits in der Kategorie hoher menschlicher Entwicklung eingestuft sind (mit einem HDI von mehr als 0,800), den Abstand zum möglichen Höchstwert von 1 weiter reduzieren, und zwar um fast 2,7% pro Jahr. Bei den Ländern mit geringer menschlicher Entwicklung (mit einem HDI unter 0,500) verringerte sich diese Differenz um nur 0,9% pro Jahr. Also nahm auch der Abstand bei der menschlichen Entwicklung weiter zu.

Länder mit ähnlicher Einkommenshöhe und Wachstumsrate können sehr unterschiedliche Fortschritte bei der menschlichen Entwicklung aufweisen. Während der vergangenen drei Jahrzehnte erlebten Tunesien und Kongo bei fast gleichem Ausgangsniveau in Bezug auf Einkommen und menschliche Entwicklung mehr oder weniger das gleiche wirtschaftliche Wachstum. Aber Tunesien reduzierte den Abstand zum HDI-Höchstwert um 60%, Kongo dagegen nur um 16%.

Diese Feststellungen enthalten eine Warnung. Wenn es nicht gelingt, das Wirtschaftswachstum der Länder, die einen Rückgang erleben, erneut anzukurbeln, wird es noch schwieriger sein, ihre Erfolge bei der menschlichen Entwicklung nachhaltig fortzusetzen, die bestehenden Disparitäten werden weiter wachsen. Beim gegenwärtigen Tempo des Fortschritts wird es hundert Jahre oder länger dauern, bis die Länder mit geringer menschlicher Entwicklung eine hohe menschliche Entwicklung erreicht haben.

Das Verhältnis zwischen menschlicher Entwicklung und Prokopf-Einkommen wird von starken Kontrasten beherrscht

Die Rangordnung beim Index für menschliche Entwicklung entspricht nicht immer derjenigen beim Einkommen: 1993 waren 37 Länder beim HDI um mehr als 20 Plätze höher oder niedriger eingestuft als beim Prokopf-Einkommen, ein klarer Hinweis auf die bei weitem nicht perfekte Korrelation zwischen Einkommen und menschlicher Entwicklung in vielen Ländern.

Höhere menschliche Entwicklung bei niedrigerem Einkommen: Manche Länder fallen in die Kategorie "hohe menschliche Entwicklung", obwohl sie ein bescheidenes Prokopf-Einkommen aufweisen. Hierzu gehören Kolumbien mit einem Prokopf-Einkommen von 1.400 Dollar und Thailand mit 2.100 Dollar.

Menschliche Entwicklung und Wirtschaftswachstum müssen eng verbunden sein und gemeinsam voranschreiten.

Geringere menschliche Entwicklung bei höherem Einkommen: Andere Länder blieben auf dem mittleren Niveau menschlicher Entwicklung, obwohl sie den Vorteil höherer Einkommen hatten. Hierzu gehören Südafrika mit einem Prokopf-Einkommen von fast 3.000 Dollar und Gabun mit fast 5.000 Dollar.

Scharfe Kontraste innerhalb einzelner Länder: In Mexiko lag der HDI für die eingeborenen Bevölkerungsgruppen bei nur 0,700, verglichen mit 0,890 für die übrige Bevölkerung.

Schwächen bei der menschlichen Entwicklung in OECD-Ländern: Trotz hoher Prokopf-Einkommen (20.000 Dollar) leben mehr als 100 Millionen Menschen in den OECD-Ländern unterhalb der nationalen Armutsgrenzen, mehr als 5 Millionen sind obdachlos.

Diese und viele andere in diesem Bericht verzeichnete Indikatoren machen deutlich, daß Selbstzufriedenheit gefährlich wäre. Viele Politiker glauben, eine rasch expandierende Volkswirtschaft werde Armut und Elend hinwegfegen. Sie irren sich. Die Herausforderung ist viel größer und tiefgreifender, sie erfordert höchste Aufmerksamkeit für eine weite Skala politischer Maßnahmen. Dieser Bericht untersucht das notwendige Vorgehen im Detail und kommt zu den folgenden wesentlichen Ergebnissen.

Kurzfristige Fortschritte in der menschlichen Entwicklung sind möglich - aber ohne weiteres Wachstum können sie nicht aufrechterhalten werden. Umgekehrt gibt es kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum ohne menschliche Entwicklung.

Ganz offensichtlich gab es auch in Zeiten wirtschaftlicher Rückschläge Verbesserungen bei der menschlichen Entwicklung. Aber sie können nur dann über einen langen Zeitraum hinweg aufrechterhalten werden, wenn sie durch wirtschaftliches Wachstum gestützt werden. Gleichzeitig muß ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum ständig durch menschliche Entwicklung gestärkt werden. Menschliche Entwicklung und Wirtschaftswachstum müssen eng verbunden sein und gemeinsam voranschreiten

Die Ergebnisse, die bei Wirtschaftswachstum und menschlicher Entwicklung während der vergangenen 30 Jahre zu verzeichnen waren, zeigen, daß kein Land über einen so langen Zeitraum eine einseitige Entwicklung vorantreiben kann, d.h. ohne daß Wirtschaftswachstum durch entsprechende Fortschritte bei der menschlichen Entwicklung begleitet wird, oder umgekehrt. Eine einseitige Entwicklung kann vielleicht ein Jahrzehnt andauern, aber dann verlagert sie sich entweder zu einer raschen Steigerung sowohl beim Einkommen als auch bei der menschlichen Entwicklung, oder es kommt zu einer nur mehr langsamen Zunahme sowohl bei der menschlichen Entwicklung als auch beim Einkommen. Die Länder folgen jeweils einem der vier folgenden Muster:

Langsames Wirtschaftswachstum und schnelle menschliche Entwicklung. Länder, die im Zeitraum eines Jahrzehnts menschliche Entwicklung bei nur geringem Wirtschaftswachstum verwirklichten, erhöhten entweder ihre Wirtschaftsleistung im nächsten Jahrzehnt (z.B. die Republik Korea in der 60er Jahren und China und Indonesien in der 70er Jahren), oder sie fielen zurück in geringes Wirtschaftswachstum und langsame menschliche Entwicklung (Kamerun, Sierra Leone und andere in den 80er Jahren).

Schnelles Wirtschaftswachstum und langsame menschliche Entwicklung. Eine einseitige Entwicklung, die die menschliche Entwicklung vernachlässigt, führt in eine Sackgasse, wenn das Wirtschaftswachstum nach rund einem Jahrzehnt schneller Zuwächse immer mehr nachläßt (wie in Brasilien und Ägypten in den 80er Jahren). Kein Land mit schnellem Wachstum bei langsamer menschlicher Entwicklung behielt das schnelle Wachstum bei und beschleunigte gleichzeitig die menschliche Entwicklung.

Wachstum und menschliche Entwicklung, die sich gegenseitig stärken. Manche Länder konnten rasche Verbesserungen bei der menschlichen Entwicklung und auch beim Einkommen erzielen, die dank einer sich immer wieder gegenseitig verstärkenden, positiven Wechselwirkung über drei Jahrzehnte aufrechterhalten werden konnten.

Negative Wechselwirkungen zwischen Wachstum und menschlicher Entwicklung. Andere Länder litten unter geringen Fortschritten bei der menschlichen Entwicklung und zugleich unter langsamem Wachstum.

Wachstum und Gerechtigkeit müssen kein Widerspruch sein

Die herkömmliche Ansicht, daß Wirtschaftswachstum im Anfangsstadium unausweichlich mit einer ungleichen Einkommensverteilung einhergeht, hat sich als falsch erwiesen. Die neue Einsicht lautet, daß eine gerechte Verteilung öffentlicher und privater Ressourcen die Aussichten für künftiges Wachstum verbessern kann.

Die Annahme, daß der Nutzen des Wachstum in den ersten Phasen unvermeidlich den Reichen zukommen werde, beruhte vor allem auf zwei Argumenten. Das erste kam von Nobelpreisträger Simon Kuznets, der meinte, daß durch das Abwandern von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft in die Industrie die Ungleichheit zunächst steigen und dann mit der Ausbreitung der industriellen Produktion wieder fallen werde. Das zweite Argument stammt von Nicholas Kaldor, der die Bedeutung des Sparens unterstrich. Seiner Meinung nach besteht der einzige Weg zur Finanzierung von Wachstum darin, daß die Anfangsgewinne in die Taschen reicher Kapitalisten fließen. Da sie einen höheren Hang zum Sparen hätten, könnten nur sie die notwendigen Mittel für Investitionen bereitstellen.

Diese Hypothesen wurden in jüngster Zeit widerlegt, weil es Beweise für eine positive Korrelation zwischen Wirtschaftswachstum und Einkommensgleichheit gibt (dargestellt am Anteil der ärmsten 60% der Bevölkerung). Pioniere dieser Form gleichmäßiger Entwicklung waren Japan und Ostasien; in jüngerer Zeit haben China, Malaysia und Mauritius einen ähnlichen Weg eingeschlagen.

Die Entdeckung dieser sich gegenseitig stärkenden Beziehung zwischen Gerechtigkeit und Wachstum ist für die politisch Verantwortlichen äußerst folgenreich. Gut entwickelte menschliche Fähigkeiten und gerecht verteilte Chancen können sicherstellen, daß das Wachstum sich nicht einseitig entwickelt und daß sein Nutzen allen gleichmäßig zugute kommt. Sie können auch dazu beitragen, ein möglichst hohes Wachstum zu erreichen.

Überall auf der Welt müssen sich die politisch Verantwortlichen darauf konzentrieren, die Verbindungen zwischen Wirtschaftswachstum und menschlicher Entwicklung zu stärken.

Um das reibungslose und wirksame Funktionieren dieser Verbindungen nach beiden Richtungen zu garantieren, müssen die Politiker erst einmal ihre Wechselwirkung verstehen. Hier einige der wichtigsten Aspekte, die darüber entscheiden, ob Wachstum zu menschlicher Entwicklung beiträgt:

Gerechtigkeit: Je gleichmäßiger das BSP und die wirtschaftlichen Chancen verteilt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie zu einer Verbesserung des Wohlergehens der Menschen beitragen.

Arbeitsplätze: Wirtschaftliche Chancen wirken sich dann auf das Leben der Menschen aus, wenn diesen eine produktive und gut bezahlte Arbeit angeboten wird. Ein wichtiger Weg zur Verwirklichung dieses Ziels ist das Bemühen um stark arbeitsintensive Wachstumsmuster.

Zugang zu Produktivvermögen: Viele Menschen können ihre wirtschaftlichen Chancen nicht wahrnehmen, weil sie keinen Zugang zu Produktivvermögen, vor allem zu Grund und Boden, materieller Infrastruktur und Bankkrediten haben. Der Staat kann in all diesen Bereichen sehr viel ausrichten, wenn er durch sein Eingreifen allen Beteiligten gleiche Voraussetzungen schafft.

Sozialausgaben: Regierungen und Gemeinwesen können die menschliche Entwicklung stark beeinflussen, indem sie einen erheblichen Teil der öffentlichen Einnahmen für vorrangige soziale Ausgaben einsetzen, vor allem durch die Bereitstellung von sozialen Grundversorgungsdiensten für alle.

In die Fähigkeiten von Frauen zu investieren und sie mit mehr Macht auszustatten, ist der sicherste Weg zu Wirtschaftswachstum und Entwicklung insgesamt.

Gleichstellung der Geschlechter: Faire Chancen für Frauen und besserer Zugang zu Bildung, Kinderbetreuung, Krediten und Beschäftigung tragen zu ihrer menschlichen Entwicklung bei. Sie fördern auch die menschliche Entwicklung der übrigen Familienmitglieder sowie das wirtschaftliche Wachstum. In die Fähigkeiten von Frauen zu investieren und sie mit mehr Macht auszustatten, damit sie ihre Wahlmöglichkeiten wahrnehmen können, ist der sicherste Weg zu Wirtschaftswachstum und Entwicklung insgesamt.

Bevölkerungspolitik: Bildung, reproduktive Gesundheit und höhere Überlebenschancen für Kinder helfen mit, die Fertilität zu senken. Sie schaffen damit die Voraussetzungen für ein langsameres Bevölkerungswachstum und langfristig für eine Senkung der Kosten im Bildungs- und Gesundheitswesen.

Gute Regierung: Wenn diejenigen, die die Regierungsverantwortung tragen, den Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung hohe Priorität einräumen, und wenn die Menschen an den Entscheidungsprozessen auf vielen Ebenen mitwirken können, dann sind stärkere und dauerhaftere Verbindungen zwischen Wirtschaftswachstum und menschlichem Wohlergehen wahrscheinlich.

Eine aktive Zivilgesellschaft: Nichtregierungsorganisationen und örtliche Gruppen

spielen bei der Förderung der menschlichen Entwicklung ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie ergänzen nicht nur die von Regierungen angebotenen Dienste und weiten sie auf Einzelpersonen und Gruppen aus, die sonst keinen Zugang zu ihnen hätten. Sie wirken auch als Vorreiter bei der Mobilisierung der öffentlichen Meinung und der Förderung von Basisinitiativen und helfen bei der Festlegung der Prioritäten für die menschliche Entwicklung mit.

Entschlossene Anstrengungen zur Ausweitung der menschlichen Fähigkeiten - durch verbesserte Bildung, Gesundheit und Ernährung - können die Wachstumsaussichten vor allem in den Ländern mit geringer menschlicher Entwicklung und niedrigem Einkommen verbessern. Eine Weltbank-Studie über 192 Länder stellte fest, daß nur 16% des Wachstums auf Sachkapital (Maschinen, Gebäude und materielle Infrastruktur) zurückgeht, während 20% aus natürlichen Ressourcen stammen. Nicht weniger als 64% können auf Human- und Sozialkapital zurückgeführt werden. Eine ausführliche Analyse früherer Erfahrungen in den hochindustrialisierten ostasiatischen "Tigern", darunter Japan, kommt zu ähnlichen Schlußfolgerungen.

Es müssen neue Ansätze zur Erweiterung und Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten gefunden werden, damit die Menschen am Wachstum mitwirken und davon profitieren können.

Ohne Wachstum ist es schwierig, Arbeitsplätze zu schaffen und Löhne zu erhöhen. Mit Wachstum steigen normalerweise die Beschäftigungsmöglichkeiten. Aber auch dies ist kein automatischer Prozeß. In jüngerer Zeit waren verschiedene Perioden eines "Wachstums ohne Schaffung neuer Arbeitsplätze" zu beobachten. Und selbst wenn Arbeitsplätze entstanden, entsprachen sie nicht den Wünschen der Menschen nach sicherer, gut bezahlter oder kreativer Arbeit. Sie sind auch an verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen völlig vorbeigegangen, etwa an Frauen, jungen Erwachsenen, Menschen ohne Schul- oder Berufsausbildung und Behinderten.

Einen engen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Beschäftigung herzustellen, erfordert Wachstumsstrategien, die auf die Schaffung von Arbeitsplätzen ausgerichtet sind. Die Erfahrung der schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften - Hong Kong, Republik Korea, Singapur und Taiwan (Provinz von China) - zeigt, daß nachhaltiges langfristiges Wachstum die Beschäftigung ausweiten (um 2 bis 6% pro Jahr), die Arbeitslosigkeit verringern (auf weniger als 2,5%) und Produktivität und Löhne steigern kann. Dies verringert wiederum Ungleichheit und Armut. Die führenden Wachstumsbranchen waren die Kleinlandwirtschaft in Taiwan und die arbeitsintensive, exportorientierte Weiterverarbeitung in Hong Kong, der Republik Korea und Singapur.

Die Erfahrungen Lateinamerikas sehen dagegen ganz anders aus. Während der 60er und 70er Jahre lag die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des Prokopf-Einkommens in Brasilien bei über 4%, in Mexiko bei 3,5% und in Costa Rica bei 2,5%. Aber dieses Wachstum wurde weder von der Schaffung ausreichender Arbeitsplätze für die wachsende Zahl der Arbeitskräfte noch von einer Zunahme der Produktivität begleitet. Die Produktivität in der Region stieg in den vergangenen drei Jahrzehnten um nur 0,5% pro Jahr, gerade ein Achtel der von den asiatischen "Tigern" verzeichneten 4%. Das Wachstum konzentrierte sich auf kapitalintensive Tätigkeiten: Bergbau und Industriezweige im Bereich der Importsubstitution. Die Beschäftigung wurde zwar ausgeweitet, aber meistens im Dienstleistungssektor, und ohne eine nachhaltige Steigerung der Produktivität.

Eine wirtschaftliche Wachstumsstrategie, deren Schwerpunkt auf den Menschen liegt und deren produktive Fähigkeiten einbezieht, ist der einzige Weg zur Eröffnung von Chancen. Obwohl der Großteil der Maßnahmen auf Länderebene erfolgen muß, sind auch neue internationale Aktionen erforderlich, um die nationalen Strategien zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Verwirklichung von menschlicher Entwicklung zu ermutigen und zu unterstützen.

Einige konkrete Punkte:

Festlegung auf eine Politik derVollbeschäftigung: Die Länder, die im Beschäftigungsbereich die größten Erfolge hatten, waren in der Regel jene, die sich bewußt für dieses Ziel einsetzten. Anstatt sich auf eine automatische Zunahme der Beschäftigung zu verlassen, erklärten sie die Beschäftigungsförderung öffentlich zu einem zentralen Ziel ihrer Politik.

Stärkung der menschlichen Fähigkeiten: Volkswirtschaften mit hoher Beschäftigungsrate haben im allgemeinen schwerpunktmäßig in die Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten investiert, vor allem in Bildung, Gesundheit und Berufsausbildung. Sie haben sich auch um die stetige Weiterentwicklung der technischen Fertigkeiten ihrer Arbeitnehmer bemüht, um ihnen die Anpassung an die sich rasch ändernden internationalen Bedingungen zu ermöglichen. Die Republik Korea investiert 160 Dollar pro Person und Jahr in Gesundheit und Bildung, Malaysia 150 Dollar, Indien dagegen nur 14 Dollar, Pakistan 10 Dollar und Bangladesch 5 Dollar.

Eine wirtschaftliche Wachstumsstrategie, deren Schwerpunkt auf den Menschen liegt und die deren produktive Fähigkeiten einbezieht, ist der einzige Weg zur Eröffnung von Chancen.

Stärkung der Produktion in der Kleinindustrie und im informellen Sektor: In vielen Ländern hat sich gezeigt, daß die Produktion in diesen Bereichen Beschäftigung und Einkommen für Millionen von Menschen schaffen kann, während sie gleichzeitig eine Vielzahl elementarer Güter und Dienstleistungen des täglichen Lebens anbieten kann. Diese Aktivitäten müssen also gefördert und unterstützt und nicht etwa eingeschränkt werden. Manche Länder haben die Beschäftigungschancen - insbesondere für selbständig Erwerbstätige - durch den verbesserten Zugang zu Krediten ausgeweitet. Hierfür gibt es viele ermutigende Beispiele bei Kleinbauern, Kleinstunternehmen und marginalen, armen Gemeinwesen. Beratungsdienste und andere Mechanismen, die den Kleinerzeugern einen besseren und schnelleren Zugang zu Technologie und Informationen sichern, können oft einen entscheidenden Unterschied für die Produktivität bedeuten.

Breiterer und gerechterer Zugang zu Land: Zahlreiche Studien zeigen, daß Kleinbauern einen höheren Hektarertrag erzielen als Großlandwirte. Daher kann die Verbesserung des Zugangs zu Land zu einer Steigerung von Produktivität, Beschäftigung und Wachstum führen, während gleichzeitig die Armut und der Druck auf die knappen Ressourcen verringert werden.

Forschung und Entwicklung: Ein weiterer Aspekt einer erfolgreichen Strategie der Beschäftigungsförderung sind massive Investitionen in die Forschung und Entwicklung arbeitsintensiver Techniken und in die Anpassung importierter, kapitalintensiver Techniken an die lokalen Bedürfnisse.

Neue Wachstumsmuster müssen entwickelt und bis weit ins 21. Jahrhundert hinein aufrechterhalten werden, um eine weitere Verschärfung der extremen Ungleichgewichte und Ungleichheiten in der Weltwirtschaft zu verhindern

Wenn wir zulassen, daß das Ungleichgewicht des Wirtschaftswachstums anhält, wird eine Welt extremer und unerträglicher menschlicher und wirtschaftlicher Ungleichheiten entstehen.

Das Ungleichgewicht des Wirtschaftswachstums während der vergangenen 15 Jahre ist deutlich genug. Wenn wir jedoch zulassen würden, daß es bis weit ins nächste Jahrhundert hinein andauert, würde ein Welt extremer und unerträglicher menschlicher und wirtschaftlicher Ungleichheiten entstehen.

Die Armut in Afrika südlich der Sahara und in anderen am wenigsten entwickelten Ländern würde sich verschärfen, ihr Prokopf-Einkommen würde bis zum Jahr 2030 auf 325 Dollar fallen.

Gleichzeitig würde das Prokopf-Einkommen in den OECD-Ländern auf fast 40.000 Dollar ansteigen.

Während Ostasien in 15 bis 25 Jahren den Anschluß an das Einkommensniveau der OECD-Länder schaffen würde, bräuchte China hierfür etwa 50 Jahre, Indien ein Jahrhundert oder mehr.

Diese Szenarien sind keine Prognosen. Sie stellen nur dar, was geschehen könnte, wenn die aktuellen Trends anhalten würden. Sie sollen so die Notwendigkeit energischer Maßnahmen auf nationaler wie auf internationaler Ebene unterstreichen. Der raschen Steigerung des Bevölkerungswachstums wird heute viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die gleiche Aufmerksamkeit sollte sich auf das viel größere und viel schneller zunehmende Ungleichgewicht im Wachstum des Konsums und der Verwendung von Ressourcen richten.

Neue Mechanismen müssen entwickelt werden, um den Schwachen und Gefährdeten dabei zu helfen, die Chancen der neuen globalen Wirtschaft zu ergreifen und sie gleichzeitig vor Marginalisierung zu schützen.

Die Globalisierung gehört zu den einschneidendsten Entwicklungen der letzten Jahre. Zwischen 1965 und 1990 wurde der Welthandel mit Gütern verdreifacht, der globale Handel mit Dienstleistungen stieg um mehr als das Vierzehnfache. Inzwischen haben die Finanzströme unvorstellbare Ausmaße angenommen. Innerhalb von 24 Stunden werden weltweit mehr als eine Billion Dollar bewegt, immer auf der Suche nach den höchsten Renditen. Dieser Kapitalfluß bietet nicht nur beispiellose Möglichkeiten für Gewinne (und Verluste). Er hat die Welt zum Schauplatz eines globalen Finanzmarktes gemacht, in dem selbst die stärksten Länder kaum noch selbständig über Zinssätze, Wechselkurse oder andere finanzpolitische Maßnahmen entscheiden können.

Viele Entwicklungsländer haben die Globalisierung als Chance begriffen. Länder, die niedrige Löhne mit hochqualifizierten technischen Fertigkeiten verbinden, haben sich im Wettbewerb gegen etablierte Länder durchgesetzt. In nur zehn Jahren hat Indien seine Software-Entwicklung, die in "Silicon Bangalore" konzentriert ist, derart ausgeweitet, daß es heute der zweitgrößte Software-Exporteur der Welt ist. Auch andere Entwicklungsländer sollten ihre Schwäche, die auf der Abhängigkeit von Exporten gering bewerteter Rohstoffe beruht, dadurch überwinden, daß sie ihre natürlichen Ressourcen mit ihrem Humankapital kombinieren. Im 21. Jahrhundert werden rasche Fortschritte in Technologie und Kommunikation die Möglichkeit bieten, mehrere Entwicklungsdekaden zu "überspringen", aber dies gilt nur für diejenigen armen Länder, denen es gelingt, die neuen Fertigkeiten zu beherrschen und sich im Wettbewerb zu behaupten.

Während in den starken Ländern die Globalisierung häufig das Wachstum gefördert hat, konnten die schwächeren Länder nicht davon profitieren. Der Welthandelsanteil der ärmsten Länder mit 20% der Weltbevölkerung fiel zwischen 1960 und 1990 von 4% auf unter 1%. Sie erhalten magere 0,2% der insgesamt auf der Welt vergebenen kommerziellen Kredite. Obwohl zwischen 1970 und 1994 der Zufluß von Privatinvestitionen in die Entwicklungsländer von 5 Milliarden auf 173 Milliarden Dollar anstieg, gingen drei Viertel hiervon in nur zehn Länder, hauptsächlich in Ost- und Südostasien und Lateinamerika. Länder in anderen Weltregionen, vor allem in Afrika südlich der Sahara, gingen häufig leer aus.

Die Agenda für die Verwirklichung neuer Wachstumsmuster der menschlichen Entwicklung enthält vier Prioritäten:

Erstens müssen drei Gruppen von Ländern ein schnelleres Wirtschaftswachstum erreichen, vor allem nach dem Rückgang in den 80er Jahren.

Länder mit geringer menschlicher Entwicklung: Diese Länder mit fast zwei Milliarden Menschen müssen ihre menschliche Entwicklung beschleunigen und sie durch rasches Wirtschaftswachstum abstützen. Im Mittelpunkt müssen massive Verbesserungen bei Gesundheit und Bildung vor allem dort stehen, wo für die Hälfte der Bevölkerung der Grundbedarf nicht gedeckt ist. Jedes dieser Länder muß seine innerstaatliche Sozial- und Wirtschaftspolitik umgestalten und der menschlichen Entwicklung, dem Wirtschaftswachstum und der Verringerung der Armut höhere Priorität einräumen. Die meisten von ihnen benötigen neue langfristige internationale Zusagen für Schuldenerleichterungen, mehr und gezieltere Finanzhilfe, Maßnahmen zur Öffnung von Exportmärkten und Hilfe bei den Bemühungen um ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Die am wenigsten entwickelten Länder müssen alle mindestens eine jährliche wirtschaftliche Wachstumsrate von 3% pro Kopf ereichen; in den Ländern, deren Prokopf-Einkommen heute niedriger ist als vor etwa zehn Jahren, muß die Rate noch höher sein.

Die früheren sozialistischen Länder, die den Übergang zur Marktwirtschaft anstreben: Nach einem Rückgang des Prokopf-Einkommens um etwa ein Drittel seit 1990 müssen diese Länder das Wachstum wieder ankurbeln und für mehrere Jahrzehnte aufrechterhalten. Innerstaatliche Reformen, die durch Darlehen und andere internationale wirtschaftliche und soziale Hilfsmaßnahmen unterstützt werden, können zur Verwirklichung dieses Ziels beitragen und den freien Fall vieler dieser Volkswirtschaften aufhalten.

Die mittlere Gruppe der Entwicklungsländer: Die meisten Länder in Lateinamerika, im Nahen Osten, in Nordafrika und in Süd- und Südostasien müssen ihr Wachstum beschleunigen, um die menschliche Entwicklung abzustützen.

Zweitens liegt in zwei Gruppen von Ländern die Priorität bei einer Verbesserung der Qualität des Wachstums und der Beibehaltung der Wachstumsrate - weniger bei ihrer Steigerung

Die am wenigsten entwickelten Länder müssen alle mindestens eine jährliche wirtschaftliche Wachstumsrate von 3% pro Kopf erreichen.

Die schnell wachsenden Entwicklungsländer: Für China und die Länder Ost- und Südostasiens liegt die Herausforderung nicht so sehr in einer weiteren Beschleunigung des Wachstums. Sie müssen eher die langfristige Nachhaltigkeit dieses Wachstums sicherstellen und sich stärker um die Verringerung der Armut und um die menschliche Entwicklung bemühen.

Die OECD-Länder: Bei sehr hohem Einkommen und Prokopf-Wachstumsraten von durchschnittlich 2% während der 80er Jahre liegt die Herausforderung für die OECD-Länder im Bereich der menschlichen Entwicklung darin, neue Ansätze für die Förderung von Beschäftigung, Gerechtigkeit und befriedigenden Lebensweisen zu finden, die mit einem stetigen Wachstum in Einklang zu bringen sind. Weitere Aspekte sind Gesundheitsversorgung, Renten und andere soziale Dienste - für Kinder, erwerbstätige Arme und die zunehmende Zahl der Menschen, die das Ruhestandsalter erreicht haben.

Die Grenzen für Wachstum und materiellen Konsum sind deutlicher zu erkennen, wenn die Länder ein höheres Einkommensniveau erreichen - aber es gibt keine Grenzen für menschliche Kreativität, menschliches Mitgefühl und den menschlichen Geist.

Drittens sind globale Aktionen erforderlich, um nationale Bemühungen um die Ausweitung der Beschäftigungsmöglichkeiten abzustützen

Entwicklungs- und Industrieländer benötigen internationale Unterstützung, wenn ihre Eigenanstrengungen um Vollbeschäftigung erfolgreich sein sollen. Die Vereinten Nationen und die Bretton-Woods-Institutionen sollten sich gemeinsam um die Ausarbeitung neuer Formen internationaler Aktionen bemühen. Der Bericht empfiehlt:

Neue Maßnahmen, um Länder bei der Bekämpfung rückläufiger Beschäftigungstrends zu unterstützen, etwa durch wirksamere multilaterale und bilaterale Schuldenerleichterung, umstrukturierte Entwicklungshilfe, abgestützt von Darlehen zu weichen Bedingungen, und Zugang zu Exportmärkten, häufig durch Handelspräferenzen.

In einer sich rasch verändernden Weltwirtschaft gibt es keine einfachen Antworten, keine leichten Wege.

Eine globale Kommission, die mit der Untersuchung und Empfehlung von internationalen Maßnahmen zur Abstützung der jeweiligen nationalen Politik sowie von Initiativen zur Verwirklichung der Vollbeschäftigung beauftragt wird.

Viertens sollte ein globales Sicherheitsnetz geschaffen werden, um alle Länder mit einem geringen Niveau menschlicher Entwicklung in den nächsten zehn Jahren auf ein mittleres Niveau anzuheben.

Nationale und internationale Bemühungen um menschliche Entwicklung sind zwar über längere Zeiträume hinweg aufrechterhalten worden, aber diejenigen, die sie nur durch Wirtschaftswachstum und Finanzmittel unterstützten, sind zu oft gescheitert. Ein vorrangiges internationales Ziel muß es daher sein, in den nächsten zehn Jahren alle Länder zumindest auf ein mittleres Niveau der menschlichen Entwicklung zu heben, um so die Voraussetzungen bei den Menschen für beschleunigtes Wachstum, verringerte Armut und gerechtere Entwicklung im 21. Jahrhundert zu schaffen.

Umfassende Überwachung und Berichterstattung über die Lage in den am wenigsten entwickelten und ärmsten Ländern, zumindest bis sie ein rasches Wachstum der menschlichen Entwicklung und des Einkommens erreicht haben.

Umfangreiche und nachhaltige Unterstützung eines jeden der am wenigsten entwickelten Länder, das einen Plan für eine weitreichende und solide menschliche Entwicklung aufgestellt hat.

Oft muß diese Hilfe mit einer radikalen Überarbeitung der Methoden innerstaatlicher Wirtschaftsführung einhergehen. Allerdings nicht immer. Eine beachtliche Zahl der ärmeren und schwächeren Volkswirtschaften hat bereits weitreichende Maßnahmen zur Reform und Umstrukturierung ihrer Wirtschaft ergriffen, und dennoch führten diese Anstrengungen nur selten zu mehr Wachstum.

Die reicheren Länder müssen noch mehr Unterstützung leisten; es muß ein internationales Sicherheitsnetz, zum Beispiel durch Abkommen zwischen armen und reichen Staaten, geschaffen werden. Die ärmeren könnten ihre Bereitschaft demonstrieren, nach besten Kräften in ihre Menschen und ihre Volkswirtschaften zu investieren. Die reicheren könnten ein Gesamtpaket von Ressourcen anbieten (Entwicklungshilfe, Schuldenerleichterung und Handelskonzessionen), das ausreichen würde, um eine respektable Wachstumsrate zu verwirklichen und soziale Grundversorgungsdienste für alle bereitzustellen. Dies wird das Einhergehen von wirtschaftlichem Wachstum und menschlicher Entwicklung auf nationaler wie auf internationaler Ebene stärken.

In einer sich rasch verändernden Weltwirtschaft gibt es keine einfachen Antworten, keine leichten Wege. Dieser Bericht führt uns drastisch vor Augen, daß Nichtstun jedenfalls keine Lösung ist. Wirtschaftswachstum sollte dazu führen, daß alle Menschen mehr Wahlmöglichkeiten erhalten - und nicht zu weniger Möglichkeiten für mehr Menschen oder vielen Chancen für einige wenige. Es reicht jedoch nicht aus, darauf zu warten, bis das Wirtschaftswachstum automatisch zu den Armen durchsickert. Menschliche Entwicklung und Verringerung der Armut müssen auf der Rangliste politischer und wirtschaftlicher Grundsatzentscheidungen an oberster Stelle stehen. Wenn dann unter großen Mühen ein Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und menschlicher Entwicklung hergestellt wurde, muß er vor der Gefahr geschützt werden, durch plötzliche Veränderungen der politischen Machtverhältnisse oder der Marktkräfte zerstört zu werden.

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Geändert: 01.08.1999 Dr. Ernst Leuninger